Politik | Inland 10.06.2014

Niko Alm: "Bin Zielscheibe für die ÖVP"

Niko Alm mit Nudelsieb und Führerschein © Bild: APA/GEORG HOCHMUTH

Strolz löst den bekennenden "Pastafari" als Religionssprecher ab. Alm wird künftig die Raumfahrt betreuen.

Ein "Pastafari" und bekennender Atheist als Religionssprecher: Das ist dann auch den NEOS zu viel. Niko Alm, Abgeordneter und Anhänger der Satire-Religion "Pastafarianismus", hat seine Funktion an Parteichef Matthias Strolz abgegeben. Die entsprechende Ankündigung machte Strolz just bei einem Austausch mit Mitgliedern des der ÖVP nahe stehenden Cartellverbands, bei dem die Wiener Zeitung anwesend war.

Alm war im EU-Wahlkampf wiederholt Zielobjekt von Angriffen der Volkspartei geworden. Deren Parteizentrale warf den NEOS und Niko Alm vor, Religion lächerlich zu machen. Vor dem Cartellverband schließlich betonte auch Matthias Strolz, dass Alms Ernennung zum Religionssprecher "ein Fehler" gewesen sei.

"Was ich will und was die Partei will, passt beim Thema Religion nicht zusammen"

Als Problem innerhalb der Partei solle die Neubesetzung jedenfalls nicht bewertet werden. Alles sei vorher besprochen und einvernehmlich beschlossen worden, so Niko Alm gegenüber dem KURIER. Seine Funktion als Religionssprecher war nicht mit seinen persönlichen Positionen vereinbar, sagt er im Gespräch: "Was ich will und was die Partei will, passt bei diesem Thema nicht zusammen." Parteichef Strolz zeigte sich am Dienstag überrascht über die Aufregung, die diese Entscheidung verursacht habe. Die Ablöse sei schließlich geplant gewesen und nicht "auf Zuruf der ÖVP" geschehen. Sepp Schellhorn, der statt Angelika Mlinar in den Nationalrat nachrückt, wird die Wirtschaftsagenden von Strolz übernehmen. Dieser kümmert sich künftig selbst um die Religion.

Religion kein "Herzensthema"

Dabei sei Religion gar kein "Herzensthema" der NEOS, wie Strolz und Alm betonen. Man wolle sich nicht auf derartigen Nebenschauplätzen aufreiben und habe auch keine klare Position in Punkto Religion und Kirche.

Warum dann überhaupt einen Religionssprecher? Keine andere Parlamentspartei, ausgenommen das Team Stronach, hat schließlich solch einen Posten. "Das frage ich mich auch", gibt Niko Alm offen zu. Das sei einfach so passiert und bisher nicht hinterfragt worden. Dass dieser Sprecherposten nun abgeschafft wird, ist allerdings unwahrscheinlich. Schließlich sei dann eine Riesenaufregung zu erwarten, so der NEOS-Politiker.

"Für Christen nicht wählbar"

Dass die ÖVP etwas mit dem Personalwechsel zu tun hat, wird in der Partei dementiert. "Ich bin eine willkommene Zielscheibe für die ÖVP, wenn es um Religion geht. Das wird sich auch in Zukunft nicht ändern", gibt Alm am Dienstag allerdings zu. Die Volkspartei hat sich bereits erneut kritisch geäußert: Klubobmann Reinhold Lopatka schreibt in einer Aussendung, dass auch mit Strolz als Religionssprecher die Partei "für Christen nicht wählbarer" werde.

Statt der Religion bekommt Alm nun übrigens die Raumfahrt zu seinen Agenden. Auch dort brauche man schließlich ein Nudelsieb, so Alm scherzhaft – "wegen der kosmischen Strahlung".

Erstellt am 10.06.2014