Politik | Inland
28.07.2017

Ex-Athletin Kira Grünberg ist die Neue im Kurz-Team

23-Jährige kandidiert auf 10. Listenplatz. Die Frühere Stabhochspringerin soll Behindertensprecherin werden.

Kira Grünberg ist das nächste neue Gesicht im Team von Sebastian Kurz. Sie wird auf Listenplatz zehn der Bundesliste kandidieren, teilte der ÖVP-Chef heute bei einer Pressekonferenz am Wiener Sportzentrum Marswiese mit. Die Ex-Leichtathletin soll sich vor allem im Bereich der Behindertenförderung engagieren. Grünberg, die nach wie vor den österreichischen Rekord im Stabhochsprung hält, ist seit einem Trainingsunfall vor fast auf den Tag genau zwei Jahren, am 30. Juni 2015, querschnittsgelähmt.

Wird auch Behindertensprecherin

Listenplatz zehn auf der Bundesliste sei ein sicherer Platz, versicherte Kurz, zumal Grünberg auch auf der Tiroler Landesliste kandidieren werde. Wo genau, wollte Kurz allerdings nicht sagen, sondern meinte: "Lassen Sie sich überraschen." In Tirol, wo noch ein Spitzenkandidat gesucht wird, war für heute Nachmittag eine Pressekonferenz mit Kurz angesetzt. Wobei Grünberg in einem Vorab-Interview mit der deutschen Welt bereits bestätigte, dass sie in Tirol auf Platz eins gereiht sei.

Die 23-Jährige wird auch als neue Behindertensprecherin der ÖVP fungieren. Franz-Joseph Huainigg, der bisherige Behindertensprecher der ÖVP wird nicht mehr für den Nationalrat kandidieren, werde aber weiterhin "im Team" bleiben, so Kurz.

"Zu viel Bürokratie"

Die ehemalige Spitzensportlerin schilderte bei der Präsentation ihre Erfahrungen aus den vergangenen beiden Jahren. Dabei sei sie auf viel Engagement - auf viele positiv-motivierende Geschichten von Menschen mit Behinderung - gestoßen, aber auch auf ebensoviele bürokratische Strukturen: "Therapien und Hilfsmitteln werden von Bund und den Ländern, von Gemeinden, Pensions- und Krankenkassen gefördert. Und niemand kennt sich eigentlich genau aus." Niemand wisse, wer wofür genau zuständig sei. "Wenn das erleichtert wird, kann man sich besser auf die Regeneration konzentrieren." Denn oft sei man kurz davor, aufzugeben, weil der Aufwand zu groß sei, gab sie zu bedenken. Konkret schlug Grünberg vor, eine Online-Plattform für mehr Übersichtlichkeit zu erstellen.

Sie möchte deshalb als Sprachrohr für Menschen mit Behinderung dienen und das Umdenken der Menschen fördern. "Die Behinderung fängt im Kopf an, Barrierefreiheit beginnt im Denken", sagte Grünberg. Es gebe wenig Menschen mit Behinderung in Führungspositionen, "weil viele uns unterschätzen", so Grünberg. "Wenn man das Leben der Menschen mit Behinderung etwas leichter macht, dann können sie sich auf die wichtigen Dinge konzentrieren."

Grünberg ist damit nach dem ehemaligen Grünen Efgani Dönmez und Opernball-Organisatorin Maria Großbauer die dritte Kandidatin, die der ÖVP-Chef für seine neue Bundesliste präsentierte. Sebastian Kurz wurde schon vor einiger Zeit auf Grünberg aufmerksam. Zuletzt war sie einer der Stargäste bei seiner Wahl zum Parteichef.

Ob sich neben Grünbergs neuer Aufgabe noch der Abschluss ihres (vor ihrem Unfall begonnenen) Pharmazie-Studiums ausgehen wird, bleibt vorerst offen. Privat lebt Grünberg in Kematen bei Innsbruck. Sie ist seit vielen Jahren mit ihrem Lebensgefährten Christoph liiert.

Positives Denken

Die Tirolerin war Österreichs stärkste Stabhochspringerin, ehe ein Trainings-Unfall ihre sportliche Karriere vor zwei Jahren abrupt beendete. Grünberg sitzt seither im Rollstuhl und gilt in der Öffentlichkeit als Musterbeispiel dafür, wie man aus einer schwierigen Situation das Beste machen kann.

In ihrer Sportlerkarriere hatte Grünberg ein logisches Vorbild: Ihr Vater Frithjof war Stabhochspringer und ihr erster Trainer. Schon mit sieben startete sie mit dem Sport, den auch ihre Schwester betrieb. Kira Grünbergs Talent war unübersehbar, sie holte Jugendrekord um Jugendrekord, um schließlich auch im Erwachsenen-Sport mit 4,45 Metern eine bis heute nicht übertroffene nationale Bestmarke zu setzen.

Am 30. Juli 2015 und damit ziemlich genau vor zwei Jahren nahm ihr Leben eine dramatische Wende. Bei einem Trainingssprung kam die damals knapp 22-Jährige schwer zu Sturz und zog sich einen Bruch des fünften Wirbels der Halswirbelsäule zu. Seither ist sie querschnittgelähmt. Auch ihre Arme sind nur teilweise mobil. So sei etwa kochen nicht möglich, erklärte sie in Interviews.

Die Anteilnahme für Grünberg war enorm. Dazu trug sie freilich auch durch ihr offenes Wesen bei. Kaum einmal kamen Klagen über ihre Lippen, vielmehr suchte sie auf anderem Weg eine positive Zukunft, etwa mit dem Buch "Mein Sprung in ein neues Leben", mit dem sie auch auf Lesereise durch Österreich und Deutschland ging.