Politik | Inland
11.03.2018

Luca Kaiser: "Rot-Blau ist nicht meine präferierte Koalition"

Im Wahlkampf war Peter Kaisers Sohn Luca stets an der Seite des Kärntner Landeshauptmannes. Den 23-Jährigen zieht es selbst in die Politik. Er kandidierte 2017 für den Nationalrat, scheiterte vorerst aber. Ein Vater-Sohn-Gespräch.

KURIER: Herr Kaiser, am Montag wurde bekannt, dass Sie durch das Briefwahlergebnis ein 18. Mandat im Kärntner Landtag bekommen. Somit ist eine Regierung ohne die SPÖ nicht mehr möglich. Dieses Mandat sichert der SPÖ im Bundesrat auch ein Drittel der Sitze und damit ein starkes Instrumentarium für die Opposition. Die SPÖ kann nun Volksabstimmungen bei Verfassungsänderungen verlangen. Wo sind für Sie die roten Linien, wo die SPÖ eine Volksabstimmung abhalten soll?

Peter Kaiser: Ganz klar, wenn es Veränderungen im Staat gibt, die uns nicht gefallen. Etwa bei der Sozialpartnerschaft. Sie ist in der Verfassung festgeschrieben und wir wollen sie schützen. Aber selbst wenn man diese Institutionen belässt, sie aber gleichzeitig finanziell so schwächt, dass sie nur mehr reduziert agieren können, können wir uns eine Volksabstimmung vorstellen.

Herr Luca Kaiser, wo würden Sie als Jungpolitiker die Sperrminorität im Bundesrat ausnützen?

Luca Kaiser: Bei angedachten Verfassungsreformen , die bis in die Länderverfassungen hineingehen. Beispielsweise, wenn es zu einer Reduktion der Kompetenzen der Landtage kommen würde. Das geht jetzt dank der Sperrminorität nicht mehr. Aber auch wenn die Infrastruktur-Grundversorgung der Bevölkerung am Spiel steht, wie etwa beim Verbund.

Werden Sie dieses fulminante Wahlergebnis nützen, um sich künftig auch bundespolitisch stärker zu positionieren? Wird man einen neuen Peter Kaiser erleben?

Peter Kaiser: Ich habe nicht vor, mich in irgendeiner Weise zu ändern. Wir freuen uns eigentlich sehr, ohne das Damoklesschwert Hypo regieren zu können, das von einem Tag auf den anderen alles vernichten hätte können. Das wird eine neue Qualität des politischen Arbeitens werden. Ich möchte unsere Gestaltungsmöglichkeiten in der Bildung und bei der Digitalisierung ausbauen.

Luca Kaiser: Für mein linkes Herz ist es wohltuend, dass jetzt nicht mehr Burgenland, sondern Kärnten die stärkste Sozialdemokratie Österreichs stellt.

Heißt das im Umkehrschluss, dass der junge Kaiser für Kärnten keine rot-blaue Koalition begrüßen würde?

Luca Kaiser: (denkt nach) Ich bin froh, dass wir durch den Kriterienkatalog endlich dem Dilemma entkommen sind, dass die FPÖ nicht mehr die Karte der Wehleidigkeit ausspielen kann. Aus meiner ideologischen Genetik heraus muss ich sagen, leicht täte ich mir nicht mit der FPÖ. Als die Landbauer-Causa passierte, habe ich innerhalb der Gremien die Frage aufgeworfen: Was würde die SPÖ machen, wenn wir mit der FPÖ in einer Koalition wären? Eigentlich sollte sich schon die ÖVP schwerer tun, als sie es tatsächlich tut. Aber was würden wir machen ? Daher, nein. Rot-Blau ist nicht meine präferierte Koalition. Aber wir haben mit Gernot Darmann in Kärnten einen FPÖ-Chef, der sich in Regelmäßigkeit vom "Nazi-Dreck", wie er sagt, verbal distanziert hat. Man muss in den Koalitionsverhandlungen einige Tools verankern, wie der Koalitionspartner bei Vorkommnissen rechts vom demokratischen Bogen umzugehen hat.

Werden Sie dem Rat Ihres Sohnes folgen?

Peter Kaiser: Es ist eine von Tausenden Empfehlungen, die ich jetzt bekomme. Und es gibt eine eindeutige Präferenz. Wir haben mit dem Kriterienkatalog ein politisches Instrument, das bei den Koalitionsverhandlungen anzuwenden ist. Das werde ich in Kärnten durchziehen, auch um selbst Erfahrungen in die Partei zubringen, wie solche Prozesse ablaufen sollten.

Wenn man von Kindesbeinen an miterlebt, wie zeitintensiv und mit welchen persönlichen Untergriffen Politik verbunden ist – warum will man da noch in die Politik gehen?

Luca Kaiser: Es ist eine Möglichkeit, mit meinem Vater mehr Zeit zu verbringen.

Peter Kaiser: Ich habe dein Augenzwinkern jetzt gesehen (lacht).

Luca Kaiser: Mit so einem Background wächst man natürlich mit gewissen Grundwerten wie Toleranz und Menschenachtung auf. Der Antifaschismus war bei uns in der Familie stark ausgeprägt. Bis 16 war ich politisch aber eigentlich nicht sehr interessiert. Doch gab es ein Momentum in meinem Leben: Als Mannschaftsmitglied des Fußballvereins Slovenski atletski klub mussten wir uns das ganze Match hindurch als "Scheiß Tschuschen und Jugos" beschimpfen lassen. Danach habe ich mit meinem Vater ein Gespräch geführt. Ich verstand nicht, warum Menschen, die mich nicht kennen, Ressentiments gegen mich oder uns haben? Meine Motivation, mich politisch zu engagieren war, den Hass, der lange in Kärnten geschürt wurde, nicht ohne Widerspruch hinzunehmen.

Ihr Sohn hat für den Nationalrat kandidiert, hat es aber nicht geschafft. Nun ist er parlamentarischer Mitarbeiter. Haben Sie ihm eher zu- oder abgeraten, in die Politik zu gehen?

Peter Kaiser: Ich war sehr, sehr stolz im Inneren. Jetzt sage ich immer wieder, ich hoffe, dass meine Tätigkeit Luca nicht behindert. Denn mit Begriffen wie Familienpolitik ist man sehr schnell bei der Hand.

Hören Sie öfters den Vorwurf, dass Sie aus einer SPÖ-Adelsfamilie stammen?

Luca Kaiser: Je näher mir jemand steht, desto seltener kommt dieser Vorwurf. Dennoch habe ich ein gewisses Grundverständnis für den Vorwurf der Sohn-Rolle. Diesen Vorurteilen kann man nur mit intensiver Arbeit und viel Engagement innerhalb der Partei entgegenarbeiten.

Es existieren einige erfolgreiche Beispiele, wo Kinder ihren Vätern in die Politik folgten, etwa die Familien Schieder, Häupl oder Steger. Trauen Sie Ihrem Sohn eine solche Karriere zu?

Peter Kaiser: Er hat zweifelsohne das Zeug dazu. Die genannten Beispiele sind trotzdem eine Seltenheit, weil man die Duplizität von Familiennamen in ein und in derselben Bewegung eher scheut.

Wo liegen die inhaltlichen Unterschiede?

Peter Kaiser: Wenn ich Luca mit mir vergleiche, dann sehe ich, dass er politisch viel weiter ist, als ich es damals war. In seinem Alter vertiefte ich mich sehr in die Ideologie wie historischen oder dialektischen Materialismus. Sachpolitisch gab es auf dem letzten Parteitag ein Aufeinandertreffen von uns beiden. Dabei ging es um die Legalisierung von Cannabis. Ich musste selbst ans Rednerpult treten, um die Mehrheit im Sinne meiner Position gegen die Legalisierung durchzusetzen.

Warum sind Sie für die Legalisierung?

Luca Kaiser: Wir wiegen dieselben Argumente ab, kommen aber zu unterschiedlichen Ergebnissen. Ich plädiere dafür, weil die Illegalität die meisten Probleme verursacht. Die jungen Menschen kommen über den Schwarzmarkt mit mafiösen Strukturen und Dealern in Kontakt. Dieses Schwarzmarkt-Monopol würde ich gerne durch ein staatliches Monopol aushebeln. Apotheker sollen eine beratende Funktion erhalten. Ich bin aber dafür, dass man die Legalisierung langsam innerhalb von acht bis neun Jahren durchführt.

Herr Kaiser, Sie sind von Lucas Mutter geschieden. Wie konnte trotz der Politik ein so enges Vater-Sohn-Verhältnis wachsen?

Peter Kaiser: Als Luca in der ersten Klasse Volksschule war, haben wir die Trennung vollzogen. Lucas Mama ist eine meiner besten Freundinnen. Wir haben die Erziehung von Luca partnerschaftlich geteilt. Auch die neuen Partnerschaften haben daran nie etwas geändert und stören nicht. Das konnten wir Luca vermitteln.

Luca Kaiser: Dieses Vorleben, dass man ein Kind trotz der Trennung partnerschaftlich aufziehen kann, hat bei meinen Eltern perfekt geklappt. Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass man bei einer Scheidung eine andere Lösung für das Kind findet. Dass nur ein Teil der Eltern das Sorgerecht hat, ist für mich unvorstellbar.

Ihr Sohn hat Sie einen Monat im Wahlkampf begleitet. Warum war Ihnen die Anwesenheit Ihres Sohnes so wichtig?

Peter Kaiser: Es gibt nur wenige, die dir ungeschminkt die Kritik ins Gesicht sagen können. Dazu gehört Luca. Ich lebe von Kritik, nur dann kann man besser werden.

Luca Kaiser: Ich tue mir natürlich leichter, in vollkommener Offenheit mit meinem Vater zu reden, als so mancher Mitarbeiter.

Wenn Kinder Eltern politisch nacheifern

Vater und Sohn in der Politik – das ist vor allem in der SPÖ nichts Neues. Bekanntestes Beispiel: Niko Kern (30), Sohn des Ex-Kanzlers und Mitbegründer der parteiinternen „Sektion ohne Namen“. Von den Medien wurde er rasch als Unruhestifter und vermeintlicher It-Boy dargestellt. Mittlerweile ist es um ihn ruhiger geworden.

Etwas weniger im Rampenlicht stand bisher Bernhard Häupl (29), Sohn des Wiener Noch-Bürgermeisters. Seit 2011 versucht der Jugendkoordinator der SPÖ Wien die Hauptstadt-Jugend zu unterhalten und ihr politisch eine Stimme zu geben. Nach dem Tod von Barbara Prammer, wurde er 2014 bereits als Kandidat für den Nationalrat gehandelt, die Spekulationen verliefen sich jedoch.

Apropos Häupl: Andreas Schieder wäre diesem gerne ins Wiener Rathaus nachgefolgt, scheiterte aber. Das Haus Schieder könnte jedoch auch in Zukunft politisch stark vertreten sein. Sohn Max Wehsely (23), der den Nachnamen von Mutter Sonja trägt, ist seit Jahren beim VSStÖ aktiv. Zur Zeit setzt sich der VWL-Student vor allem gegen die von Schwarz-Blau geplanten Studiengebühren ein.

Politischen Nachwuchs gibt es aber auch bei den anderen Parteien. Flora Petrik (23) etwa erlangte im Vorjahr große mediale Aufmerksamkeit. Nach dem Rauswurf der Jungen Grünen unter ihrer Leitung begann die Misere der Ökopartei ihren Lauf zu nehmen. Mutter Regina sucht nun als stellvertretende Bundessprecherin Wege hinaus aus dem grünen Desaster. Flora verpasste indes mit der KPÖ-Plus den Einzug in den Nationalrat.

Zur anderen Seite des Polit-Spektrums: da wäre zunächst FPÖ-Bildungssprecher Wendelin Mölzer (38), dessen Vater Andreas vor gut vier Jahren von der eigenen Partei zum Rücktritt gedrängt wurde. Die EU als „Negerkonglomerat“ zu bezeichnen, konnte sich er auch als FPÖ-Urgestein nicht leisten. Vater und Sohn schreiben beide für die deutschnationale Wochenzeitung Zur Zeit.

Petra Steger (30), Tochter des ehemaligen Vizekanzlers Norbert, war indes Teil der schwarz-blauen Koalitionsverhandlungen und soll nun eine „neue Generation“ in der FPÖ verkörpern. Mit 25,5 Prozent stellen die Freiheitlichen immer noch den geringsten Frauenanteil im Parlament. Für Steger kein Problem: Sie ist Teil einer Reihe aufstrebender Jungpolitikerinnen.

(- Alexander W. Huber)