Heinisch-Hosek: Die SPÖ-Bildungsministerin möchte nicht, dass schlechte Bildung „vererbt“ wird

© APA/ROLAND SCHLAGER

Bildung
09/09/2014

SP auf Konsenssuche mit VP: Kurs auf Gesamtschule, aber sanft

Die Ministerin will mit der ÖVP diskutieren: Kinder sollen bis 12 in die Volksschule gehen.

von Christian Böhmer

Warum nicht mit dem Positiven beginnen?, fragte sich Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek am Dienstag. Und deshalb referierte sie im kleinen Kreis zunächst, was an der alljährlichen Bildungsvergleichsstudie der OECD ("Education at a glance", siehe unten) jedenfalls als erfreulich zu vermelden ist.

So schneidet Österreich etwa beim Bildungsstand der Bevölkerung im Vergleich zu den anderen 33 OECD-Ländern vergleichsweise gut ab: Seit dem Jahr 2000 hat der Anteil jener, die zumindest eine Sekundarstufe II (AHS, BHS, Lehre, etc.) abgeschlossen haben, um sieben Prozent auf 83 Prozent an der Gesamtbevölkerung zugenommen; im OECD-Schnitt sind es nur 75 %.

Der Anteil der 15- bis 29-Jährigen, die weder in einer Ausbildung stehen noch über einen Job verfügen, ist mit 9,7 Prozent deutlich unter dem OECD-Schnitt (15,3 %). Und mit einer Arbeitslosenquote von 2,1 Prozent bei den Absolventen einer tertiären Ausbildung (Universität, FH, Kolleg, etc.) ist in der OECD nur Norwegen (1,6 %) noch besser als Österreich unterwegs.

Gleichzeitig bemerkt die OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung), dass die Akademikerquote hierzulande mit 20 Prozent immer noch klar unter dem OECD-Schnitt liegt; dass Österreich mit 10.180 Euro pro Schüler und Schuljahr weit mehr ausgibt als andere OECD-Staaten (Durchschnitt: 7363 Euro); und dass Österreich bei der "Vererbung von Bildung" ausnehmend schlecht abschneidet: Bei der "Aufwärtsmobilität" (Kinder erreichen höheren Bildungsabschluss als die Eltern) ist man auf Platz 22 von 24 untersuchten Ländern.

Während Heinisch-Hosek die vergleichsweise höheren Ausgaben mit den kleineren Klassen (Volksschule: 18,3 Schüler in Österreich; 21,3 im OECD-Schnitt) erklärt und auch verteidigt, will sie das Ergebnis bei der "Aufwärtsmobilität" nicht hinnehmen: "Wir brauchen mehr Bewegung bei der Vererbung von Bildung." Die SPÖ-Ministerin macht keinen Hehl daraus, dass das Ergebnis für sie für den Ausbau der Gemeinsamen Schule (der 10- bis 14-Jährigen) spricht. Sie wisse aber auch, dass das Thema für Neo-Vizekanzler Reinhold Mitterlehner "nicht prioritär" sei – weshalb man als SPÖ einen behutsamen Weg wählen will: Der Koalitionspartner soll "schrittweise" überzeugt werden. Wie? Etwa, indem man darüber diskutiert, ob die Entscheidung über die Bildungskarriere nicht mit zehn, sondern erst im Alter von zwölf Jahren gefällt wird.

OECD-Studie: Die Detailergebnisse

Grafik: Katrin Solomon

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.