Politik | Inland
24.01.2018

Muzicant nimmt nicht an Holocaust-Gedenken teil

Grund für die Absage von Muzicant sind FPÖ-Politiker und der Fall Udo Landbauer.

Die Holocaust-Gedenkveranstaltung, zu der Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka (ÖVP) heute, Donnerstag, einlädt, ist überschattet.

Hochrangige Vertreter jüdischer Organisationen werden daran nicht teilnehmen. Ariel Muzicant, der Vizepräsident des European Jewish Congress und des Word Jewish Congress, hat seine Absage schriftlich bei Sobotka deponiert. Das Schreiben liegt dem KURIER vor. Muzicant betont, dass seine Absage "kein Protest gegen die Veranstaltung" sei, sondern "ein Protest gegen jene FPÖ-ler, die an dieser Veranstaltung teilnehmen und die Veranstaltung missbrauchen". Muzicant skizziert, dass er in seinem politischen Wirken zwei große Ziele verfolgt: Den Aufbau einer jüdischen Gemeinde, um den jüdischen Menschen in Österreich wieder ein jüdisches Leben zu ermöglichen. Und das Verhältnis der jüdischen Gemeinde zu Österreich und den Österreichern auf eine neue Basis zu stellen, Antisemitismus und Rechtsextremismus zu bekämpfen. Ersteres sei "hervorragend gelungen", zweiteres wurde "noch nicht erreicht". Der Vertreter großer jüdischer Organisationen erklärt, dass er – unter anderem aufgrund seiner Familiengeschichte ("das Trauma der Shoah prägt uns als Juden in Österreich zu jedem Zeitpunkt") – und wegen der FPÖ nicht seiner Einladung folgen könne: "Soll ich an einer Gedenkveranstaltung teilnehmen, wo z. B. Udo Landbauer sitzt und erklärt, er hätte von dem Liederheft ,nichts gewusst’ und würde jetzt seine ,Mitgliedschaft bei der Germania ruhen lassen’."

Kein Einzelfall

. . . "Und Herr Landbauer ist ja kein Einzelfall, Herr Bundesminister Norbert Hofer, Herr Abgeordneter Martin Graf, usw. sitzen in so einer Burschenschaft. Alle diese Herrschaften treten öffentlich natürlich gegen jede Form des Antisemitismus auf und sind ,furchtbar bestürzt’ wenn solche Dinge aufkommen, aber bis vor kurzem sind sie zum Grab des Kriegsverbrechers Walter Nowotny gepilgert, haben den 8. Mai als Trauertag begangen und geben NS-Kriegsverbrechern bis heute einen Ehrenplatz in ihren Burschenschaften." Auch die AULA, eine Zeitung, die Publikationen von Holocaust-Leugnern anpreist, würde von der FPÖ finanziert. Muzicant erinnert daran, dass Sebastian Kurz erklärt habe, man möge die Regierung an ihren Taten messen. "Ich bitte um Verständnis, ich messe die FPÖ als Regierungspartei an ihren Taten", schreibt er an Sobotka. Zum Gedenken sind auch Zeitzeugen und Holocaust-Überlebende eingeladen. Ob alle kommen, war bis zuletzt offen.