APA14317314 - 26082013 - WIEN - ÖSTERREICH: BK Werner Faymann (r./SPÖ) und VK Michael Spindelegger (ÖVP) am Montag, 26. August 2013, vor Beginn der Puls4-TV-Konfrontation zur NR-Wahl 2013 in Wien. APA-FOTO: HERBERT NEUBAUER

© APA/HERBERT NEUBAUER

Wahlkampf
08/27/2013

Nach dem TV-Duett fliegen wieder die Fetzen

Der Wahlkampf gewinnt an Fahrt: Nach dem TV-Duell mit gemäßigtem Tonfall schalten Rot und Schwarz wieder auf lautstarken Angriff.

von Paul Trummer, Bernhard Gaul

Ein Optimist ist ein Mann, der Kreuzworträtsel sofort mit dem Kugelschreiber ausfüllt“, stellte Karl Farkas einst treffend fest. Demnach müssen in der ÖVP-Parteizentrale derzeit besonders viele Kugelschreiber in Umlauf sein.

Am Tag nach der ersten wohldosierten Auseinandersetzung der Spitzenkandidaten vor TV-Publikum (siehe auch unten) schalteten SPÖ und ÖVP im Kanzlerduell wieder auf Angriff: Die ÖVP präsentierte Dienstagfrüh ihre neue Plakatwelle – und versucht Michael Spindelegger als Kanzler in Stellung zu bringen. Die angesprochenen Zielgruppen (Optimisten, Tatkräftige, etc.) bleiben gleich, weshalb VP-Generalsekretär Hannes Rauch auch meint: „Unsere neuen Plakate sind von Optimismus getragen.“ 3000 Plakate sollen ab heute Mittwoch hängen.

In Optimismus übt sich Rauch auch, was das TV-Duell angeht: Er sei „sehr, sehr zufrieden“, Spindelegger habe zu 100 Prozent erreicht, was er sich vorgenommen habe.

Die neuen Sujets

PRÄSENTATION DER "ÖVP-PLAKATKAMPAGNE - WELLE 2": H

PRÄSENTATION DER "ÖVP-PLAKATKAMPAGNE - WELLE 2": H

PRÄSENTATION DER "ÖVP-PLAKATKAMPAGNE - WELLE 2": H

PRÄSENTATION DER "ÖVP-PLAKATKAMPAGNE - WELLE 2": H

2. WELLE DER WAHLPLAKATE DER SPÖ

2. WELLE DER WAHLPLAKATE DER SPÖ

2. WELLE DER WAHLPLAKATE DER SPÖ

2. WELLE DER WAHLPLAKATE DER SPÖ

Der Ton wird rauer

Doch auch die SPÖ-Zentrale reklamierte den Sieg für sich: „Werner Faymann war authentisch und staatstragend und hatte auch inhaltlich ganz klar die Themenführerschaft“, verweist Geschäftsführer Norbert Darabos auf entsprechende Umfragen. Die tut Rauch als „Umfrage unter SPÖ-Mitarbeitern“ ab – und attestiert Darabos angesichts von mehreren Aussendungen „Panik-Attacken“. Der freundliche Umgangston in der TV-Debatte wurde von Parteizentralen über Nacht wieder abgedreht.

Verschärft wurde der raue Ton durch den Umstand, dass auch die SPÖ neue Plakate veröffentlichte: Neben 2500 Plakaten mit dem bereits bekannten Kanzler-Sujet („Mit sicherer Hand für Österreich“) wird die SPÖ ab 1. September auch 2000 Plakate affichieren, die die ÖVP herausfordern: „Gegen Lohnkürzungen“ und „Gegen Pensionskürzungen“ lässt Darabos auf Plakate drucken – und spricht damit zwei Patzer im ÖVP-Wahlkampf an. „Wir haben bisher drei Sujets gebracht, die zeigen, wofür wir kämpfen. Jetzt wollen wir darlegen, wogegen wir auftreten“, heißt es aus der Parteizentrale – und verweist auf Aussagen von Wirtschaftskammer-Chef Leitl, der am Sonntag erneut die Anhebung des Frauenpensionsalters ins Spiel brachte.

In der ÖVP kontert man: „Die Positionen sind klar. Es gibt keine Erhöhung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters bis 2018“ sagt Hannes Rauch zum KURIER. Gegen etwas zu sein, sei kein Konzept. Die SPÖ drucke „ihren Stillstand auch noch auf Plakate“, sagt Rauch und ätzt: „Jetzt hat wohl die letzte Idee das sinkende Schiff in der Löwelstraße verlassen.“

Dort ärgert man die ÖVP lieber mit Plakat-Sujet Nr. 3 mit dem Aufdruck „Gegen Schwarz-Blau“. Nur wer SPÖ wähle, könne Schwarz-Blau oder Schwarz-Blau-Stronach verhindern. Für Streit zwischen den Parteizentralen sorgt zudem die Wahlkampfkostenbeschränkung von sieben Millionen: Rauch unterstellte Darabos erneut, weit mehr Geld auszugeben. Die SPÖ kontert, man halte sich an die Grenze: „Offenbar sucht Rauch jetzt schon nach Gründen für die Wahlniederlage.“

Kanzlerduell: "Werner Spindelegger" im Wortlaut

Mehr Duette statt gespielter Duelle

In der ersten Halbzeit wirkten sie wie ein altes Ehepaar, das sich liebend gern in aller Öffentlichkeit ausrichtet, was die beiden immer schon aneinander gestört hat. In der zweiten Halbzeit dominierte die Botschaft: Wir denken nicht daran, deswegen auseinanderzugehen. Der Auftakt zu den zwei Dutzend TV-Konfrontationen, das sogenannte „Kanzler-Duell“ Montagabend auf Puls 4, war mehrfach eine gelungene Premiere.

Die rauen Reizworte dieses Wahlkampfes, „Lügenkanzler“ und „Rentenklau“, sparten sowohl Werner Faymann und als auch Michael Spindelegger aus. Sie duzten einander öffentlich genauso, wie sie es im Alltag tun. Sie grenzten sich mit dem Florett gegeneinander ab. Den Dreschflegel ließen sie zu Hause in ihren Parteizentralen.

Allein dafür gebührt ihnen Applaus. Die Österreicher sind nicht politikmüde, wie die guten Zuseherquoten zeigten und noch zeigen werden. Sie sind nur jener Politiker müde, die sich auf der Bühne befetzen, um hinterher wieder gut Freund zu sein.

Werner Faymann und Michael Spindelegger haben diese Falle beim ersten gemeinsamen TV-Auftritt in diesem Wahlkampf tänzelnd gemieden. Sie machten das Duell zu einem „Duzell“ (wie Puls 4 am Tag danach kalauert).

Scharfe Scharmützel lieferten sie sich lieber mit den Moderatoren. Das ist zugleich das größte Kompliment an das gelungene neue TV-Format für Politiker-Debatten.

Schmerzhaft offen blieb nur ein dringender Wunsch: Viele Wähler lechzen danach zu wissen, wie die beiden danach das Land regieren wollen.

Hier muss das Koalitions-Paar bald mehr bieten als das freimütige Versprechen, es – trotz allem – doch noch einmal fünf Jahre miteinander probieren zu wollen.

SP-Chef punktet bei Rentnern,VP-Chef bei Männern

Nicht nur um die Stammwähler, vor allem auch um die Unentschlossenen buhlen die Parteien. Am Montag duellierten sich erstmals die Spitzenkandidaten der Regierungsparteien, SPÖ-Chef Werner Faymann und ÖVP-Chef Michael Spindelegger, bei Puls 4. Aber wer konnte bei dem Duell die Unentschlossenen überzeugen? Wessen Argumente zogen mehr?

OGM-Chef Wolfgang Bachmayer, der im Anschluss an das TV-Duell eine detaillierte Umfrage durchführen ließ, winkt ab: „Die Daten zeigen, dass keiner der beiden Spitzenkandidaten bei den Unentschlossenen klar punkten konnte. Etwas mehr als die Hälfte aller Unentschlossenen fand, niemand war im TV-Duell besser.“

Insgesamt, so Bachmayer weiter, hatte Faymann bei allen Themen – außer bei der Wirtschaft – die Nase vorne, wenn auch teils sehr knapp. „Aber Faymann gewinnt vor allem bei den Pensionisten und bei den Frauen.“ Beim Thema Pensionen fanden 85 Prozent Faymann überzeugender (gegen 25% bei Spindelegger), bei den Männern gewann Spindelegger knapp mit 47 zu 44.

Jung gegen Alt

Faymann hat deutlich bei den über 50-Jährigen gewonnen. Genau so deutlich muss man sagen, Spindelegger gewinnt in allen Themen bei den Jungen bis 30 Jahre“, analysiert Bachmayer.

Überraschend war für den Meinungsforscher auch, dass bei den deklarierten Parteianhängern Spindelegger leichte Schwächen offenbarte: „Beim Thema Steuern haben Spindeleggers Wähler durchaus Zweifel am Spitzenkandidaten. Auch beim Thema Bildung und Pensionen gab es überraschend viele deklarierte ÖVP-Wähler, die Faymann auch gut fanden.“

Das Fazit des Experten: „SPÖ-Chef Faymann punktete bei den Themen Pensionen und Steuern, bei den Themen Arbeit, Familie und Europa war das Match mit Spindelegger ausgeglichen. Und beim Thema Wirtschaft gewann der ÖVP-Chef deutlich.“

Gefragt wurde in der Umfrage auch, ob trotz der Differenzen die beiden nach der Wahl wieder zueinander finden. Wenig überraschendes Ergebnis: Drei Viertel der Befragten fanden, dass manch Streitpunkt im TV-Studio nach der Wahl kein Thema mehr sein wird. Bachmayer: „Das war auch für mich das klimatische Signal. Es war weniger ein TV-Duell als ein TV-Duett.“

Medienprofi Gerald Groß analysiert das TV-Kanzlerduell

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