Norbert Schendl von der ÖVP

© APA/GEORG HOCHMUTH

3,5-Tage-Woche
10/13/2016

Neuer VP-Beamtenchef Schnedl will gleichen Lohn bei weniger Arbeit

GÖD-Chef Schnedl im KURIER-Interview: "Von Digitalisierung sollen nicht nur Arbeitgeber profitieren."

von Michael Bachner

Norbert Schnedl wurde am Dienstag mit 96,6 Prozent zum neuen Vorsitzenden der mächtigen Beamtengewerkschaft gewählt. Er folgt GÖD-Urgestein Fritz Neugebauer nach und um aus dessen Schatten zu treten, braucht es schon Gewichtiges im politischen Tagesgeschäft.

Gleich mit seiner ersten Ansage scheint Schnedl diese Erwartung zu erfüllen. Obwohl er Chef der Christgewerkschafter, also ein Schwarzer, ist, bekommt der 56-Jährige Applaus von roter Seite. Das ist wenig verwunderlich, fordert er doch eine radikale Arbeitszeitverkürzung – genauer die 3,5-Tage-Woche für alle.

Schnedl stellt sich mit dieser Forderung gegen die ÖVP-Parteilinie. In der Volkspartei wird bekanntlich die Flexibilisierung der Arbeitszeit gefordert, was nichts mit einer Verkürzung zu tun hat. Und je genauer man in die Partei hineinhört, desto öfter – speziell in Industriekreisen – hört man auch die Forderung nach einer Arbeitszeitverlängerung. Schnedl regt also auf.

Im KURIER-Gespräch präzisierte der neue Boss der Beamtengewerkschaft am Donnerstag seine Vorstellungen. Schnedl sagt: "Was die Zeitreduktion angeht, sage ich, besser mehr als weniger – auch für den Wunsch nach zusammenhängen Freizeitblöcken. Wir müssen dafür sorgen, dass alle von der Digitalisierung profitieren, nicht nur die Arbeitgeber."

Rein rechnerisch würde die Reduktion auf eine 3,5-Tage-Woche – bei einem üblichen 8-Stunden-Tag – 28 Stunden pro Woche bedeuten.

Auf eine exakte Stundenanzahl pro Woche will sich der GÖD-Chef bewusst nicht festlegen, er spricht von einer "Bandbreite". Heute arbeiten die einen Arbeitnehmer, so sie einen Vollzeitjob haben, 38,5 Stunden, die anderen 40 Stunden, viele auch mehr – grosso modo aufgeteilt auf eine 4-, 5-Tage-Woche.

SPÖ-Frauenchefin und Ex-Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek begrüßt Schnedls Vorstoß ausdrücklich und verwendet dafür den Begriff der "verkürzten Vollzeit für alle".

Was der Arbeitgeberseite noch weniger gefallen dürfte, ist Schnedls Wunsch nach gleichzeitigem "vollen Lohnausgleich". Arbeitnehmer bekämen demnach den vollen Lohn bei deutlich reduzierter Arbeitszeit. Das argumentiert der GÖD-Chef so: Die Digitalisierung sei bereits im vollen Gange, man müsse jetzt die Weichen für die Arbeitswelt von morgen stellen. Das bedinge unter anderem – über das Modell Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich – die Verteilungsfrage neu zu stellen.

Weniger Jobs aufteilen

Der Gewerkschafter versteht die 3,5-Tage-Woche in erster Linie als "symbolischen Begriff", der die Notwendigkeit zur Arbeitszeitverkürzung ausdrücken soll, wenn quasi insgesamt die Arbeit ausgeht. Schnedl sagt: "Wenn die Studien zutreffen, dass in den nächsten 15 Jahren zwischen 40 und 55 Prozent aller Jobs durch computergestützte Maschinen, Software und Roboter ersetzt werden, muss man natürlich die Arbeitszeitverkürzung ansprechen."

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