Khol, Waldheim 2005.

© /Robert Newald

Hofburg
04/12/2016

Waldheim wird Wahlkampf-Thema

ÖVP-Kandidat Khol hält Waldheim nach wie vor für einen "Ehrenmann".

von Philipp Hacker-Walton

Zum 30. Mal jährt sich heuer die Affäre Waldheim. Im Endspurt des Hofburg-Wahlkampfes wird sie nun zu einem Aufreger-Thema: ÖVP-Kandidat Andreas Khol ließ Montag Abend auf ATV (zum Nachsehen hier) mit einigen Aussagen aufhorchen. "So wie Österreich als Land, so war auch Kurt Waldheim ohne Zweifel ein Opfer des Nationalsozialismus", schrieb Khol Ende der 80er-Jahre in einem Buch über die Waldheim-Affäre.

Ob er das heute auch noch so sehe, wollte "Klartext"-Moderator Martin Thür wissen? "Ja, natürlich", sagte Khol: "Das Land Österreich war ein Opfer des Nationalsozialismus, aber viele Österreicher waren auch Täter."

"Mitwissen heißt nicht Schuld"

Wieso er Waldheim als Opfer sieht, erklärt Khol so: "Kurt Waldheim musste auch einen Krieg fechten, für den er nicht gestanden ist. Er war, wie seine ganzen Werke gezeigt haben, ein aufrechter Christdemokrat." Obwohl die Historiker-Kommission zum Fall Waldheim feststellte, dass dieser "wiederholt an rechtswidrigen Vorgängen mitgewirkt" habe, sieht Khol seinen verstorbenen Parteifreund ohne Schuld: "Mitwissen heißt nicht Schuld", sagt Khol. Und: "Waldheim war ein Ehrenmann. Waldheim hat vielleicht manchmal nicht alles gesagt, was er wusste. Aber im Grundsatz war er ein Ehrenmann."

"Opfer einer Intrige"

Khol sieht Waldheim noch in weiterer Hinsicht als Opfer - und zwar "als Opfer einer Intrige, die von Österreich ausging". Er räumt abe rein, dass die Affäre Waldheim zu einer "heilsamen und wichtigen Diskussion" zur Aufarbeitung von Österreichs Rolle im Zweiten Weltkrieg geführt habe.

Es ist nicht das erste Mal in diesem Wahlkampf, dass einer der Kandidaten mit Aussagen zu Waldheim für Aufsehen sorgt. Ex-Richterin Irmgard Griss druckste unlängst in einem Interview mit der Wiener Stadtzeitung Falter ordentlich herum. Auf die Frage, wen sie bei der Bundespräsidenten-Wahl 1986 gewählt habe, antwortet Griss: "Das weiß ich nicht mehr genau." Auf Nachfrage sagt sie: "Möglicherweise Waldheim."

Die Debatte im Wahlkampf um Waldheims Vergangenheit in der Wehrmacht "war damals sehr polarisierend, und sie hatte einen sehr starken parteipolitischen Beigeschmack. Das war schon auch schäbig".

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