Politik | Inland
27.07.2017

Kurz vor heißer Wahlkampfphase: Kern verliert seinen Kampagnen-Chef

Kampagnen-Manager Stefan Sengl zieht sich aus SPÖ-Wahlkampf zurück.

Genau achtzig Tage vor der Wahl ist den Sozialdemokraten am Donnerstag ausgerechnet der Wahlkampfchef abhanden gekommen.

Stefan Sengl, der unter anderem den Wahlkampf von Bundespräsident Heinz Fischer bei dessen Wiederwahl geleitet hatte, zieht sich aus der Kampagne zurück. Er macht „private Gründe“ geltend, und will das auch nicht näher ausführen: „Ich bitte um Verständnis, dass ich dazu nicht mehr sagen möchte“, so Sengl zum KURIER.

„Er konnte in dem Chaos einfach nichts bewirken“, heißt es ernüchtert-zornig in der Wiener SPÖ. Die Agenden des Politik-Werbers übernimmt der Kommunikationschef im Kanzleramt, Johannes Vetter. Dieser kam erst im Juni von der OMV ins Team von SPÖ-Chef Bundeskanzler Christian Kern.

Sengls Rückzug ist nur ein weiteres Indiz dafür, dass die Wahlkampf-Maschine der SPÖ weiterhin nicht rund läuft. „Wir sind noch immer damit beschäftigt die Rollen zu verteilen bzw. zu finden“, sagt ein SPÖ-Stratege über das Wahlkampf-Team.

Neben der personellen Fluktuation – vor Sengls Abgang und Vetters Einstieg war bereits eine andere Kanzler-Sprecherin kurzfristig ins Team gewechselt und wieder abgegangen – leidet die rote Führung unter der Zahl der „Häuptlinge“.

Neben Sengl sind der PR-Politikprofi Tal Silberstein (in beratender Funktion), Bundesgeschäftsführer Georg Niedermühlbichler, Kern-Pressesprecher Jürgen Schwarz und Kanzleramtsminister Thomas Drozda in die Kampagne involviert. Mit Sengls Abgang, so raunt man sich in der Löwelstraße nicht ohne Zynismus zu, sei zumindest die Zahl der Entscheider um einen reduziert.

Für erhebliche Nervosität sorgt in den Reihen der Roten insbesondere die Tatsache, dass ÖVP-Chef Sebastian Kurz in allen Umfragen und bei der Kanzlerfrage deutlich vor Kern liegt.

Wie man mit ÖVP und FPÖ verfahren soll, ist zwischen Kanzleramt und SPÖ-Parteizentrale umstritten. Die Konflikte sind mittlerweile derart intensiv, dass es, wie der KURIER berichtete, zwischen Vertretern beider Lager zu handgreiflichen Auseinandersetzungen kam.