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Mammografie
02/23/2015

Trotz Brustkrebs-Screening: Rückgang bei Vorsorge

Bilanz 2014: 100.000 Frauen weniger bei Mammografie als noch 2011 – GKK will mehr Werbung machen.

Die Zahlen 2014 sind wirklich ernüchternd“, sagt Radiologe Leopold Schmidt: Für ihn sind die Ergebnisse des "früh erkennen"-Programms, mit dem die Brustkrebs-Vorsorge forciert werden sollte, nicht überzeugend, sagt der Arzt im Ö1-Morgenjournal.

Die Zahlen sprechen auch eine wirklich deutliche Sprache: Im vergangenen Jahr sind 14 Prozent weniger Frauen zur Vorsorgeuntersuchung gekommen als 2011, so die Erhebung des Hauptverbandes – vor Einführung des Programms kamen etwa 100.000 Frauen mehr zur Vorsorge. Die Gesellschaft für Radiologie hingegen glaubt sogar, dass es noch weniger waren und die Statistik geschönt sei: Hier spricht man von einem Minus von 20 Prozent.

Problem mit Zuweisung

Warum dies so sei? Das Hauptproblem ist laut Ärzteschaft, dass weder Hausarzt noch Frauenarzt eine Patientin ohne klare Indikation zuweisen dürfe – eine Überarbeitung des Programms wäre deshalb nötig: „Wir wären das erste Land, das ein Screening einführt, mit dem mit die Mortalität steigt“, spricht Schmidt von einer drohenden „Blamage“ für Österreich.

Auch der Radiologe Franz Frühwald als Mitbegründer des "früh erkennen"-Programms sagt, es gebe Nachbesserungsbedarf: Man "erwische" die Frauen der Altersgruppe, welche am meisten von den Untersuchungen zur Brustkrebs-Entdeckung profitieren (45- bis 70-Jährige), derzeit noch nicht optimal, sagt der Mediziner gegenüber der APA. Die Hoffnungen, wonach man mit den Einladungen mehr jener Frauen zu der Vorsorge-Mammografie bewege, die sich noch nie beteiligt hätten, hätten sich nicht bewahrheitet, so der Experte: "Wir sehen praktisch keine 'neu' hinzugekommenen Frauen." Hier geht es oft um sozial Benachteiligte, dem Gesundheitswesen eher fernstehende Personen, die unterdurchschnittlich versorgt sind.

Ärzte in der "inneren Emigration"

Er nimmt die Ärzte selbst in die Pflicht: Was schmerzlich abgeht, ist die Empfehlung der Ärzte zur Mammografie. Das wären die Hausärzte und die Frauenärzte. Die befinden sich zum Teil in der 'inneren Emigration'." Man habe diese Ärzte mit der Umstellung von den Früherkennungs-Überweisungen zu den persönlichen Einladungen bei der Brustkrebsvorsorge "ausgebootet".

Bereits Anfang 2014 hat es heftige Kritik wegen mangelnder Beteiligung der Frauen an dem Programm gegeben. Ganz aufgeholt wurden die Defizite zu den vorangegangenen Jahren, als jeweils die Ärzte (Hausärzte, Gynäkologen) Überweisungen zur Mammografie für ihre Patientinnen schrieben, allerdings offenbar noch nicht. Frühwald: "In dem Jahr, das man am besten als Vergleich herannehmen kann, im Jahr 2011, hatten wir in Österreich 699.000 Mammografien. Es dürften noch ein bisserl mehr als die bisher registrierten rund 600.000 Untersuchungen für 2014 werden, vielleicht 620.000."

GKK stockt Werbebudget auf

Romana Ruda, die Verantwortliche bei den Gebietskrankenkassen, räumt ein, dass es Startschwierigkeiten gegeben hat – „es braucht einfach noch Zeit“, sagt sie. Zu den Zahlen meint sie: "Wenn man das Jahr 2011 als Vergleich heranzieht, liegen wir 2014 maximal um 14 niedriger." Mit 2013 könne man die Zahlen von 2014 überhaupt nicht vergleichen, weil ja die Brustkrebs-Früherkennung mit dem Programm völlig umgestellt worden sei. Außerdem hätte es bis Mitte 2014 noch Übergangsfristen und Änderungen an den Abläufen gegeben.

Vorläufig sind die derzeitigen Daten für vergangenes Jahr deshalb, weil die an dem Programm teilnehmenden Radiologen noch bis Ende des ersten Quartals 2015 Nachmeldungen durchführen können. 2016 werde das Programm jedenfalls evaluiert, aber bereits jetzt mit 500.000 Euro zusätzlich beworben.

Brustkrebs: In Österreich erkranken pro Jahr rund 5.000 Frauen an Brustkrebs. Es gibt um die 1.600 Todesfälle. Die Früherkennung soll solche Erkrankungen im heilbaren und nicht metastasiertem Stadium aufdecken und somit gleichzeitig die Überlebensrate und den Anteil der möglichen brusterhaltenden Operationen erhöhen. Man schätzt, dass bei einer Beteiligung von 70 Prozent der infrage kommenden Frauen, die Mortalität durch Mammakarzinome um 25 bis 30 Prozent reduziert werden kann. Diese Zahlen werden aber unter Experten immer wieder heftig diskutiert.

Screening-Programm: Im Rahmen des Programms erhält jede Frau zwischen 45 und 69 Jahren automatisch alle zwei Jahre eine persönliche Einladung zur Mammografie. Seit 1. Juli 2014 können Frauen dieser Altersgruppe aber auch mit ihrer e-card zur Mammografie (Wiederholung nach zwei Jahren wieder möglich; Anm.) gehen, eine Einladung oder Zuweisung ist dann nicht mehr notwendig. Frauen im Alter 40 und 44 bzw. mit 70 Jahren oder älter können sich zur Teilnahme an dem Programm anmelden.

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