Sebastian Kurz auf Lokalaugenschein am Grenzübergang Gevgelija/Mazedonien

© /Dragan TATIC/BMeiA

Balkanroute
02/14/2017

Nur Müllberg erinnert an Idomeni-Camp

Außenminister Kurz sagt, auch die Mittelmeer-Route müsse geschlossen werden.

von Ida Metzger

Die Flüchtlinge sind nicht mehr da, Spuren sind aber noch immer sichtbar. An das Camp von Idomeni, in dem vor einem Jahr noch 14.000 Flüchtlinge hausten, erinnert heute nur mehr ein Müllberg, der noch nicht entsorgt wurde. Und dann steht da mitten in der Landschaft der Grenzzaun. Streng bewacht von der mazedonischen Polizei, die von 137 Polizisten aus sieben Ländern unterstützt wird.

Darunter sind auch zwanzig Österreicher. Sie suchen mit Wärmebild-Kameras, mit denen man sogar Kaninchen erspähen kann, in den Nachtstunden nach Schleppern und Flüchtlingen. "Die Mazedonier sind uns sehr dankbar, dass durch Österreich die Westbalkanroute geschlossen wurde. Wir werden überall freundlich aufgenommen", erzählen die österreichische Polizisten Außenminister Sebastian Kurz. "Dafür war ich in Griechenland im Vorjahr nicht gerne gesehen. Ein Sommerurlaub war nicht möglich", scherzt Kurz im Smalltalk mit den Polizisten.

Am 24. Februar 2016 wurde die Schließung der Westbalkanroute in Wien beschlossen, am 6. März auch auf EU-Ebene. Das war für Kurz außenpolitisch wahrscheinlich der bisher größte Erfolg.

Ein knappes Jahr später kehrt die ÖVP-Hoffnung an den Grenzübergang in Gevgelija, der gegenüber von Idomeni liegt, zurück. Kurz posiert willig für die Fotografen vor dem Zaun, lässt sich von den Mazedoniern zeigen, wie der "March of Hope" am 14. März 2016, bei dem drei Flüchtlinge im Grenzfluss ertrunken sind, ablief.

"Die Schließung der Westbalkanroute zeigt, dass man Migrationsströme aktiv beeinflussen kann", bilanziert Kurz nicht ohne Stolz. Er wurde von der EU wegen dieses Schrittes lange "nicht fair behandelt", sagt der Außenminister. Aber die Zahlen, so Kurz, sprechen für sich. "Heute kommen in vier Monaten so viele Flüchtlinge über den Balkan wie 2015 an zwei Tagen. Das ist ein Minus von 98 Prozent." Aber es war nicht die Schließung der Balkanroute allein, die den Flüchtlingszustrom dämpfte, auch der Türkei-Deal habe diese Entwicklung beschleunigt.

Zehn Flüchtlinge pro Tag

Trotz der High-Tech-Überwachung versuchen täglich Migranten die Grenze von Griechenland nach Mazedonien zu überqueren. "Zehn Flüchtlinge pro Tag werden hier aufgegriffen", berichten die Polizisten.

Doch die Flüchtlinge haben Ausweichrouten gefunden – etwa über Bulgarien nach Serbien und Richtung Mitteleuropa. So kamen im Jänner rund 1900 Flüchtlinge über den Balkan nach Österreich. Der Rest reiste über die Mittelmeer-Route. "Hier gab es einen Zuwachs von 20 Prozent letztes Jahr. Auch diese Route muss geschlossen werden", fordert Kurz.

Doch das wird wohl nicht so schnell gelingen wie auf dem Westbalkan.

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