Freda Meissner-Blau

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AutoBiographie
10/23/2014

Meissner-Blau: "Der heilige Zorn ist geblieben"

Lebensbilanz der Gründerin der Grünen in Buchform.

von Margaretha Kopeinig

Der Zorn ist eine der großartigsten Bewegungen im Menschen, der heilige Zorn. ... Diesen großen Zorn, diese Empörung über Ungerechtigkeiten, über schamlose Hartherzigkeiten hatte ich ja schon als Kind – und er ist mir bis heute geblieben."

So beschreibt Freda Meissner-Blau ihre Lebenskraft in eben erschienen Gesprächsband "Die Frage bleibt. 88 Lern- & Wanderjahre" (siehe Buchtipp unten). Es ist die Rebellion gegen Unverschämtheiten, Lügen und Verbrechen gegen Mensch und Natur, die Meissner-Blau zu einer starken Frau und für viele zu einem Vorbild machen.

Geboren 1927 in Dresden wuchs Freda Meissner von Hohenmeiss wohlbehütet in großbürgerlichem Milieu in Reichenberg (Liberec) in Böhmen auf.

Den Austrofaschismus erlebte sie in Linz, die Kriegsjahre in Wien, der Vater, ein Gegner des NS-Regimes flüchtete 1939 nach London. Die Mutter blieb mit ihren vier Kindern zurück, sie sympathisierte mit den Nazis und wurde Jungmädchenführerin. Da ihr Vater Ferry Meissner verfolgt wurde, erlebte sie auch die andere Seite des Regimes, die Zwölfjährige begann nachzudenken.

Porträt:

Allein flüchtete sie am Ende des Krieges ins zerbombte Dresden. Es folgten Wanderjahre in der ganzen Welt, mit ihrem zweiten Ehemann Georges de Pawloff ging sie nach Afrika. Paris 1968, die Studentenrevolte, war auch fürMeissner-Blau der politische Aufbruch.

1972 kehrt sie mit ihrem dritten Mann, dem ehemaligen Chefredakteur der Arbeiterzeitung, Paul Blau, nach Wien zurück. Hier engagiert sie sich in der Frauenbewegung AUF und in der SPÖ. Wegen ihres Widerstandes gegen das AKW Zwentendorf und das Donaukraftwerk Hainburg folgte 1984 der Parteiausschluss. Zwei Jahre später war sie die Präsidentschaftskandidatin der Grünen und erzielte auf Anhieb fünfeinhalb Prozent – genug Rückenwind für die Gründung einer Partei: Grüne Alternative – Liste Freda Meissner-Blau. Bei der Nationalratswahl 1986 zogen die Grünen mit 4,8 Prozent erstmals ins Parlament ein. Zwei Jahre später legte sie den Klubvorsitz nieder, blieb aber ökologisch und global engagiert.

Als klassische Parteipolitikerin hat sich Freda Meissner-Blau nie verstanden, als Aktivistin Zeit ihres Lebens. Die Weltbürgerin, die neben Familie, drei Kindern vielen Freunden ständig beruflich tätig war, hat trotz hohen Alters eine Devise: Zu fragen und zu hinterfragen – bis zum Ende. Die leidenschaftliche Geschichte ihres bisherigen Lebens ist beeindruckend, spannend, leidenschaftlich und ehrlich erzählt. "Man kann sich wehren und etwas verändern", das zeigt uns Freda Meissner-Blau.

Buchtipp

Meissner-Blau, Freda: Die Frage bleibt. 88 Lern- & Wanderjahre. Im Gespräch mit Gert Dressel. Amalthea Signum Verlag, 286 Seiten, 24,95 €

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