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Verstecktes Schulgeld?
09/26/2016

Laptop auf Elternkosten wird nicht Pflicht

Bildungsministerium erklärt Computer zu "Lernmittel" und löste damit Alarm bei Elternsprechern aus.

von Johanna Hager

Kaum hat das Schuljahr begonnen, stellt der Bundeselternverband dem Bildungsministerium ein denkbar schlechtes Zeugnis aus. "Besonders zynisch" sei das "Rundschreiben Nr.16/2016" und gleichsam "Schulgeld durch die Hintertüre", sagt Gernot Schreyer, Präsident des Bundeselternverbands an mittleren und höheren Schulen im KURIER-Gespräch. Grund für Schreyers Kritik ist die Definition von Lernmittel in besagtem Rundschreiben und das Verhalten des Ministeriums. "Während Schüler-, Eltern- und Lehrervertreter immer um Informationsaustausch bemüht sind, wir zudem ständig in Kontakt mit dem Ministerium sind, schickt das Ministerium justament ohne Rücksprache mit uns Informationen aus, was künftig unter Lernmittel zu verstehen ist."

1000 Euro pro Jahr

Nicht nur "Hefte, Füllfedern, Zirkel, Taschenrechner" sondern auch "Laptop, Tablett-PC u.ä." sollen Eltern künftig für ihre Kinder kaufen, heißt es darin. 855 Euro zahlen Eltern durchschnittlich pro Kind und Jahr österreichweit und unabhängig des Schultyps – das geht aus einer aktuellen Studie der Arbeiterkammer hervor. Rechnet man etwaige Kosten für Laptops oder Tablets hinzu sind "1000 Euro pro Schuljahr fast nix", sagt Schreyer und weist auf die bereits bestehende außerordentliche Belastung für Alleinerziehende und sozial Schlechtergestellte hin.

Elternvertreter befürchten, dass die Kosten der Schulen auf sie abgewälzt werden und sie zudem verpflichtet werden können, EDV-Geräte zu kaufen. "Stimmt nicht", heißt es auf KURIER-Nachfrage im Bildungsministerium von Sonja Hammerschmid. "Erachtet beispielsweise ein Mathematiklehrer ein Tablet als adäquates Lernmittel müssen selbstverständlich Eltern- und Schülervertreter beratend hinzugezogen werden." Sogenannte Laptop-Klassen bedürfen bereits jetzt je einer Zweidrittel-Zustimmung der Lehrer- sowie der Elternvertreter.

Schreyer, der 650.000 Eltern von rund 400.000 Schülern vertritt, plädiert für ein rasches Gespräch mit dem Bildungsministerium unter Einbindung des Schulgemeinschaftsausschusses (Lehrer-, Eltern- und Schülervertreter), um eine Regelung zu finden, wofür Eltern nun wirklich aufkommen müssen.