Austrian Foreign Minister Sebastian Kurz poses for a photo during an interview with The Associated Press in Vienna, Austria, Friday, March 17, 2017. Kurz sees reforms that shift power on many issues to members from EU bodies as essential for EU survival. And he says he measure the success of Austria¸Äôs EU presidency in the second half of 2018 on that score. (AP Photo/Ronald Zak)

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Stefan Petzner
04/22/2017

"Kurz ist kein Populist"

Haider-Kenner über Trump & Co.

von Ida Metzger

Gut möglich, dass morgen die Franzosen zwei Populisten in die Stichwahl um das Präsidentenamt wählen. Da die Rechtspopulistin Marine Le Pen, dort der Linkspolitiker Jean-Luc Mélenchon. Le Pen arbeit seit Jahren an ihrem Erfolg, aber Mélenchon schien vor wenigen Wochen auf keinem Wahl-Radar auf. Für Stefan Petzner verkörpert der aufsteigende Polit-Star Mélenchon alles, was Populismus erfolgreich macht. "Es geht immer um drei Dinge: Die soziale, die kulturelle und die wirtschaftliche Frage. Er verkauft kein durchdachtes Programm, er verkauft nur Gefühlswelten". Wer, wenn nicht die ehemalige rechte Hand von Jörg Haider muss das wissen. In seinem neuen Buch Trump to go entlarvt Petzner auf 160 Seiten den Populismus mit fundierten Thesen. Sechs ZutatenFür Petzner machen echte Populisten sechs strategische "Zutaten" aus. Dazu zählt die Spaltung der Gesellschaft in ein gutes "Wir" und das böse "andere" – wie soziale Randgruppen, Zuwanderer, Intellektuelle oder "das System". Dann braucht es einen "politischen Superman" mit narzisstischen Zügen. Ein weiterer Eckpfeiler ist der sprachliche Terror gegen politische Konkurrenten sowie der gewollte Tabubruch. Und "last but not least " zielt Populismus auf Emotionen ab. "Nur Strache", so Petzner, erfüllt in Österreich all diese Merkmale.

ÖVP-Außenminister Sebastian Kurz, dem man Populismus nachsagt, ist für Petzner "kein Populist". Generell wird das Wort "Populismus zu inflationär" verwendet, so der Autor. Nicht jeden Politiker, der sich "zu einem kecken Sager hinreißen lässt" dürfe man als Populist abstempeln. Die wahren Protagonisten handeln viel gewiefter. "Populisten arbeiten ähnlich der Methode der Psychoanalyse. Sie dienen als Projektionsfläche für Ängste. Im Gegensatz zum Psychologen lösen Populisten aber die Ängste nicht auf, sondern verwenden sie zum Stimmenfang". Doch warum hat der Populismus eine Chance? Hier liefert Petzner, der heute als Polit-Berater und -Analytiker arbeitet, eine treffende Ursachenforschung. "Unsere Politiker sind zu faul, zu fett und zu träge geworden. Sie bieten keine Zukunftsvisionen mehr. Die Lage ist deshalb so gefährlich, weil der Fortbestand unserer Demokratie auf dem Spiel steht."

Neues Polit-Sachbuch von Stefan Petzner: „Trump to go“ , edition a, 19,98 Euro