Politik | Inland
08.03.2013

Länder sollen neue Leute ins Hohe Haus schicken

SPÖ-Wahlkampfleiter Norbert Darabos kündigt eine "Bürger"-Tour des Kanzlers ab März an.

KURIER: Zu den wichtigen Dingen. Morgen ist Frauentag. Wie bringen Sie Familie und Beruf unter einen Hut?

Norbert Darabos: Nicht ganz einfach. Ich bin seit sehr langer Zeit in der Politik. Der Vorteil ist, dass meine Familie immer schon mit dem Politiker Darabos mitgewachsen ist. Halbe/halbe mache ich ehrlicherweise nicht. Weil ich meine Frau mit Grippe angesteckt habe, habe ich gerade kürzlich seit sehr, sehr langer Zeit mehr als 50 Prozent im Haushalt geleistet.

Können Sie kochen?

Kochen kann ich nicht wirklich, ich habe mich in der Studentenzeit mit ungesunden Fertiggerichten über Wasser gehalten.Die Kinder habe ich jetzt auch mit Fertigprodukten ernährt, aber meine Kinder können sich mit 17 und 19 zum Glück schon selbst ernähren.

Sie wollen sich als Wahlkampfleiter der SPÖ an den Kärntnern ein Beispiel nehmen und auf Hausbesuche setzen. Muss der Kanzler Klinken putzen?

Er persönlich nicht, aber die SPÖ ist gut beraten, den direkten Kontakt zu den Bürgern zu aktivieren. Ich sehe den Hausbesuch als Asset im ländlichen Raum. Dass der Kanzler nicht jeden Haushalt selbst besuchen kann, ist klar, aber er wird im Rahmen einer Österreich-Tour verstärkt in den Bundesländern unterwegs sein. Die Bundesländer-Tour beginnt Ende März.

Wie wird der Bürger-Wahlkampf mit dem Medien-Hype mit 15 TV-Konfrontationen allein Im ORF vereinbar sein?

Es wird gehen. Ich habe mir vier US-Wahlkämpfe angesehen. Sogar US-Präsidenten schaffen es, obwohl das Land ein bisschen größer ist als Österreich, durch die Bundesstaaten zu touren. Werner Faymann hat einen Vorteil gegenüber Michael Spindelegger, der nicht wirklich beim Volk angekommen ist.

Wird es einen Lagerwahlkampf gegen Schwarz-Blau-Stronach geben?

Es gibt zwei Stoßrichtungen: Die Sozialdemokratie muss sich auf ihre vier Kernthemen konzentrieren: Arbeitsmarkt, Gesundheit, Bildung und Soziales. Wir werden den Menschen sagen: Stärkt uns, denn wir verhindern für Euch Schlechterstellungen etwa bei den Pensionen. Zweitens geht es um die Umverteilung von oben nach unten. Die Superreichen sollen mit Vermögenssteuern in die Pflicht genommen werden gegenüber den Klein- und Mittelverdienern. Wir werden klar machen, dass wir bei der sozialen Frage ein Alleinstellungsmerkmal haben, während die ÖVP für Klientelpolitik für Beamte und Landwirtschaft steht.

Wer ist superreich? Als Burgenländer wissen Sie ja, dass sich viele mit harter Arbeit ein Haus gebaut haben.

Ich bin zu hundert Prozent dagegen, diese Leute zu besteuern. Es geht um die, die sehr viel verdienen und viel Kapital haben.

Soll Betriebsvermögen besteuert werden?

Nein.

Was ist ihr Wahlziel für die Nationalratswahl im Herbst?

Die Sperrminorität von 33 Prozent für Verfassungsgesetze wäre gut. Je weiter wir über 30 Prozent kommen, umso unwahrscheinlicher wird eine schwarz-blaue Koalition, die ein Horrorszenario war.

Wollen Sie neue Leute auf den Wahl-Listen haben? Braucht der Klub frisches Personal?

Ja, es ist jedes Bundesland gut beraten, attraktive Personen auf die Listen zu setzen, um das neue Vorzugsstimmenwahlrecht zu nutzen. Auf der Bundesliste wird es junge Frauen geben, das kann ich schon ankündigen.

Werden Sie einen herben Wahlkampf führen?

Herb? Eher nicht, aber schon mit einer klaren Abgrenzung zu allen anderen Parteien. Insgesamt will ich einen Positivwahlkampf führen und sozialdemokratische Werte in den Mittelpunkt stellen.