Politik | Inland
21.12.2017

Ansage gegen ÖVP-Abgeordneten: "Lass’ die Finger von meinem Opa"

Martin Engelberg wollte Juden zu einem Treffen mit Kurz und Strache bewegen. In den sozialen Medien sorgt das für Aufregung.

Am 20. Dezember besuchte ÖVP-Abgeordneter Martin Engelberg (er gehörte zuvor dem Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde an) zur Mittagszeit überraschend eine Herrenrunde von KZ-Überlebenden in einem Wiener Innenstadt-Café. Das ist noch nichts Ungewöhnliches.

Laut einem Facebook-Posting eines Enkels dieser Herren (der Enkel will den Namen nicht in der Zeitung erwähnt haben), hat Engelberg der Runde eine Einladung für ein Treffen mit Bundeskanzler Sebastian Kurz überbracht und nebenbei erwähnt, dass auch Vizekanzler Heinz-Christian Strache (FPÖ) dabei sein werde. Der Enkel ist Mitglied der Jüdischen Hochschüler, findet dieses Ansinnen von Engelberg "unglaublich" und fragt, ob der Neo-Abgeordnete "die alten Herren ausnutzen" wolle. "Lass’ die Finger von den Überlebenden", "lass’ die Finger von meinem Opa", stellt er fest.

"Verleumdung"

Engelberg kontert auf Facebook: Er schreibt von "Verleumdung". Die Einladung der Herrenrunde erfolgte "zum offiziellen Staatsakt aus Anlass des Holocaust-Gedenktages am 27. Jänner. Dieser findet auf Einladung des Präsidenten des Nationalrates statt. Siehe die Vorjahre."

Eine Nachfrage im Parlament (Parlamentsdirektion, Büro des Ersten Präsidenten) ergab, dass es "keinen Staatsakt" geben werde, lediglich eine parlamentarische Veranstaltung. Der genaue Zeitpunkt und die Form seien noch offen.

Der Enkel erzählt dem KURIER, dass es laut Aussagen seines Großvaters explizit nicht um eine Einladung in das Parlament ging.

Engelberg war gestern für den KURIER nicht erreichbar, "er ist im Flugzeug" hieß es im ÖVP-Parlamentsklub.

Das Posting des Enkelsohnes findet jedenfalls großes Interesse und auch viel Zustimmung. Bis Donnerstagnachmittag wurde es weit über hundert mal geteilt.

In den vergangenen Jahren gab es in Österreich zum Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau (27. Jänner 1945) keine Veranstaltungen. Das offizielle Österreich gedenkt der Opfer des Nationalsozialismus immer am 5. Mai in Anlehnung an eine Resolution des Europa-Parlaments aus dem Jahr 1995.