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Schulen
02/15/2017

Lehrerausbildung: Grüne wollen PH in Unis eingliedern

Die "PädagogInnenbildung neu" funktioniere derzeit einfach nicht, begründen Wissenschaftssprecherin Maurer und Bildungssprecher Walser ihre Pläne.

Die Grünen wollen die Pädagogischen Hochschulen (PH) abschaffen und als eigene Organisationseinheiten wie etwa Fakultäten in die Universitäten eingliedern. "Die derzeitigen Standorte sollen aber bestehen und von den Aufgaben her aufgewertet werden", so Wissenschaftssprecherin Sigrid Maurer. Unter anderem soll die Elementarpädagogik an ihnen verankert werden.

Derzeit gibt es neun öffentliche PH (eine in jedem Bundesland außer dem Burgenland bzw. zwei in Wien) und fünf private (Burgenland, Diözese Graz/Seckau, Diözese Innsbruck - Edith Stein, Diözese Linz, Erzdiözese Wien). Für die neue Lehrerausbildung haben sie sich - weiter organisatorisch getrennt - mit Unis zu vier Entwicklungsverbünden zusammengeschlossen.

"Absurditäten"

Die "PädagogInnenbildung neu" funktioniere derzeit einfach nicht, begründeten Maurer und Bildungssprecher Harald Walser ihre Pläne bei einer Pressekonferenz am Mittwoch. "Es gibt auch sehr kleine Standorte mit nur wenigen Studierenden", meinte Maurer.

Die PH Vorarlberg und Burgenland könnten etwa kaum mehr als die Pflichtfächer anbieten. Dazu kämen extrem hohe Verwaltungskosten, fehlende Abstimmung bei den Personalbestellungen zwischen Unis und PH sowie "Absurditäten, dass man für manche Studien zwischen Eisenstadt und Klagenfurt pendeln muss".

Eigene Organisationseinheiten

Deshalb sollen die PH als eigene Organisationseinheiten in die Unis eingegliedert werden, forderte Maurer. Das könnten etwa Fakultäten, Departments oder "Schools of Education" sein - das liege in der Autonomie der Universitäten.

Als PH-Schwerpunkte bestehen bleiben sollen laut Walser die Volksschulpädagogik, die Praxisbetreuung für Studierende an den Schulen sowie die Fort- und Weiterbildung. Neu gestaltet werden soll dagegen die Ausbildung der Lehrer für die Sekundarstufe (Kinder ab zehn Jahre, Anm.). "Da plädiere ich für die Wiedereinführung einer getrennten Ausbildung für die Sekundarstufe I (fünfte bis achte Schulstufe, Anm.) und die Sekundarstufe II (neunte bis 13. Schulstufe)."

"Fehler, der rückgängig zu machen ist"

In der Unterstufe seien die pädagogischen Aspekte stärker zu beachten, in der Oberstufe brauche es dagegen einen fachwissenschaftlichen Fokus, begründete Walser. Die gemeinsame Ausbildung der Sekundarstufenlehrer sei "ein Fehler, der rückgängig zu machen ist".

"Dringenden Handlungsbedarf" habe man bei der Elementarpädagogik, so Walser. Diese müsse anders als derzeit im berufsbildenden Schulwesen künftig im Tertiärbereich verankert werden. Als weiterer neuer Schwerpunkt schwebt ihm die Schulentwicklung vor. Dabei müssten die Schulen extern begleitet werden - die PH-Standorte müssten deshalb Angebote bereitstellen. Schließlich könnte noch die schulische Qualitätskontrolle an den in die Unis eingegliederten PH angesiedelt werden und das derzeitige Inspektionssystem ablösen. Möglich sei dafür aber auch die Schaffung einer externen Einrichtung.

Warum junge Menschen Lehrer werden

Zwei gute Gründe Lehrer zu werden? Juli und August. Diesen Witz hören junge Menschen häufig, wenn sie Freunden und Verwandten erzählen, dass sie sich für den Lehrerberuf entschieden haben. Für manche mögen die vielen freien Tage und Nachmittage tatsächlich ausschlaggebend für die Studienwahl sein. Das sind genau die, die das Image des Berufs nicht gerade verbessern.

Ärgerlich ist das besonders für jene, die sich bewusst fürs Unterrichten entscheiden. Der KURIER hat deshalb vier angehenden Lehrer befragt, warum sie die Pädagogik gewählt haben, worauf sie sich freuen und wovor sie sich fürchten.

Michel Eilmer, Quereinsteiger an der NMS

Michael Eilmer wusste als er das erste Mal im Klassenzimmer stand: "Genau das ist der Beruf, den ich ergreifen will." Seit vier Jahren unterrichtet der studierte Verfahrenstechniker an der NMS Leipziger Platz in Wien-Brigittenau. Dass er das als Nicht-Pädagoge tun kann, hat er Teach for Austria zu verdanken. Ziel der Organisation ist es, Uniabsolventen aller Studienrichtungen für Schulen zu gewinnen, deren Schüler nicht gerade optimale Startvoraussetzungen fürs Leben haben.

"Seit meinem ersten Tag gab es noch keinen Moment, an dem ich morgens gedacht habe, dass es mich heute nicht freut. Im Gegenteil. Die Arbeit macht mir großen Spaß." Und zwar so sehr, dass er sich jetzt entschlossen hat, noch ein Studium für das Lehramt in Mathematik und Sport anzuhängen. Es war auch der Sport, der ihn auf die Idee gebracht hatte, sich für zwei Jahre für die Schule zu verpflichten. In seiner Freizeit trainiert er eine Landhockey-Jungmannschaft und weiß somit, worauf sich ein Sportlehrer einstellen muss: "Eine gewisse Lautstärke und Schüler, die sich austoben."

Eilmer entscheidet sich bewusst für eine Neue Mittelschule. "Warum auch nicht?", sagt er. "Mag sein, dass die Schüler zum Teil fordernder sind als an einer AHS. Doch das hier ist kein chaotisches Irrenhaus, wie boshafte Zungen behaupten. Die Jugendlichen geben mir das selbe zurück wie andere auch, sobald sie merken, dass du sich für sie einsetzt."

Sicher seien die Voraussetzungen andere. "Ich war in einer AHS und kann nicht auf eigene Erfahrungen zurückgreifen. Auch deshalb ist es eine Herausforderung – das liegt mir aber." Noch etwas spreche für die NMS: "Ich kann Fächer unterrichten, die ich nicht studiert habe, etwa Deutsch, Werken oder Lerncoaching." Jetzt freut er sich darauf, noch mehr über Pädagogik zu lernen, um ein wirklicher Profi zu sein.

Auf die Entscheidung, Lehrer zu werden, haben Freunde unterschiedlich reagiert. "Einige meinten ,cool‘, andere haben mich gefragt, warum ich mir das antue." Für ihn steht fest: "Ich musste erst reifer werden, bis ich für die Pädagogik bereit war."

Dass der Beruf nicht bei jedem ein gutes Image hat, sei traurig. Eilmer plädiert für ein strengeres Auswahlverfahren zu Beginn des Studiums, wie es bei Teach for Austria üblich ist. "Im Studium sollte es früh in die Praxis gehen, wo man an die Grenzen geführt wir. Angehende Pädagogen sollten sich die Fragen stellen, ob sie den Beruf wirklich wollen und ob sie den Anforderungen gewachsen sind. In den Neuen Mittelschulen ist soziale Kompetenz besonders gefragt."

Dass er als Techniker mehr verdienen könnte, stört Michael Eilmer wenig: "Lieber einen Job, mit dem ich glücklich bin und etwas weniger verdiene."

Lisa Weigerstorfer, Volksschullehrerin in spe

Vier Jahre Büro waren genug. Für die HAK-Absolventin Lisa Weigerstorfer war es an der Zeit, etwas Neues zu wagen: „Ich will einen Beruf ausüben, bei dem ich etwas bewirken kann“, sagt die 24-Jährige. Also zog die Oberösterreicherin nach Wien, um auf die Pädagogische Hochschule zu gehen.

Ihr Ziel ist es, an der Volksschule zu unterrichten: „Die ersten Jahre sind entscheidend für die gesamte Schulzeit. Hier wir die Grundlage gelegt – nicht nur fürs Lernen. Mein Ziel ist es, Kindern ein wertschätzendes, respektvolles Miteinander zu vermitteln und dass Schule Freude bereiten kann.“ Lisa Weigerstorfer freut sich schon auf den Moment, „wenn es richtig losgeht und ich eine eigene Klasse habe. Auch wenn es sicher Zeit braucht, bis ich meinen Rhythmus finde“.

Dass es auch einige Schwierigkeiten zu meistern gilt, ist ihr klar: „Ich möchte gern auf jedes Kind eingehen. Doch ein differenzierter Unterricht ist sicher nicht so einfach, wenn man allein für 25 Kinder verantwortlich ist.“ Nicht nur die Kinder, auch die Eltern können eine Herausforderung werden: „Ich verstehe, dass jeder nur das Beste für sein Kind will. Ich hoffe, dass ich lerne, wie man mit Wünschen und Beschwerden professionell umgeht.“

Die Reaktionen ihres Umfelds auf ihre Berufsentscheidung waren gemischt: „Sie reichten von Bewunderung bis zu Ablehnung. Da spielen bei manchen sicher schlechte Schulerfahrungen mit. Den Kritikern sagte ich, dass das eben meine Entscheidung ist. Das ist genau so zu akzeptieren, wie wenn jemand einen technischen oder wirtschaftlichen Beruf wählt.“

Huda Arab, Lehramtsstudentin für Physik und Chemie

Als Kind sagte Huda Arab immer, dass sie Ärztin werden will. Doch so nach und nach reifte der Wunsch in ihr, Lehrerin zu werden. „Vor allem Chemie, aber auch Physik haben mich so begeistert, dass ich zukünftig mein Wissen an andere weitergeben will.“ Als sie ihren Eltern sagte, dass sie Lehramt studieren wird, „waren sie anfangs zwar etwas enttäuscht, doch mittlerweile freuen sie sich für mich, dass ich etwas gefunden habe, das mir Freude macht“.

Im Herbst hat die 18-Jährige mit dem Studium begonnen. Dass sie sich als Frau für Naturwissenschaften entschieden hat, ist keine Ausnahme: „In Chemie sind es zur Hälfte Frauen, in Physik schätze ich den Anteil auf rund ein Drittel. Chemie ist mir immer leicht gefallen, so auch jetzt. Physik ist anspruchsvoll und auch sehr mathematiklastig – in beiden Fächern wird ein ziemliches Tempo vorgelegt. Doch wenn man sich anstrengt, schafft man es“, zieht sie am Ende des ersten Semesters Bilanz.

Worauf sich die Studentin am meisten freut? „Auf die Abwechslung. Ich werde unterschiedliche Kollegen und Schüler haben. Besonders freue ich mich aufs Korrigieren von Heften, was sicher lustig und auch spannend sein wird. An den Antworten sehe ich, was bei den Schülern angekommen ist.“

Die größte Herausforderung wird sein, eine ganze Klasse so in den Griff zu bekommen, dass sie die meiste Zeit bei der Sache sind: „Ich hoffe, da bekomme ich an der Uni ausreichend Anleitungen, wie man da vorgeht.“ Als Vorbild für migrantische Schüler will sich Huda nicht unbedingt sehen: „Ich finde, das sollte keinen Unterschied machen.“

Niklas Rafetseder, Historiker mit einem Fuß in der Schule

Seinen Magister hat Niklas Rafetseder in der Tasche. Doch weil er gerade an seiner Doktorarbeit schreibt, wird es noch ein bisschen dauern, bis er als Lehrer arbeitet. Der 25-Jährige ist Historiker. Weil er ein Faible für die Antike hat, hat er Latein als Zweitfach gewählt. Er ist Wissenschaftler und Lehrer in einem. „Es hat seinen Reiz, in beide Welten zu schnuppern.“

Zwanzig Stunden hat Rafetseder während des Studiums unterrichtet. „Mehr Praxis wäre sicher nicht schlecht. Doch es ist besser als nichts“, sagt er. Alles, was er für den Unterricht geplant hatte, sei aufgegangen. Bisher. „Im Alltag wird es eine Herausforderung sein, das weiter so hinzubekommen. Denn zwei Stunden Vorbereitung pro Stunde werden bei einer vollen Lehrverpflichtung wohl nicht immer möglich sein.“

Rafetseder ist Vollbluthistoriker. „Eine Begeisterung für seine Fächer zu haben ist wichtig, wenn man diese weitergeben will“, sagt er. Ihm geht es aber nicht nur um seine Fächer. „Ein guter Lehrer vermittelt eine gute Allgemeinbildung und weiß zu verknüpfen. Ich wünsche mir, dass ich nicht durch den Lehrplan so eingeengt bin und auch über aktuelle Themen reden kann, wenn die Zeit dafür ist. Ich glaube, dass die neue Lehrergeneration hierfür offen ist.“

Dass der Lehrerberuf von manchen belächelt wird, sei nicht okay. „Da können wir von Finnland lernen, wo es ein strenges Auswahlverfahren gibt. Der Lehrer gehört dort deshalb zu den angesehensten Berufen überhaupt.“ Und wie reagiert er auf die Kritik, dass Lehrer viel Urlaub haben? „Ich hätte jedenfalls kein Problem damit, im Sommer vermehrt auf Fortbildung zu gehen.“

Von Ute Brühl

Wie aus Lehrern richtige Profis werden

Die Schule wird zur Dauerbaustelle – permanent wird an ihr herumreformiert. Nach Zentralmatura oder Neue Mittelschule stehen jetzt die Schulautonomie und Ganztagsschule auf der Agenda. Doch spätestens seit der Metastudie des neuseeländischen Bildungsforschers John Hattie ist klar: Der Erfolg eines Bildungssystems hängt nicht von Strukturen ab, sondern von der Qualität der Lehrer. Der KURIER hat mit der Lehrerbildnerin Brigitte Bruschek über die Auswahl und Ausbildung der Pädagogen gesprochen.

KURIER: Auf den Lehrer kommt es an. Doch was macht einen guten Lehrer aus?

Brigitte Bruschek: Er braucht Haltung und ein professionelles Verständnis vom Beruf Lehrer. Eine Lehrerin ist keine Privatperson, die irgendwie mit Kindern zu tun hat. Sie wird im Klassenzimmer nicht als Frau Maier oder Frau Gruber gesehen, sondern in ihrer Rolle als Lehrerin wahrgenommen. Der Lehrberuf ist eine Profession, was auch in der Ausbildung verstärkt ins Zentrum gerückt werden muss. Eine gute fachliche und methodische Ausrüstung ist das Eine. Doch das wichtigste Werkzeug des Lehrers ist seine professionelle Persönlichkeit. Deshalb legen speziell Pädagogische Hochschulen (PH) Fokus auf das Entwickeln einer reflektierten Identität als Lehrer. An der Kirchlich Pädagogischen Hochschule (KPH) Wien/Krems geschieht das z. B. durch eine Professionalisierungsschiene über alle acht Semester hinweg.

Wie kann man sich diese Professionalisierung vorstellen?

Im Rahmen der Pädagogisch-praktischen Studien begleiten wir angehende Lehrkräfte während ihrer wöchentlichen Praxisstunden in der Schule, geben Feedback nach bestimmten Kriterien und leiten sie zur Selbstreflexion an. Jeder Studienanfänger hat ja ein Bild von seinem zukünftigen Beruf, das er sich durch eigene Schulerfahrung erworben hat. Er glaubt deshalb zu wissen, wie der Beruf geht. Wenn er dann im Klassenzimmer steht, merkt er in kurzer Zeit, dass die Wirklichkeit sich anders darstellt. Dieser Perspektivenwechsel ist wichtig, um die entscheidenden Fragen stellen zu können: "Wer bin ich? Welche Lernbiografie habe ich? Welche Überzeugungen und Erwartungen habe ich? Und was bewirkt das im Umgang mit Kindern?" In einem zweiten Schritt geht es um die Kommunikation zwischen Schülern und Lehrern, des Weiteren um Konfliktmanagement, Elternarbeit etc. Unterrichten ist in erster Linie Beziehungsarbeit – auf Basis der fachlichen und pädagogischen Expertise.

Wie merkt ein Student, dass er kein guter Lehrer sein wird?

Ich sage Studierenden im ersten Semester: "Denken Sie gut darüber nach, ob Sie die nächsten 40 Jahre mit Kindern verbringen wollen, die Ihnen nicht unbedingt zuhören wollen, die eventuell nicht lernen wollen, die eigentlich gar nicht da sitzen wollen und die Sie jede Stunde neu gewinnen müssen." Wenn die Studentin, der Student dann sagt "Ja, ich will!", dann ist es mit hoher Wahrscheinlichkeit der richtige Beruf. Das Studium an PHs hat da natürlich den Vorteil, dass Studierende von der ersten Woche an in Klassen hospitieren und selbst unterrichten. Da kann man sich ein realistisches Bild machen. Es gibt nämlich etliche Lehrer, die aus Idealismus und Grundliebe zu Kindern den Beruf ergreifen, aber letztlich die wichtige Entwicklung von der privaten zur professionellen Persönlichkeit nicht ganz schaffen. Man kann aber nicht 40 Jahre in diesem Umfeld psychisch und physisch gesund agieren, wenn man sich täglich mit seiner Privatperson hineinwirft, ohne über Strategien des Führens und der Abgrenzung zu verfügen.

Dabei heißt es, dass ein guter Lehrer authentisch sein soll.

Viele glauben, authentisch zu sein bedeutet: "Ich bin im Beruf so, wie ich als Privatperson bin." Das ist eine Falle. Was es braucht, ist eine selektive Authentizität: "Ich bin zwar keine andere Person, aber nicht zu 100 Prozent meine private Persönlichkeit, sondern nur der Anteil, den ich als Ressource für meinen Beruf nutzen kann, der mir zur Erfüllung meiner Aufgabe dienlich ist." Das kann z. B. die Art sein, wie ich etwas erzähle, oder die Fähigkeit, empathisch zu sein. Ein Beispiel: Wenn ich am Elternabend sage, ich habe ein Kind im Alter Ihres Kindes, schaffe ich einen Konnex, erwerbe mir vielleicht zusätzlich das Vertrauen der Eltern. Das unterstützt wiederum meine Arbeit mit den Schülern. Wenn ich aber anfange, über die Schwierigkeiten meiner Schwangerschaft zu philosophieren, überschreite ich eine Grenze. Das ist unprofessionell. Ich bin Lehrerin, nicht die beste Freundin. Das meine ich mit selektiver Authentizität.

Müssten Direktoren nicht dafür sorgen, dass sich Lehrer da besser fortbilden?

Ja, und in den letzten Jahren geschieht dies auch in zunehmend Maße, oft auf Initiative der Lehrenden selbst. Allerdings wird eine solche Fortbildung unter Umständen immer noch als Schwäche gesehen nach dem Motto: "Der braucht das". Die Kultur der geschlossenen Klassenzimmertüren, wo alles wunderbar scheint, ist durchaus noch anzutreffen. Da gilt es, radikal umzudenken. Auch Führungskräfte in der Wirtschaft lassen sich coachen. Da ist es salonfähig geworden, als Begleitung einer Aufgabe, die den menschlichen Aspekt fordert. Es braucht die neue Generation von Pädagogen, die regelmäßige Selbstreflexion bzw. Supervision oder Coaching als Teil ihrer Arbeit sehen. Auch Lehrer sind ja im Prinzip Manager, also Führungspersönlichkeiten mit sehr komplexen Aufgaben.

Braucht es eine bessere Auswahl der Lehrer?

Es gibt Eignungsverfahren und Studieneingangsphasen, wo sich so etwas herauskristallisieren kann. Man kann seine eigene Professionalität aber auch nach und nach entwickeln. Da muss man schon sehr achtsam vorgehen. Es ist eine schwierige Sache, jemandem aufgrund einer punktuellen Einschätzung in einem Aufnahmegespräch diese Entwicklungsmöglichkeit zu nehmen.

Braucht es mehr Ressourcen für die Lehrerausbildung?

Es ist einmal mehr die Frage, was es uns wert ist, die nächste Generation gut auszubilden und fit für das Leben in unserer Gesellschaft zu machen. Die Wirtschaft weist immer wieder darauf hin, wo es Probleme gibt – die gibt es nicht nur beim Wissen, sondern auch ganz stark bei der Haltung der jungen Menschen. Lehrer haben eine Schlüsselfunktion bei der Entwicklung von Werten und Einstellungen. Sie müssen sich dieser Mission bewusst werden – und sie brauchen neben einer fundierten fachlichen und methodischen Kompetenz vor allem eine hohe Expertise im professionellen Umgang mit sich selbst und ihrer beruflichen Aufgabe.

Von Ute Brühl

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