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Reform-Poker
07/21/2013

Lehrer-Dienstrecht im Praxis-Test

Was Schüler und Eltern davon haben werden. Und wo die wahren Probleme liegen.

von Bernhard Gaul

Es ist schon seltsam: Seit 32 Runden spannen uns die Verhandler auf die Folter, ob und wie ein neues Dienstrecht für – wohlgemerkt – nur neue Lehrer an den Schulen aussehen könnte.

Aber ändert diese Reform des Dienstrechts etwas Entscheidendes am Alltag in den Schulen und an den Widrigkeiten in der Bildungskarriere, mit denen Hunderttausende Kinder und Jugendliche und deren Eltern zu kämpfen haben?

Der KURIER unternahm einen Rundumblick

DienstrechtExpertin Christiane Spiel glaubt sehr wohl an positive Effekte: „Das neue Dienstrecht in Kombination mit der neuen Lehrer-Ausbildung wird sicher Verbesserungen bringen. Schon jetzt herrscht an den Pädagogischen Hochschulen und Unis Aufbruchstimmung“, freut sich Spiel. Klar sei aber auch, dass sämtliche Reformen im Bildungsbereich sehr viel Zeit brauchen, bis positive Effekte bemerkbar werden.

Kindergarten Trotz steigender Betreuungsquoten – fast alle Fünf- und Vierjährigen, knapp 80 Prozent aller Dreijährigen sind in Kindergärten – ist die Suche nach einem Platz für viele Eltern mit viel Mühsal verbunden. Ein Ärger ist auch das fehlende Angebot.

„Dazu kommt, dass Österreich das letzte Land in Europa ist, das keine universitäre Ausbildung für Kindergartenpädagogen hat“, sagt Bildungsexperte und Buchautor Andreas Salcher. „Da herrscht Nachholbedarf“, attestiert auch Spiel.

Volksschule Besonders in Ballungsräumen wie Wien ist es ein Dilemma: Österreichweit gehen zwei Drittel der Kinder nach der Volksschule in die Haupt- oder Neue Mittelschule. In Wien ist es genau andersrum, fast zwei Drittel kommen in eine AHS-Unterstufe („Gymnasium“). „Studien zeigen, dass die Entscheidung, ob die Kinder in die Hauptschule oder in das Gymnasium kommen, nur zu einem Drittel auf die Leistung zurückgeführt werden kann. Meistens entscheiden die Eltern“, sagt Expertin Spiel.

Der Druck auf Volksschullehrer, dem Kind nicht durch eine schlechte Note den „höheren“ Bildungsweg zu verbauen, ist enorm und hat sehr oft ein juristisches Nachspiel. „Dazu braucht man das Glück, von einem guten Pädagogen unterrichtet zu werden“, sagt Salcher.

AHS-„B-Zug“ Kinder, die sich im Gymnasium dann schwertun, benötigen teure Nachhilfe: Die Gesamtausgaben dafür sind zuletzt zwar zurückgegangen (von 107 auf 101 Millionen Euro) – allerdings nur, weil eine Verlagerung von bezahlter zu „kostenloser“ Nachhilfe durch die Eltern stattgefunden hat, berichtet AK-Bildungsexpertin Gabriele Schmid.

Schulautonomie Schulen können meist selbst entscheiden, wie sie die Schüler ausbilden – nur nicht in Österreich: „Es gibt keine Autonomie“, wundert sich Experte Salcher. „Wenn wir wollen, dass die Schulen Verantwortung übernehmen, brauchen sie auch Autonomie. Dazu gehört, dass sie sich die Lehrer selbst aussuchen können“, sagt Spiel.Tatsächlich gibt es zentral erstellte Lehrpläne, statt auf die regional sehr unterschiedlichen Bedürfnisse der Kinder einzugehen. Ein Akademiker-Kind braucht anderen Unterricht als Kinder bildungsferner Schichten.

Ausbildungswechsel Problematisch seien auch alle Übergänge am Bildungsweg, sagt Spiel: „Für die Schüler ist das oft eine große Herausforderung und mit einem Risiko verbunden, da sollten wir sie besser unterstützen und vorbereiten können.“

Nachmittagsbetreuung Weil immer öfter beide Eltern aus finanziellen Gründen arbeiten müssen, steigt die Nachfrage nach guter Betreuung auch am Nachmittag. Die Reformen laufen langsam, bis 2018/’19 soll die Betreuungsquote rund 30 Prozent (oder 200.000 Plätze) erreichen, derzeit sind es nur 120.000.

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