Politik | Inland
25.04.2017

Ingenieur statt Jurist: Mitterlehner will Studienanfänger umverteilen

Eine neue Studienplatzfinanzierung wird den Zugang zu Massenfächern erschweren, aber die Betreuung der aktiven Studenten verbessern

Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner stellte am Montag in einem Hintergrundgespräch sein neues Modell für die Studienplatzfinanzierung vor. Es ist mit den Universitäten und im Prinzip auch mit der SPÖ abgestimmt, allerdings sind mit letzterer noch harte Detailverhandlungen zu erwarten.

Die gute Nachricht: Die Universitäten werden mehr Geld bekommen. Die Universitäten werden in einem Dreijahresplan finanziert. Der nächste Dreijahresplan beginnt mit 1. Jänner 2019. Für die Jahre 2019, 2020 und 2021 werden zusätzlich zu den automatischen Steigerungen (Inflation, Lohnerhöhungen), die 840 Millionen ausmachen, 510 Millionen ausgeschüttet. Damit wird das Budget der Unis auf 11 Milliarden für drei Jahre ansteigen.

Aussiebeverfahren

Die schlechte Nachricht: Der Zugang zu den Universitäten wird weiter verschärft. Für die Studienrichtungen Jus, Erziehungswissenschaften, Anglistik und Romanistik werden Zugangsbeschränkungen eingeführt, wie es sie derzeit schon für andere überlaufene Fächer gibt. So haben sich aktuell 16.000 Jugendliche für das Medizinstudium angemeldet, nur 1600 von ihnen werden aber aufgenommen werden. 90 Prozent der Medizin-Studierwilligen werden, auch wenn sie den Aufnahmetest im Juli bestehen, nicht genommen. Mitterlehner auf die Frage, ob diese Art von Aussiebeverfahren in seinen Augen gerecht sei: "Das ist nicht die Frage. Wir können nicht noch mehr Geld ins System pumpen, das sind wir dem Steuerzahler schuldig." Die abgewiesenen Jugendlichen sollten auf die Fachhochschulen ausweichen oder in andere Studienfächer, in denen Plätze frei sind. Mitterlehner nannte Ingenieurwesen, Weltraumtechnik, Recycling oder Materialtechnik.

Mitterlehner betont, er wolle keine Reduktion der Gesamt-Studentenzahl erreichen, sondern im Gegenteil die Zahl der "prüfungsaktiven Studien" von derzeit 182.000 in Richtung 210.000 anheben. Allerdings sollen sich die Studenten besser auf die 160 Studienrichtungen verteilen. Derzeit entfallen 60 Prozent der in Summe 280.000 Studenten auf nur 20 Studienrichtungen.

In Studienrichtungen ohne Zugangsbeschränkung soll es künftig den Unviersitäten frei gestellt sein, Eignungstests oder Motivationsschreiben einzuführen. Dort dürfen Studierwillige zwar nicht abgewiesen werden, doch sollen die neuen Eignungsverfahren zu einer "bewussteren Studienwahl" führen.

Bessere Betreuung

Weitere gute Nachricht: Wer es in sein Traumstudium geschafft hat, soll dort künftig bessere Studienbedingungen vorfinden. Mitterlehner will die Relation zwischen Lehrpersonal und Studenten "in Richtung" 1:40 bewegen. Derzeit gibt es Betreuungsrelationen von 1:123 bei Erziehungswissenschaften, 1:73 bei Fremdsprachen oder 1:70 bei Jus. Die Dropout-Raten sollen deutlich sinken. Derzeit betragen sie bei Erziehungswissenschaften 42 Prozent, bei Fremdsprachen 71 und bei Jus 73 Prozent. Ziel ist, die Dropout-Raten deutlich unter 20 Prozent zu bringen.

Die Berechnung der Anzahl der Studenten in Fächern mit Zugangsbeschränkungen wird nach einer neuen Formel erfolgen: Es wird von der Zahl der Anfänger, der Studierenden im ersten Jahr und der Absolventen jeweils der Durchschnitt der letzten fünf Jahre genommen. Von diesen Zahlen wird im Verhältnis 25%, 50% und 25% ein Mix gebildet. Durch diese Methode dürfte beispielsweise der Zugang zu Jus von derzeit 8000 auf unter 5000 sinken.

Bei der Zuteilung der Globalbudgets an die Unis soll in Zukunft mehr Transparenz hergestellt werden. So soll sich die Finanzierung der Lehre wesentlich an der Anzahl der aktiv Studierenden orientieren, die der Forschung am Forschungspersonal in den jeweiligen Fächern. Infrastruktur soll extra finanziert werden, weil Buchwissenschaften weniger Bedarf haben als beispielsweise die Technik oder die Bodenkultur.