Gabriele Heinisch-Hosek im Bildungsministerium: "Mein Schreibtisch kommt erst."

© Eckharter Rainer

Noten für Bildungsministerin
06/27/2014

Miserables Zeugnis für die Schul-Chefin

Nicht genügend: Lehrer-, Eltern- und Schülervertreter stellen Ministerin Heinisch-Hosek miserables Zeugnis aus.

von Karin Leitner

Ein halbes Jahr nach Amtsantritt hat Gabriele Heinisch-Hosek jene Reputation verspielt, die sie als Beamtenministerin hatte.

Ein Fünfer von Lehrern

"Unglaubliche Fehlleistungen"

Seit einem halben Jahr ist die Sozialdemokratin Gabriele Heinisch-Hosek, zuvor für den gesamten öffentlichen Dienst und Frauenagenden zuständig, oberste Schulherrin (die Frauenagenden blieben ihr). Mit den schwarz-dominierten Standesvertretern hatte es noch keine Unterrichtsministerin leicht; Heinisch-Hoseks Vorgängerin Claudia Schmied (SPÖ) ebenso wenig wie deren Vorgängerin Elisabeth Gehrer (ÖVP).

Harte Kämpfer für ihre Klientel sind die Lehrergewerkschafter. Hart beurteilen sie auch Heinisch-Hosek. Ein "Nicht genügend" bekommt sie von Lehrergewerkschaftschef Paul Kimberger, der sich schon mit ihr und Schmied ausgiebig gematcht hat – wegen der künftigen Dienst- und Gehaltsregeln für Pädagogen. Warum der Fünfer? "Die Lehrplanziele, die im Regierungsprogramm vorgegeben sind – die Stärkung der Volksschulen, Sonderpädagogik, Begabtenförderung, Schulautonomie, eine neue Lehrerausbildung – werden von Unterrichtsministerin Heinisch-Hosek ignoriert", sagt Kimberger. "Stattdessen produziert sie unglaubliche Fehlleistungen wie die Pannenserie bei der Zentralmatura, das neue Lehrerdienstrecht. Es wird auf Kosten der Kinder eingespart. Dann gab es das Ja-und-Nein zum internationalen Pisa-Test, bis zur jetzigen Diskussion über die Verkürzung der Sommerferien. Leute in der Schule brauchen Systematik, Gerechtigkeit, Nachvollziehbarkeit und Transparenz in der Verfolgung von Unterrichtszielen. Genau das fehlt unserer Bildungsministerin."

Ein Vierer von Eltern

"Eigenartiges Führungsverständnis"

Als "wenig zufriedenstellend" qualifiziert Theodor Saverschel Ministerin Heinisch-Hoseks "Betragen": "Ihre Diskussionsführung ist verbesserungsbedürftig. Wenn jemand nicht auf ihrer Linie ist, wird sie nervös – und dann sehr unfreundlich."

Die "Informationspolitik" der Ressortchefin missfällt dem Frontmann des Bundesverbands der Elternvereine an mittleren und höheren Schulen ebenfalls: "Sie informiert meist zuerst die Medien, dann erst die Interessenvertreter. Das ist nicht akzeptabel." Wobei Heinisch-Hosek "nach dem Crash wegen der Budgetkürzung Besserung versprochen" habe. Auf die wartet Saverschel anderweitig noch: "Es mangelt nach wie vor an genügend Unterstützungspersonal für die Lehrer – von Psychologen bis Sekretariatskräften."

Ein "eigenartiges Führungsverständnis" Heinisch-Hoseks hat Saverschel angesichts des Datenlecks im Bildungsforschungsinstitut bifie ausgemacht: "Anfangs hat die Ministerin gesagt, sich das in Ruhe anzuschauen, dann folgte Hysterie – und sie stellte die Schülertestungen ein. Um dann den PISA-Test doch wieder machen zu lassen." Dass die zwei bifie-Direktoren ob der Probleme nicht mehr amtieren, sei zwar "ein gutes Zeichen, es gibt aber offenbar Ambitionen, diese Posten politisch zu besetzen", sagt Saverschel.

Positives gesteht er der SPÖ-Bildungsfrau aber auch zu: "Es ist gut, dass sie sich dagegen verwahrt, die Verantwortlichkeit für alle Lehrer den Bundesländern zu übertragen." Darauf drängen Landeshauptleute seit Längerem.

Ein Vierer von Schülern

"Großes Minus für die Zentralmatura"

"Einiges nicht gepasst" an Gabriele Heinisch-Hoseks bisherigem Wirken hat Bundeschülervertreterin Angi Groß. "Zuerst hat die Unterrichtsministerin den PISA-Test für 15-Jährige abgesagt – wegen des Datenlecks im Bildungsforschungsinstitut bifie, das sie vermutlich verheimlichen wollte. Jetzt findet er doch wieder statt."

Anders sei das bei TIMSS, einer ursprünglich für 2015 geplanten Volksschul-Vergleichsstudie. "Dass es die nicht gibt, ist schlecht. Um sich ein umfassendes Bild von Schülerleistungen machen zu können, muss es mehr geben als PISA." Als "großes Minus" sieht Groß, die der ÖVP-nahen Schülerunion entstammt, die Sache rund um die "standardisierte Reifeprüfung", die Zentralmatura an den Gymnasien: "Da sind beim ersten Durchgang viele Schlampigkeitsfehler passiert, etwa mit dem NS-affinen Text bei der Deutschmatura; aber auch in Englisch."

Wie qualifiziert Groß, die noch bis September Schüler vertritt, Heinisch-Hoseks "Betragen"? "Ein ,Sehr zufriedenstellend‘ geben wir Schüler ihr nicht, ein "Zufriedenstellend‘ ist es." Warum? "Bei Sitzungen ist sie nicht immer da. Anwesenheit wird in der Schule als Teil der Mitarbeit gewertet." Kommenden Montag gebe es einen "Runden Tisch" mit Schüler-, Lehrer- und Elternvertretern zum Thema Schulrecht: "Da wird sie nicht dabei sein." Bessern werde sich Heinisch-Hosek "hoffentlich", sagt Groß, die fortan nicht mehr in eine Schule muss. Sie hat vor drei Wochen mit "gutem Erfolg" an einer HAK maturiert.

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