FPÖ schießt sich auf "ORF"-Anchorman Wolf ein

INTERVIEW: ARMIN WOLF
Foto: APA/ROLAND SCHLAGER Armin Wolf, ORF-"Anchorman" und stellvertretender Chefredakteur.

Nach dem "ZiB2"-Interview mit FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache gehen die Wogen bei den Freiheitlichen hoch. Für FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky hat Wolf ein "massives Profilierungsdefizit".

FPÖ, ORF und Armin Wolf - oft reichen ein paar Begriffe und man weiß, worum es geht.

Es hat beinahe Tradition, dass ORF-Anchorman Armin Wolf nach einem "ZiB2"-Interview mit FPÖ-Politikern von prononcierten Gegnern der Blauen gelobt und von Freiheitlichen kritisiert wird. So auch gestern, Dienstag, als FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache Fragen zur freiheitlichen Bilanz 2016 beantworten durfte (mehr dazu hier). Während Wolfs Interviewstil in den sozialen Netzwerken – allen voran Twitter und Facebook – mit Beifall gewürdigt wurde, räsoniert die FPÖ in einer Aussendung und auf Facebook über die Auswahl der Fragen. FPÖ-Delegationsleiter Harald Vilimsky

FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky – seinesgleichen auch FPÖ-Europaparlamentarier – meint, dass Armin Wolf seinem Chef keine Sachfragen gestellt habe. "Wertvolle TV-Zeit" wurde mit Fragen zu FPÖ-Interna gefüllt, "die erstens kein Thema sind und auf welche die FPÖ längst und mehrfach schon Antworten gegeben hat". Auf die wirklichen Probleme in Österreich sei man aber nicht eingegangen, etwa Fragen zur "Rekordarbeitslosigkeit, Krise im Gesundheits- und Sozialwesen, Migrationsproblematik, Sinnkrise der EU, internationale Konfliktherde".

Vilimsky unterstellt dem ORF-Moderator, mit einer solchen Interviewführung Lob vonseiten der SPÖ-Führung "erheischen" zu wollen, um damit seinen Job abzusichern. Wolf habe ein "massives Profilierungsdefizit" und der ORF sei zu einer "linken Propagandasendung verkommen", urteilt der EU-Parlamentarier. Ähnlich äußert sich auch FPÖ-Chef Strache auf seiner Facebook-Seite. Mit "Er kann es einfach nicht lassen. Jedenfalls witzig, wie Armin Wolf heute wieder in unsere Richtung geschäumt und verdreht hat...", fängt Strache an und mit "ORF-Staatsfunk" beendet er seine Kritik.

Sauer aufgestoßen ist Strache offenbar das Thema Russland. Armin Wolf fragte den FPÖ-Obmann nämlich nach einem "Partnerschaftsvertrag" mit der Partei "Einiges Russland", der vor einigen Tagen für Aufsehen sorgte (bekannt wurde ein Selfie von Vilimsky, Hofer und Strache). Und als Strache einen solchen Vertrag dementierte, wurde ein Beitrag vom FPÖ-Hausmedium (FPÖ-TV) eingespielt, in dem Heinz-Christian Strache den "Partnerschaftsvertrag" als wichtigen Schritt bezeichnete. "Ich habe mich geirrt", sagte Strache anschließend im "ZiB2"-Studio, es sei in Wahrheit ein Arbeitsübereinkommen.

Le Pen und der EU-Austritt Frankreichs

Auch die Fragen zum "Frexit" (EU-Austritt Frankreichs) und zur Chefin der rechtsextremen Front National, Marine Le Pen, erregt offenbar die Gemüter der Blauen. Armin Wolf habe schlecht recherchiert, urteilt FPÖ-Politiker Vilimsky. "Marine Le Pen will nämlich nach ihrer Wahl zur Präsidentin zuerst mit Brüssel verhandeln und dabei weite Teile der französischen Souveränität wiederherstellen. Erst danach will sie über dieses Verhandlungsergebnis die Bürger abstimmen lassen und nicht gleich über die EU-Mitgliedschaft, wie Wolf das behauptet hat.“ Marine Le Pen Foto: REUTERS

Tatsächlich thematisierte der ORF-Anchorman eine mögliche Volksabstimmung in Frankreich, sofern Le Pen zur französischen Präsidentin gewählt wird. "Herr Strache, Sie wünschen sich, dass Le Pen französische Präsidentin wird. Das zentrale Ziel von Le Pen ist, dass Frankreich aus der EU austritt. Innerhalb von sechs Monaten will sie eine Volksabstimmung machen. Dann ist die EU kaputt."

Strache entgegnete daraufhin, dass die FPÖ einen EU-Austritt nicht unterstütze. "Wenn es eine Volksabstimmung gibt, muss man das aber respektieren." Der Austritt aus der EU sei aber nicht Wunsch der FPÖ. "Wir sagen klar und deutlich, dass wir nicht aus der Europäischen Union austreten wollen".

Marine Le Pen erneuert regelmäßig ihre Forderung nach einem Referendum über einen Austritt Frankreichs aus der EU. "Wie ich es seit Jahren fordere, brauchen wir jetzt dasselbe Referendum in Frankreich und in den Ländern der EU", schrieb sie am 23. Juni auf Twitter - am Tag der Brexit-Entscheidung in Großbritannien. Der russischen Nachrichtenagentur RIA Novosti zufolge soll sie im Dezember 2016 gesagt haben, dass sie mit Brüssel über die französische Souveränität verhandeln werde. Sechs Monate später will sie ein Referendum zum Austritt aus der EU durchführen.

(KURIER) Erstellt am
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