Politik | Inland
26.10.2017

Kern am Nationalfeiertag: "Kein Platz für Hetze"

Feierlichkeiten mit Kranzniederlegungen und Reden. Hundertausende bei Leistungschau. Kern warnt vor Hetze und Antisemitismus. Van der Bellen nahm ein Bad in der Menge. Strache will für Sicherheit und Frieden sorgen.

Der Nationalfeiertag hat am Donnerstagvormittag wie jedes Jahr mit den traditionellen Kranzniederlegungen begonnen. Bundespräsident Alexander Van der Bellen und die Bundesregierung gedachten am Äußeren Burgtor der toten Soldaten und Opfer des Widerstandes. Bei sonnigem Herbstwetter startete zugleich das umfangreiche Feiertagsprogramm rund um den Heldenplatz.

Kranzniederlegung

Österreich feiert am Donnerstag die "immerwährende Neutralität", die der Nationalrat am 26. Oktober 1955 beschlossen hat. Die offiziellen Feierlichkeiten begannen mit dem Abschreiten der Ehrenkompanie der Garde durch Staatsoberhaupt Van der Bellen, Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil (SPÖ) und Generalstabschef Othmar Commenda. Danach legten sie Kränze beim Denkmal für die Freiheits- und Widerstandkämpfer sowie bei der Gedenktafel für verunglückte und gefallene Soldaten nieder.

Kern: "Patriotisch, aber nicht chauvinistisch"

Kern hat beim Festakt vor Hetze und Antisemitismus gewarnt. Österreich sei eine Wertegemeinschaft, "selbstbewusst und patriotisch", aber nicht "chauvinistisch, kleingeistig und ängstlich". In unserem Land gebe es "keinen Platz für Hetze und Antisemitismus", sagte Kern wohl in Richtung ÖVP und FPÖ, die derzeit an einer neuen Regierung basteln. Österreich werde von jenen weitergebracht, die einen Beitrag für die Gemeinschaft leisten und gemeinsam anpacken. Der Noch-Kanzler brach auch eine Lanze für die Europäische Union. Der Brexit und die Separatisten in Spanien würden zeigen, dass das europäische Projekt keine Selbstverständlichkeit sei. "Spaltung kann niemals eine Lösung sein", so Kern.

Bundespräsident: Ausreichend Mittel fürs Heer

Van der Bellen, der erstmals als Bundespräsident an den Feierlichkeiten teilnahm, appellierte an die künftige Regierung dem Heer ausreichend Mittel zur Verfügung zu stellen, um den Soldaten eine gute Ausbildung bieten zu können und die Luftraumüberwachung sicherzustellen.

Auch der scheidende Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil forderte die neue - wahrscheinlich schwarz-blaue - Koalition auf, den eingeschlagenen budgetären Pfad nicht zu verlassen, den "Sicherheit kostet Geld". Man möge außerdem das Bundesheer "aus dem politischen Hick-Hack herauslassen".

FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache hat anlässlich des Nationalfeiertags auf die friedensstiftende Funktion der Neutralität hingewiesen. "Falls wir Freiheitliche tatsächlich Mitglied der nächsten Bundesregierung werden, dann haben auch wir den Auftrag, im Rahmen des EU-Ratsvorsitzes für Österreichs und Europas Sicherheit zu sorgen. Stabilität, Frieden und Fairness sind unsere höchsten Güter."

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Angelobung der Rekruten

Höhepunkt des Festaktes war die Angelobung von 1.321 Rekruten aus ganz Österreich am Heldenplatz. Danach folgte bei strahlendem Herbstwetter der Fallschirmsprung von drei Soldaten des Jagdkommandos. Diese sind allerdings aufgrund der Windverhältnisse nicht wie geplant am Heldenplatz, sondern im Burggarten gelandet.

Hunderttausende bei Leistungsschau

Die Leistungsschau und die Amtsgebäude stießen auf großes Interesse. Laut Polizei und Bundesheer waren schon am Vormittag 100.000 Besucher gekommen, bis zum Abend erwartet man an die 800.000.

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