Politik | Inland
31.05.2017

Strolz eröffnet Wahlkampf mit Buch und Rede

Neos-Chef Matthias Strolz präsentiert Vorschläge, wie aus Österreich eine "Heimat großer Chancen" werden könnte.

Neue Bücher erscheinen normalerweise rechtzeitig für das Weihnachtsgeschäft. Die Politik aber folgt der Logik von Wahlterminen, also können wir in den nächsten Wochen viel von Politikern lesen. Bundeskanzler Christian Kern ließ schreiben, Neos-Chef Matthias Strolz schrieb selbst "Mein neues Österreich". Strolz braucht gerade hundert Seiten, um über "Ich", "Du" und "Wir" zu sprechen, also sein Leben, sein Modell eine "freien Chancengesellschaft" und um schließlich die Umsetzung seiner Ideen im Rahmen einer Regierung zu erörtern.

Der Neos-Chef wird am Donnerstag vor seinen Anhängern – er spricht lieber von Bewegung – seine Ideen vorstellen. Und dann will er in ganz Österreich diskutieren. Das Ziel, bei der Nationalratswahl zweistellig zu werden, entspricht nicht den derzeitigen Umfragen, ob Irmgard Griss mithelfen wird, ist noch offen.

Vifer Bergbauernbub

Die Beschreibung seines Aufstiegs vom Bergbauernbub in Wald am Arlberg ist Strolz wichtig, um jeden Verdacht zu entkräften, die Neos seien eine Truppe von verwöhnten Bürgerlichen, die keine Ahnung von sozialer Not hätten. Gerne wird ja auf den Großförderer Hans Peter Haselsteiner verwiesen. Aber auch Haselsteiner wuchs bescheiden auf und kam durch Geschick und Arbeit zu seinem Reichtum.

Chancen für alle bei größtmöglicher Freiheit, das will Strolz erreichen. Das werde nur durch deutlich mehr Eigenverantwortung möglich sein, ein Charakterzug, der in Österreich nicht gelehrt und nicht immer geübt wird. Im zweiten Teil des Buches ist Strolz per Du mit den Lesern - "Ich will, dass DU frei entscheiden kannst, in welche Schule du gehst, ob DU heute 13 Stunden arbeitest, wie DU deine Unternehmensidee durchsetzt." Doch Strolz will Realist bleiben. Die Abschaffung der Pflichtmitgliedschaft in den Kammern ist ihm ein Anliegen, aber mit einer ersten Umsetzung für Kleinunternehmen wäre er schon einmal zufrieden, erzählt er offenherzig.

Europäische Republik

In Teil 3 geht es um "WIR gemeinsam." Da erläutert der Neos-Chef, wie unsere Bildungsstätten besser werden und dass wir Elite-Unis für alle brauchen. Dazu kommen Vorstellungen für Steuersenkungen und für ein neues Pensionssystem – auch hier geht es um mehr Freiheit und die Transparenz eines Pensionskontos. Das Ziel lautet eine Staatsquote von nur mehr 40 Prozent und gleichzeitig die Rückzahlung von Schulden.

Und schließlich Europa. Matthias Strolz glaubt an die "Europäische Republik der starken Regionen", also das Ende der Nationalstaaten. Das wird nicht schnell gehen, es würden anfangs nur einige Staaten bereit sein, die Finanz-und Wirtschaftspolitik zu koordinieren und mehr Souveränität aufzugeben. Aber das Ziel des geeinten Europa sieht Strolz schneller erreichbar als alle anderen Politiker. Hier hat er also eine Alleinstellung, die er im auf Kanzlerkandidaten zugespitzten Wahlkampf wird brauchen können.

Matthias Strolz will unbedingt mitregieren – "Neos müssen gestalten". Wie eine Mehrheit mit den Grünen und ÖVP oder SPÖ erreicht werden kann, weiß er noch nicht. Aber er brennt – unruhig, ja zappelig wie immer. Zweifel daran, ob er der richtige Spitzenkandidat ist, hatte der sonst so nachdenkliche Strolz übrigens nicht.