Politik | Inland 16.01.2018

Neue Rolle: Straches wundersame Wandlungen im O-Ton

Head of Austrian far-right Freedom Party (FPO) Heinz-Christian Strache addresses a news conference in Vienna, Austria September … © Bild: REUTERS/LEONHARD FOEGER

In der Opposition hat Heinz-Christian Strache viel gefordert und versprochen. Heute klingt manch hochtrabende Ankündigung bereits ein wenig anders.

Vizekanzler Heinz-Christian Strache erzählt in jüngster Zeit gerne, er sei gelassener und ruhiger geworden. Die neue Entspanntheit könnte sich allerdings auch dem teilweise lockeren Umgang mit Ankündigungen, Versprechen und Wutreden aus mehr als zwölf Jahren FPÖ-Opposition verdanken.

Schon die ersten vier Wochen in der Regierung gaben einen Vorgeschmack auf die Gratwanderungen, die dem einstigen Chefkritiker in den nächsten Jahren bevorstehen dürften. Der KURIER hat ein paar erinnerungswürdige Aussagen des "alten" Strache aufgestöbert.

Head of the Freedom Party Strache reacts during th
Head of the Freedom Party (FPOe) Heinz-Christian Strache reacts during the swearing-in ceremony of the new government in Vienna,… © Bild: REUTERS/LEONHARD FOEGER

CETA

"Wir werden auf direkter Demokratie bestehen, beispielsweise bei CETA."
(Strache im KURIER am 17. September 2017)

"Um die Chancen internationaler Märkte bestmöglich zu nützen, benötigt es gut gemachte Handels- und Investitionsverträge (…) Ratifizierung und Umsetzung des am 18.10.2016 im Ministerrat und in weiterer Folge am 30.10.2016 von der Europäischen Union und Kanada beschlossenen Handelsabkommens CETA (…).“
(Regierungsprogramm, 16. Dezember 2017)

© Bild: Screenshot ORF

Kasernen

"Die neue Idee, Kasernen heranzuziehen, wirkt sich sicher nachteilig auf den Verkauf und somit negativ auf das Heer aus."
(Strache in einer Aussendung vom 22. September 2014 über einen Vorschlag von Ex-Innenministerin Mikl-Leitner, auch Kasernen für Flüchtlinge zu öffnen)

"Mein Modell ist, dass wir von den NGOs weggehen in eine staatliche Betreuung und dass es da oder dort Sinn ergeben kann, vielleicht die eine oder andere leerstehende Kaserne zu nutzen. Das ist durchaus überlegenswert."
(Strache in "Wien heute" vom 4. Jänner 2018 über Kasernen als Flüchtlingsunterkünfte)

"Manchmal ist man fast schon belustigt, was wieder hineininterpretiert und wie aus einer Maus ein Elefant produziert wird. Das ist kein Thema, weil wir sie nicht benötigen."
(Strache am 5. Jänner 2018 über Kasernen als Flüchtlingsunterkünfte)

NR WAHL: WAHLKAMPFAUFTAKT DER FPOE IN WELS
APAART31 - 03092006 - WELS - OESTERREICH: ZU APA TEXT II - FPOE-Wahlkampfauftakt am Sonntag, 3. September 2006 in einem Bierzel… © Bild: APA/RUBRA/WAKOLBINGER

Menschenwürde

"Für was haben wir militärische Transportflugzeuge wie die Hercules? Ich sage: die Hercules umrüsten zu einer Abflugmaschine. Da können sie dann schreien und sich anurinieren. Da stört's dann niemanden."

(Strache am Viktor-Adler-Markt am 29. September 2006 über Asylwerber)

"Verankerung der Menschenwürde sowie der bürgerlichen Freiheitsrechte in der Verfassung."

(Zielsetzung im Regierungsprogramm im Kapitel "Verwaltungsreform und Verfassung", 16. Dezember 2017)

NATIONALRAT: STRACHE / KURZ
ABD0114_20171220 - WIEN - ÖSTERREICH: VK Heinz Christian Strache (l.) und BK Sebastian Kurz im Rahmen einer Sondersitzung des Na… © Bild: APA/ROLAND SCHLAGER

Hymne

Nicht zu einer Meinungs-, sondern zu einer Verhaltensveränderung kam es in Sachen Bundeshymne:

"Viele empfinden das als lächerlich und meinen, das sei eine Verhunzung des Textes der österreichischen Bundeshymne."

(Strache im Nationalrat am 6. Dezember 2011)

"Ich werde mich natürlich als Vizekanzler an die gesetzlichen Vorgaben und Bestimmungen auch in diesem Falle halten, dennoch wäre mir die traditionelle österreichische Hymne m Sinne der Freiheit und aus Respekt gegenüber der großen Österreicherin Paula Preradovic lieber."

(Strache in einer Aussendung am 22. Dezember 2017)

AUSTRIA-POLITICS
New appointed Austrian Vice-chancellor of the far-right Freedom Party (FPOe) Christian Strache (L) and Austrian President Alexan… © Bild: APA/AFP/VLADIMIR SIMICEK

12-Stunden-Tag

"Eine asoziale leistungsfeindliche Idee, da dies für alle Arbeitnehmer Nettoreallohnverluste bedeuten würde. Jeder arbeitende Mensch hat es sich verdient, wenn er über acht Stunden am Tag arbeitet, diese Mehrstunden als Überstunden ausbezahlt zu erhalten. Diese werden bis heute skandalöserweise voll besteuert. Diese Überstundenbesteuerung möchte ich abschaffen, damit Leistung sich wieder lohnt."

(Strache am 16. September 2013 in einem KURIER-Wahlchat über den 12-Stunden-Tag)

"Wir wollen den Unternehmen und Mitarbeitern eine flexible Arbeitsgestaltung ermöglichen (…) Anhebung der täglichen Höchstgrenze der Arbeitszeit auf 12 Stunden sowie der wöchentlichen Höchstgrenze der Arbeitszeit auf 60 Stunden."

(Regierungsprogramm, 16. Dezember 2017)

( kurier.at , kap ) Erstellt am 16.01.2018