Das umstrittene Life-Ball-Plakat.

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Life Ball-Plakat erregt FPÖ
05/20/2014

Life Ball-Plakat erregt FPÖ

Strafanzeige um der "Grenzen des guten Geschmacks" willen. Die FPÖ setzt rechtliche Schritte.

Ist es Kunst, gute PR - oder gar "Irreleitung des Geschlechtstriebes"? Der FPÖ geht jedenfalls das von Künstler David LaChapelle gestaltete Plakat für den Life Ball 2014 zu weit und erstattet Strafanzeige. Das Sujet zeigt Transgender-Frau Carmen Carrera in voller Nackheit: Sie zeigt sowohl ihre weiblichen Rundungen, als auch einen Penis (eine zweite Version zeigt das Modell nur weibliche Geschlechtsteile). Der Slogan lautet "Ich bin Adam - Ich bin Eva - Ich bin ich", unter dem Motto der diesjährigen Veranstaltung "Garten der Lüste".

Die blaue Familiensprecherin Anneliese Kitzmüller, die schon früher ihre Ablehnung gegenüber Ehe und Adoptionsrecht für Homosexuelle bekräftigte, sieht in dem Transgender-Plakat einen Verstoß gegen das Pornografiegesetz. Die Sachverhaltsdarstellung sei am Weg zur Staatsanwaltschaft.

"Das Transgender-Plakat für den Life Ball überschreitet nicht nur die Grenzen des guten Geschmacks - über den man vielleicht noch streiten könnte -, sondern offenbar auch die Grenzen des Strafrechts", meinte Kitzmüller, die die Anzeige gemeinsam mit dem Linzer FPÖ-Stadtparteiobmann Detlef Wimmer einbrachte. Unzählige Kinder und Jugendliche würden mit "nackten Tatsachen" zwangsbeglückt, während man sonst - teilweise scheinheilig - über Jugendschutz in Fernsehen und Internet diskutiere. "Diese sittliche Gefährdung samt Irreleitung des Geschlechtstriebes soll umgehend freiwillig entfernt oder sonst durch Staatsanwalt und Gericht geahndet werden", so die beiden FPÖ-Politiker.

"Reizung der Lüsternheit"

Kitzmüller beruft sich auf den Paragraf 2, der besagt, dass pornografische Schrift, Abbildung oder sonstige Darstellung, die "die sittliche oder gesundheitliche Entwicklung jugendlicher Personen durch Reizung der Lüsternheit oder Irreleitung des Geschlechtstriebes zu gefährden, oder einen solchen Film oder Schallträger einer Person unter 16 Jahren gegen Entgelt anbietet oder überlässt" zu bestrafen sei. Des Vergehens machen sich besonders Personen schuldig, die eine solche Abbildung wissentlich "auf eine Art ausstellt, aushängt, anschlägt oder sonst verbreitet, dass dadurch der anstößige Inhalt auch einem größeren Kreis von Personen unter 16 Jahren zugänglich wird" (Paragraf 2b).

Etliche Bürger haben ebenfalls ihren Unmut geäußert über die explizite Darstellung. So gingen etwa Beschwerden beim Werberat ein, manche Plakate wurden übermalt. Auch auf den sozialen Medien entbrannte eine hitzige Debatte, auf Facebook formierte sich eine Anti-Lifeball-Gruppe.

Das Plakat ist laut Angaben der Life-Ball-Organisatoren bewusst provokant gestaltet, soll jedoch vorrangig für mehr Toleranz werben. Gery Keszler: "In dem Bild geht es nicht um Sexualität, wie man auf den ersten Blick vermuten würde. Es geht um Identität und darum, dass es für die menschliche Würde und gegenseitigen Respekt keine Grenzen gibt." Diese Botschaft hat die FPÖ offenbar nicht erreicht.

Online-Petition gegen Plakat

Unterdessen hat die europäischen Plattform "CitizenGo" gegen das Life Ball-Plakat eine Online-Petition gestartet. Die in Spanien eingetragene Stiftung will das Bild "nicht stillschweigend hinnehmen" und forderte die Sponsoren des Life Balls zur Distanzierung auf, berichtete die Kathpress. Die Kampagne haben bis Dienstagnachmittag 15.490 Personen online unterstützt.

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