FPÖ-Mediensprecher Jenewein.

© APA/HERBERT NEUBAUER

Politik Inland

Nach FPÖ-Intrigen: Verdacht auf Suizidversuch von Hans-Jörg Jenewein

Auf das Rumoren in der FPÖ folgte am Sonntag ein stummer Moment des Schocks. Der in der Kritik stehende Ex-Mandatar Hans-Jörg Jenewein soll einen Suizid-Versuch unternommen haben.

von Anja Kröll, Christoph Schwarz, Patrick Wammerl, Diana Dauer

08/07/2022, 02:00 PM

Vergangene Woche geriet die FPÖ ob ihrer internen Streitigkeiten in die Schlagzeilen. Am Sonntag düfte es dann zur  Verzweiflungstat gekommen sein: Der ehemalige FPÖ-Abgeordnete Hans-Jörg Jenewein, der als Vertrauter von Parteichef Herbert Kickl gilt, soll in der Nacht auf Sonntag versucht haben, sich das Leben zu nehmen. Das erfuhr der KURIER aus gut informierten Kreisen. Laut FPÖ soll er außer Lebensgefahr sein.

Vorangegangen war alldem der Parteiaustritt Jeneweins am Donnerstag. Kurz zuvor war er auch als Mitarbeiter des FPÖ-Parlamentsklubs entlassen worden. Der Grund dafür dürfte eine anonyme Anzeige gegen die Wiener FPÖ sein – die nicht etwa vom politischen Gegner, sondern aus der Feder Jeneweins stammen soll. In der Anzeige geht es um den Missbrauch von Fördermitteln durch freiheitliche Vereine. Beschuldigt werden die Wiener Landespartei sowie Ex-Vizekanzler Heinz-Christian Strache und der amtierende Wiener FPÖ-Chef Dominik Nepp. 

Vorwürfe gegen Kickl

Im Zuge einer Hausdurchsuchung bei Jenewein im September sollen Ermittler auf dessen Handy den Entwurf der Anzeige gefunden haben. Zur Hausdurchsuchung war es gekommen, weil ihm Kontakte zum umstrittenen Ex-Verfassungsschützer Egisto Ott nachgesagt werden. Der Vorwurf: Ott soll Jenewein im Austausch gegen Geld Informationen zugespielt haben.

Dass hinter der anonymen Anzeige ein Parteifreund stecken könnte, erfuhr die FPÖ jetzt zufällig bei der „routinemäßigen Akteneinsicht“ ihres Anwalts  im Spenden-Akt. Jenewein zog wenig später die Konsequenzen.

Rasch wurden am Freitag Gerüchte laut, dass nicht nur Jenewein hinter der Anzeige stecken könnte. Drahtzieher könnte Bundesparteichef Herbert Kickl selbst sein, meinen Insider. Es sei „unwahrscheinlich, dass er nichts von Jeneweins Aktionen gewusst hat“. 


Schlechte Beziehung

Kickl und die Wiener Landespartei haben seit jeher ein schlechtes Verhältnis – nicht zuletzt, weil sich die Wiener Blauen intern immer wieder gegen den Corona-Kurs Kickls gesperrt haben. Sie werfen dem Parteichef hinter vorgehaltener Hand vor, der FPÖ mit seiner überzogen radikalen Politik zu schaden und geben ihm die Schuld an mehreren Parteiaustritten.

Schon mehrfach soll Kickl gemeinsam mit seiner Vertrauten Dagmar Belakowitsch – sie ist die Schwester von Jenewein und ebenfalls in der Wiener FPÖ verankert– versucht haben, die Wiener Parteispitze rund um Dominik Nepp zu entmachten. Kickls Umfeld bestreitet alle Gerüchte vehement. 

Belakowitsch dementierte am Sonntag mediale Gerüchte über einen Abschiedsbrief, in dem ihr Bruder mit dem Parteichef gebrochen habe. Es gebe keinen Brief, das habe ihr Jenewein selbst bestätigt, verlautete die FPÖ-Abgeordnete via Aussendung. An der Berichterstattung übt sie Kritik: „Nur um der FPÖ und Herbert Kickl zu schaden“, würden auf dem Rücken der Familie die „Persönlichkeitsrechte massiv verletzt“. Belakowitsch forderte von den Medien „Zurückhaltung im Sinne der gesamten Familie“. Die FPÖ-Spitzen im Bund und in Wien gab am Sonntag keine Stellungnahme ab. 

Termine abgesagt

Auch die neue Woche steht bei der FPÖ unter dem Eindruck der aktuellen Vorkommnisse: Walter Rosenkranz, blauer Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten, sagte die für heute, Montag, anberaumte Pressekonferenz kurzfristig ab. 

Wer Suizid-Gedanken hat, sollte sich an vertraute Menschen wenden. Oft hilft bereits das Sprechen über die Gedanken dabei, sie zumindest vorübergehend auszuräumen. Wer für weitere Hilfsangebote offen ist, kann sich an die Telefonseelsorge wenden: Sie bietet schnelle erste Hilfe an und vermittelt Ärzte, Beratungsstellen oder Kliniken. Wenn Sie oder eine Ihnen nahestehende Person von Depressionen betroffen sind, wenden Sie sich bitte an die Telefon-Seelsorge in Österreich kostenlos unter der Rufnummer 142.

Das neue österreichische Suizidpräventionsportal www.suizid-praevention.gv.at bietet Informationen zu Hilfsangeboten für drei Zielgruppen: Personen mit Suizidgedanken, Personen, die sich diesbezüglich Sorgen um andere machen, und Personen, die nahestehende Menschen durch Suizid verloren haben. Das Portal ist Teil des österreichischen Suizidpräventionsprogramms SUPRA des Gesundheitsministeriums.

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