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Med-Uni Linz
07/10/2013

Rektoren lassen sich Zustimmung abkaufen

Experten sind gegen geplante Fakultät, Hochschulkonferenz stellt Bedingungen.

von Paul Trummer

Politisch hatte man sich längst geeinigt, in Linz eine Medizin-Fakultät zu gründen. Am Mittwoch stimmte auch die Hochschulkonferenz zu. In einer mehrstündigen Sitzung einigten sich die neun Mitglieder auf das besonders vom Land Oberösterreich lautstark geforderte Projekt.

Allerdings erfolgte die Zustimmung unter Vorbehalt: „Ein Ausbau der Medizin-Ausbildung in Linz muss auch den Ausbau der Finanzierung des gesamten tertiären Sektors bedeuten“, sagt Heinrich Schmiedinger, Rektor in Salzburg und Vorsitzender der Hochschulkonferenz, zum KURIER. Soll heißen: Es muss auch frisches Geld für andere Universitäten und Fachhochschulen geben. Das sei einstimmig beschlossen worden, die Regierung werde sich voraussichtlich beim Ministerrat im August damit befassen.

Wie berichtet, hatten sich die Stadt Linz, das Land Oberösterreich und der Bund Anfang Juli über die Finanzierung geeinigt. Bis 2017 wird Finanzministerin Fekter 36 Millionen zur Verfügung stellen. Bis zum Vollausbau der Fakultät 2028 zahlt der Bund 58 Millionen jährlich.

Wahlgeschenk

Gestern hatte es heftige Kritik am Plan gegeben, eine neue Mediziner-Ausbildungsstätte zu schaffen. „Wir bedauern nicht nur das Fehlen jeglicher sachlicher Diskussion über einen künftigen medizinischen Universitätsstandort Linz, wir sind darüber vielmehr in höchstem Maße entrüstet“, sagte etwa Erhard Busek, Vorsitzender des Universitätsrats der Medizin-Uni Wien. Alle Entscheidungen des Bundes seien auf rein politischer Ebene, „durch den Druck oberösterreichischer Minister und der nahenden Nationalratswahl gefallen“. Zuletzt hatten sich Gesundheitsminister Alois Stöger, Finanzministerin Maria Fekter und Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (alle Oberösterreicher) hinter das Projekt gestellt.

Skeptisch zeigte sich hingegen bisher Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle, der um die Geldnot der Universitäten weiß. Er gab sich mit dem Ergebnis der Rektoren-Sitzung dennoch zufrieden: „Mit dieser Junktimierung können wir einer medizinischen Fakultät in Linz zustimmen.“ Wie viel zusätzliches Geld für die Unis für ein „Ja“ fließen muss, wollte Töchterle vorerst nicht sagen.

Dass man mit der Medizin-Fakultät den Ärztemangel auf dem Land beseitigen kann, wie Oberösterreichs Politiker argumentieren, glaubt Gesundheitsökonom Ernest Pichlbauer nicht. Diese Fakultät sei sehr spezialisiert, befand er im ORF-Radio: „Wir werden dort Ärzte ausbilden, die noch viel schneller das Land verlassen als Ärzte von anderen Unis.“

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