Politik | Inland
04.03.2018

Mikl-Leitner: "25 Ehejahre sind bei uns sieben Jahre netto"

Am 22. März wird Johanna Mikl-Leitner als erste Landeshauptfrau Niederösterreichs angelobt. Hinter ihrem Erfolg steht ihr Mann Andreas.Er managt die Familie, sie Niederösterreich.

Dass ausgerechnet eine Frau beweist, dass die Ära der Landeshauptleute mit absoluten Mehrheiten noch nicht vorbei ist, haben weder Johanna Mikl-Leitner noch Politik-Insider vermutet. Als die "resolute Hanni" im April 2017 Erwin Pröll als Landeshauptfrau beerbte, hieß es im Landhaus in St. Pölten hinter vorgehaltener Hand: "Wenn Hanni bei der Wahl einen Vierer vorne stehen hat, kann man froh sein."

Es kam anders. Die Zahlen hinter der absoluten Mehrheit zeigen, dass die zweifache Mutter auch dort punktete, wo viele Politikerinnen Schwachpunkte aufweisen. So erreichte sie 186.133 Vorzugsstimmen. Zum Vergleich: Sebastian Kurz brachte es bei der Nationalratswahl bundesweit (!) auf 117.468 Stimmen. Ein Malus bei Politikerinnen ist die Akzeptanz bei den Wählerinnen. Auch diese Hürde nahm Mikl-Leitner: 52 Prozent der Frauen wählten sie. Ihr Erfolgsgarant ist ihr Ehemann Andreas. Er hält ihr den Rücken frei. Das viel strapazierte Sprichwort "Hinter einem erfolgreichen Mann steht eine starke Frau" hat die 54-Jährige einfach umgedreht. Dem KURIER gaben sie ihr erstes gemeinsames Interview.

KURIER: Frau Mikl-Leitner, als Sie Innenministerin waren, war Ihre Familie nicht präsent in der Öffentlichkeit. Seit einem Jahr sind Sie Landeshauptfrau. Seither wird die Familie immer mehr in Auftritte eingebunden. Gehört das zum Image einer Landesmutter?

Johanna Mikl-Leitner: Uns war es wichtig, die Kinder aus der Politik herauszuhalten. Als Innenministerin ist man unglaublich exponiert. Jetzt hat sich das etwas geändert. Bei großen Momenten, wie der Angelobung oder der Wahl, sind die Mädchen dabei, weil sie es auch so wollen.

Andreas Mikl: Bei der Angelobung als Innenministerin waren wir bewusst nicht anwesend. Es war uns wichtig, dass der Job meiner Frau in der Schule nicht breitgetreten wird, um die Mädchen zu schützen, damit sie nicht unter Druck kommen.

Herr Mikl, Sie sind der Familienmanager. Sind Sie in diese Rolle nolens volens gestolpert? Oder gab es vor dem Gang in die Politik mit Ihrer Frau ein Agreement?

Andreas Mikl: Das ist gewachsen. Ich war auch froh, dass es nicht von heute auf morgen passiert ist, wie bei manchen Quereinsteigern. Dann wäre es ein enormer Umbruch. Unsere Prämisse war immer, dass die Familie öffentlich im Hintergrund bleibt. Eine zweite Bedingung war, dass wir beide unseren Job weiterhin ausüben können. Damit gab es bei uns auch nie Frustrationen. Jeder hat sein eigenes Berufsleben. Ich hätte sonst die Sorge gehabt, nur zu Hause auf die Kinder zu warten, und wenn sie dann erwachsen sind, nicht mehr gebraucht zu werden. So hat keiner von uns das Gefühl, dass er zu kurz kommt. Als Unterstützung hatten wir lange eine Nanny, die uns oft den Rücken freigehalten hat. Wir sind froh, dass wir uns das durch unsere Arbeit leisten konnten. Sie ist heute eine gute Freundin der Familie.

Parteimanagerin, Landesrätin, Innenministerin, jetzt Landeshauptfrau. Wie gehen die Töchter damit um, dass die Mutter nur punktuell zu Hause war?

Johanna Mikl-Leitner: Die Intensität meiner Aufgaben war immer sehr groß. Die Mädchen sind einfach mit dem Wissen aufgewachsen, dass ihre Mama Politikerin ist. Es ist nach der Zeit als Innenministerin aber schon besser geworden. Als Ausgleich nehmen wir uns bewusst Tage frei, wo die Kinder im Mittelpunkt stehen. Wenn ich mir unsere beiden Mädels anschaue, dann ist es uns gelungen, zwei bodenständige, selbstbewusste Mädchen aufzuziehen.

Andreas Mikl: Unsere Töchter sind so aufgewachsen. Und ich kann sagen, dass wir ein glückliches Familienleben haben – mit einem unglaublichen Zusammenhalt und großem Vertrauen. Es ist eben nicht immer nur eine Frage der Zeit, sondern des Managements: Es gibt oft Wochenenden, wo nicht beide Eltern zu Hause sind. Und unter der Woche schaut unser Zeitmanagement oft so aus, dass die Mama erst spät in der Nacht nach Hause kommt. Ich gehe dafür schon um sechs Uhr außer Haus. Hanni kümmert sich in den Morgenstunden um alles, bevor die Kinder in die Schule gehen. Aber ganz ehrlich: Auch bei vielen Vorstandsmitgliedern spielt sich das Familienleben so ab. Warum stellt man diese Frage nur bei erfolgreichen Frauen?

Johanna Mikl-Leitner: Alle meine Karriereschritte waren mit der Familie und auch mit den Mädchen abgesprochen. Als ich Innenministerin wurde, sagte Larissa: "Mama, das machst du jetzt."

Kaum zu glauben, dass die Töchter immer so verständnisvoll waren ...

Johanna MiklLeitner: Natürlich gab es auch Urlaube, wo unsere Töchter meinten, sie vergraben jetzt mein Handy am Strand, weil ich als Innenministerin ständig auf Stand-by war. Das war für die Kinder lästig. Heute ist das besser, weil das Leben als Landeshauptfrau planbarer ist.

Sie müssen Vater- und Mutterrolle ausfüllen. Wie schaukeln Sie diese Doppelrolle?

Johanna Mikl-Leitner: Er ist sicher der strengere – konsequent und diszipliniert. Dafür bin ich auch sehr dankbar. Aber ich gebe zu: Manchmal helfe ich meinen Töchtern mit Tipps, wie sie den Vater um den Finger wickeln können.

Andreas Mikl: Weil ich eben oft beide Rollen ausfülle, muss ich streng sein. Ich schaue, dass alles in geordneten Bahnen läuft. Bei mir gibt es genaue Regeln, wann die Töchter zu Hause sein müssen. Oder wann die Aufgaben gemacht werden. Bei der Erziehung, habe ich versucht, auch vorausschauend zu handeln: Als Larissa noch in die Volksschule ging und die ältere Tochter Anna ins Gymnasium wechselte, hatte ich das Ziel, dass Anna spätestens in der dritten Gymnasiumsklasse selbstständig lernt, damit ich auch Larissa beim Schulwechsel ins Gymnasium ausreichend unterstützen kann.

Sie sind 25 Jahre verheiratet, davon ist seit fast 23 Jahren die Politik die dritte Dominante im Ehebund. Was hält Sie zusammen?

Johanna Mikl-Leitner: Ich sage immer 25 Jahre brutto und zehn Jahre netto.

Andreas Mikl: Ich sage sieben Jahre netto (lacht).

Johanna Mikl-Leitner:Jetzt sind es schon zehn Jahre. Aber im Ernst: Ob die Zahnpasta offen liegen bleibt, darüber können wir uns nicht streiten, denn dafür haben wir keine Zeit. Vielleicht ist unser Geheimnis: Ich bin viel unterwegs, und er hat oft die Ruhe zu Hause (lacht). Denn Andreas hat ja das Privileg, dass er sich aussuchen kann, zu welchen Terminen er mitgehen will.

Andreas Mikl: Ich habe einen eigenen Job, wo ich allein 100 Mitarbeiter managen muss. Da muss ich Präsenz zeigen. Deswegen bin ich froh, wenn ich nicht auch noch bei den Veranstaltungen meiner Frau Präsenz zeigen soll. Stattdessen male ich lieber. Aber dazu fehlt mir seit vielen Jahren eigentlich auch die Zeit.

Herr Mikl, Sie haben also kein Minderwertigkeitsproblem, wenn Sie die zweite Geige spielen?

Andreas Mikl: Mich stört das nicht. Ich bin keiner, der gerne in der ersten Reihe steht. Selbst wenn Johanna als meine Begleitung zu einer Veranstaltung mitgeht, steht da die Hanni stets im Mittelpunkt, aber das macht mir gar nichts.

Was sind die Dauer-Diskussionsthemen in der Familie Mikl?

Andreas Mikl: Ich sollte abnehmen.

Johanna Mikl-Leitner: Das Thema Gesundheit ist seit 20 Jahren präsent. Es ärgert mich, dass Andreas nicht mehr auf seine Gesundheit schaut. Darf ich das erzählen (lacht)?

Andreas Mikl: Es kommt drauf an, was jetzt kommt (lacht).

Johanna Mikl-Leitner: Eine Gewichtsreduktion funktioniert einfach nicht, wenn du im Restaurant immer zielgenau das Gericht mit den meisten Kalorien auswählst. Obwohl der Fisch genauso gut schmeckt, wie der Schweinsbraten. Ich wünsch’ mir einfach ein langes Leben mit dir – darum schau ein bissl mehr auf deine Gesundheit.

Beim Kennenlernen gab es dieses Problem noch nicht. Da waren Sie, Herr Mikl, ein DJ ...

Johanna Mikl-Leitner: Er war ein Punk. Ich habe Andreas bei einer Promotionsfeier von einem gemeinsamen Freund das erste Mal getroffen. Als ich ihn sah , sagte ich zu meiner Freundin: "Jössas, wie schaut der aus, den möchte ich nicht in der Nacht alleine treffen" (lacht).

Andreas Mikl: (lachend) So bleibt man in Erinnerung.

Johanna Mikl-Leitner: Meine Freundinnen sagten gleich: "Du, das ist ganz ein Lieber."

Können Sie Ihren Mann beschreiben ...

Johanna Mikl-Leitner: Er hatte rote Pumuckl-Haare. Andreas trug Lederhandschuhe mit Nieten und auch auf den Stiefeln Nieten. Er war fürchterlich.

Wie hat es dann gefunkt, wenn Ihr Mann fürchterlich aussah?

Johanna Mikl-Leitner: Das erste Gespräch gab es erst ein paar Monate später bei einer Krampusparty. Seine roten Pumucklhaare trug er noch, aber das Outfit war weniger extrem. Da haben wir uns jedenfalls angefreundet. Ja, so ist aus einem Punk ein Familienmanager geworden.

Andreas Mikl: Was mir bei Johanna sofort aufgefallen ist, dass sie sofort präsent war, wenn sie den Raum betreten hat. Ihr Temperament gefällt mir bis heute.

Johanna Mikl-Leitner: Einer seiner ersten Werke heißt der Wirbelsturm, das hat er mir gewidmet. Für mich ist Andreas mein Ruhepol, mein Ausgleich, meine Kraftquelle. Wenn man selbst so quirlig und ein Alphatier ist, dann ist es gut, wenn man jemanden an der Seite hat, der einen wieder erdet. Wenn Andreas "Johanna Anna" sagt, weiß ich, die Grenze ist erreicht (lacht).

Und ein zweites Werk, dass Ihr Ehemann Ihnen gewidmet hat, das dreht sich um die schnelllebige Zeit.

Johanna Mikl-Leitner: Das resultiert auf einem Fehler, den ich am Anfang meiner Politkarriere gemacht habe. Zwei Mal machte ich eine Zeitangabe, wann ich nach Hause kommen werde. Eingehalten habe ich das natürlich nicht. Andreas war damals unglaublich sauer. Seither sage ich nur mehr, ob ich abends zu Hause bin oder nicht. Minutenangaben gibt es nicht mehr (lacht).

Welche Entbehrungen muss man als Ehemann einer Politikerin noch aushalten?

Andreas Mikl: Als meine Frau Landesrätin wurde, rief ich in ihrem neuen Büro an, um mit ihr etwas zu besprechen. Die Sekretärin meinte: "Ich setze sie gerne auf die Rückrufliste" (Johanna Mikl-Leitner lacht). Im ersten Moment war ich so perplex, dass ich nur "Okay. Danke" sagte und auflegte. Das sind so Momente, wo du denkst, das gibt es nur in Slapstick-Filmen und plötzlich erlebst du das selber. Aber das ist alles vergeben und vergessen (lacht).