Politik | Inland
24.10.2017

Von Schwarz-Blau zu Türkis-Blau: Parteien und ihre Farben

ÖVP-Parteifarbe Schwarz geht auf Soutanen katholischer Geistlicher zurück. Partei gibt nun Türkis als offizielle Farbe an. Hintergrund: Die ÖVP möchte bei einer schwarz-blauen Koalition das negative Image abschütteln, das diese Koalitionsvariante Anfang der 2000er-Jahre bei Teilen der Bevölkerung eingefahren hat.

Politische Parteien verwenden für ihre öffentlichen Auftritte Farben und Symbole. Österreichs Parteien setzen dabei auf Rot, Schwarz beziehungsweise Türkis, Blau, Pink, Weiß oder Grün - und das zum Teil seit Jahrzehnten. Rot steht etwa für die SPÖ, Schwarz für die ÖVP und Blau für die Freiheitlichen.

Nur selten wechselt eine Partei ihre offizielle Farbe komplett. Die ÖVP hat dies heuer im Mai im Zuge der Übernahme durch Sebastian Kurz getan. Mit der neuen Farbe Türkis (Farbton Pantone 7709) sollte die Erneuerung der Partei auch farblich ihren Niederschlag finden. Vermittelte die ÖVP-Parteizentrale zunächst den Eindruck, dass die neue Farbgebung in erster Linie für den Außenauftritt von Bedeutung sei und die Parteifarbe weiter Schwarz bleiben würde, wurde zuletzt gegenüber Medien kommuniziert, Türkis sei nun offizielle Parteifarbe.

ÖVP: Negatives Image von Schwarz-Blau abschütteln

Hintergrund: Die ÖVP möchte bei einer schwarz-blauen Koalition das negative Image abschütteln, das diese Koalitionsvariante Anfang der 2000er-Jahre bei Teilen der Bevölkerung eingefahren hatte. Türkis-Blau würde weniger solcher Erinnerungen abrufen als Schwarz-Blau, zumal letzteres von den politischen Gegnern dieser Koalition immer wieder als Kampfbegriff in die Diskussion eingebracht wird, so die ÖVP-Denkweise.

> > > Kommentar: Wie türkis wird Schwarz-Blau, die Zweite?

Die Farbe Schwarz ist freilich seit der 1. Republik untrennbar mit der ÖVP verbunden. Damals waren es die Christlich-Sozialen als Vorgängerpartei der ÖVP, die unter diesem Label firmierten. Im Gegensatz zu den meisten anderen Parteien war die Farbe übrigens nicht selbst gewählt, sondern eine Erfindung politischer Gegner. Wegen der Nähe zur katholischen Kirche und der schwarzen Soutanen der Geistlichen wurden die Christlich-Sozialen "die Schwarzen" genannt. Einer der ersten Parteichefs war der Prälat und katholische Theologe Ignaz Seipel.

Rot galt einst als Herrschaftsfarbe

Die SPÖ wählte Rot als ihre Parteifarbe. Rot galt einst als Herrschaftsfarbe. Während der französischen Revolution trugen die protestierenden Jakobiner rote Mützen, die Arbeiterbewegung schwang später bei ihren Aufmärschen rote Fahnen, und so eignete sich auch die SPÖ Rot an. Das Blau der FPÖ kommt von der blauen Kornblume. Sie galt in der Romantik als Symbol für Natürlichkeit, zwischen 1933 und 1938 diente sie in Österreich auch als Erkennungszeichen illegaler Nationalsozialisten. Die NEOS wählten Pink für sich, die Liste Peter Pilz keine eigentliche Farbe sondern transparent.

In den 1960er- und 1970er-Jahren setzte die SPÖ unter ihrem damaligen Parteichef Bruno Kreisky neben Rot die Farbe Orange zu Marketingzwecken ein. Auch die ÖVP verwendete unter Parteichef Wolfgang Schüssel neben Schwarz noch Orange. In den vergangenen Jahren war bei den Schwarzen als zweite Farbe Gelb im Einsatz. Als FPÖ-Chef Jörg Haider 2005 mit seinen Getreuen die Freiheitlichen verließ und das BZÖ gründete, setzte er - inspiriert von der Orangen Revolution in der Ukraine - auf die Parteifarbe Orange. Die FPÖ blieb bei Blau.

Mit Farbveränderungen und neuen Farbtönen wollen Parteien altes Image abwerfen, Veränderung signalisieren und neue Wählergruppen ansprechen. Bei der ÖVP dürfte die Umstellung aber nicht von heute auf morgen gehen, zu sehr ist der Begriff der Schwarzen bei den Österreichern eingelernt. Unklar ist auch, wie stark die Landesparteien auf das Türkis der "neuen Volkspartei" setzen. Der Tiroler Landeshauptmann Günther Platter meinte etwa erst am Wochenende, dass die neue Farbe viel gebracht habe, Tirol aber ein "schwarzes Land" sei.