Politik | Inland
15.07.2017

"Lebenszweck der islamischen Kindergärten ist Abschottung"

ÖVP-Ministerin Karmasin bezeichnet Einrichtungen als kinderschädlich.

"Es gibt wichtigere Sachen als die deutsche Sprache."Mit diesem Satz wurde jüngst ein KURIER-Reporter in einem islamischen Kindergarten in Wien empfangen. Irritierend allemal. Weitaus problematischer ist freilich, dass es sich dabei offenkundig um keinen Einzelfall handelt, wie der KURIER in der Samstag-Ausgabe zeigte.Sind die islamischen Kindergärten nicht auf dem Stand, den man sprachlich und kulturell von ihnen erwarten würde?Eine, die diesbezüglich zumindest schwere Zweifel hegt, ist Familienministerin Sophie Karmasin. Die ÖVP-Ressortchefin vermutet, dass insbesondere die Stadt Wien das Ausmaß der Problematik unter den Tisch kehren möchte. Als Indiz nennt Karmasin im KURIER-Gespräch das Verhalten bei der Kindertagesheimstatistik: "Zum dritten Mal in Folge bleibt die Stadt als einziges Bundesland einen Großteil der Zahlen für die Statistik schuldig. Die Angaben wären nicht nur für das verpflichtende zweite Kindergartenjahr dringend notwendig. Die Tatsache, dass Wien die Daten nicht nur verspätet, sondern auch unvollständig liefert, legt zudem die Frage nahe: Was soll hier verheimlicht werden? Will man die Defizite in den islamischen Kindergärten kaschieren?"

Kindergärten schließen

Bei dieser Gelegenheit wiederholt die ÖVP-Ressortchefin eine von Sebastian Kurz bereits geäußerte Forderung, nämlich: "Wenn die Daten zu den Betreibern und der konfessionellen Ausrichtung der Kindergärten nicht geliefert werden, sollten die islamischen Kindergärten geschlossen und die Kinder in anderen Kinderbetreuungseinrichtungen untergebracht werden." Wie kann man das ernsthaft argumentieren? Müssten dann nicht auch alle anderen konfessionellen Privatkindergärten, also beispielsweise katholische oder evangelische, geschlossen werden?"Nein", antwortet die Ministerin. Es gebe einen veritablen Unterschied. "Der Lebenszweck islamischer Kindergärten sind Abschottung und Parallelgesellschaft. Für die betroffenen Kinder ist das langfristig enorm schädlich."

Gemeinden zweifeln

Was das von ÖVP wie SPÖ angepeilte verpflichtende zweite Kindergartenjahr angeht, bremsen die Gemeinden die Euphorie: "Wir wehren uns dagegen, dass der Bund etwas anschafft, das die Gemeinden zahlen müssen", sagte Gemeindebund-Präsident Alfred Riedl ( ÖVP) am Samstag im Ö1-Interview.Schon die Verpflichtung des ersten Kindergartenjahres habe die Probleme nicht lösen können. Der Gemeindebund-Präsident schlägt deshalb vor, die Verpflichtung zum Kindergartenbesuch mit der Auszahlung der Familienbeihilfe zu verknüpfen.