Politik | Inland
06.10.2017

Kindern wird der Wahlkampf zu kindisch

Dirty Campaigning und Dauerstreit: Was Schüler darüber denken - der KURIER hat sich in der Demokratiewerkstatt umgehört.

"Es ist alles sehr verwirrend." Dunja ist erst 13 Jahre alt, aber sie bringt auf den Punkt, wie es vielen Erwachsenen gerade geht. Dirty Campaigning, gegenseitiges Anpatzen, Dauerstreit zwischen den beiden Großparteien – dieser Wahlkampf ist wahrlich kein Kindergeburtstag.

Obwohl: Kindisch ist das, was gerade in der österreichischen Innenpolitik abläuft, durchaus, finden die Schüler, die der KURIER am Freitag bei einem Workshop in der Demokratiewerkstatt des Parlaments besucht hat.

Laurenz, der die 2. Klasse eines Wiener Gymnasiums besucht, erklärt sich das Verhalten der Polit-Spitze so: "Sie machen den anderen schlecht, damit sie selber besser dastehen." Und die anderen Kinder ringsum ergänzen: "Dabei weiß doch jeder, dass man das nicht tut."

"Es ist es trotzdem wert"

In der Demokratiewerkstatt – 2007 gegründet von der mittlerweile verstorbenen Nationalratspräsidentin Barbara Prammer – werden Kindern von acht bis 14 Jahren in verschiedenen Workshops Themen wie Demokratie, die Geschichte der Republik und der Umgang mit Medien nahegebracht. Gerade jetzt, in Wahlkampfzeiten, wäre so mancher Erwachsener dort gut aufgehoben. "Viele verstehen nicht, was da passiert und wenden sich ab", sagt Leiterin Elisabeth Schindler-Müller – und meint damit Menschen jeden Alters. "Wir versuchen den Kindern zu vermitteln, dass es die Sache wert ist, wenn man sich trotzdem damit beschäftigt. Wenn man etwas nicht versteht, ist die Gefahr groß, dass man aus einer Emotion heraus entscheidet."

Wesentlich sei dabei, dass sich die Kinder die Themen selbst erarbeiten und nicht einfach als Lernstoff "serviert" bekommen. Oder, wie Leonie es ausdrückt: "Es ist wichtig, sich eine eigene Meinung zu bilden und nicht alles zu glauben" – nicht einmal, wenn es die eigenen Eltern sagen.

"Mehr Ferien für Eltern"

Wählen dürfen die Kinder hier erst in ein paar Jahren, drücken aber schon jetzt recht klar aus, welche politischen Themen ihnen unter den Nägeln brennen.

Elena fällt zum Beispiel auf, dass ihr Vater viel arbeitet und "immer so bleich" sei. "Ich glaube, er braucht mehr Ferien." Eltern sollten nur von 8 bis 16 Uhr arbeiten und im Sommer frei haben – beim Thema Arbeitszeitverkürzung sind sich alle einig.

Stirnrunzeln gibt es beim Wahlkampf-Dauerbrenner Integration und Asyl. "Jeder soll sich doch kleiden, wie er will", meint Leonie zum Burka-Verbot, das am 1. Oktober in Kraft getreten ist. Basmala ärgert es, wenn Frauen, die ein Kopftuch tragen, oder Menschen mit dunkler Hautfarbe, auf der Straße "komisch angeschaut" werden. "Wenn man Ausländern das Gefühl gibt, dass dieses Land sie hasst, fühlen sie sich wie Außenseiter", erklärt Marina – und fügt besorgt hinzu: "Dann gehen sie vielleicht zu ISIS, oder wie das heißt."

Es gebe Menschen, die es in Österreich schwerer haben als andere, sprechen die Kinder an – denen müsse man helfen. Obwohl es da einen Einwand gibt: Ein paar Armen könne man immer helfen, aber wenn es sehr viele sind, werde die Sache kompliziert. Eine Anregung gibt Basmala den Politikern für ihre nächsten Reden mit: "Sie sollten vielleicht erwähnen, dass alle Menschen gleich sind und man niemanden diskriminieren darf." Ob Österreicher, Ausländer, Mann, Frau – ganz egal.

Ihr Wunsch an die Politik: "Fair sein, dem anderen eine Chance geben." Elena hielte es überhaupt für "perfekt", wenn nach der Wahl "alle Parteien zusammenhelfen" und jetzt, im Wahlkampf, nachdenken, bevor sie etwas versprechen. "Weil sie vieles sicher nicht einhalten können."