Christian Kern

© /Instagram / BKA

Der Kanzler im Web
06/19/2016

Kern kann cool - aber was bringt’s?

Der SPÖ-Chef teilt sich auch per Foto-App mit – bislang erfolgreicher als sein Vorgänger.

von Bernhard Gaul

Was haben Donald Trump, Hillary Clinton, Irans Ayatollah Ali Khamenei, Ägyptens Abdelfattah Elsisi und Christian Kern gemeinsam?

Sie alle werben für sich via Instagram. Das ist eine der größten neuen sozialen Plattformen weltweit. Mehrere hundert Millionen User nutzen den Online-Dienst monatlich, auch in Österreich werden es täglich mehr. Anders als beispielsweise Facebook dient diese "App" ausschließlich dem Austausch von Bildern und Videos.

Bevor der neue SPÖ-Chef und Bundeskanzler Christian Kern also seinen "New Deal" Anfang Juli präsentiert, wirbt er für sich und die Anliegen der SPÖ bereits fleißig in den Sozialen Medien. Aber welchen politischen Zweck verfolgt Kern damit?

"Kerns Strategie in der Online-Kommunikation ist absolut auf der Höhe der Zeit", erklärt der Kampagnen-Experte Yussi Pick. Kerns Engagement auf der Bilder-Plattform sei eine neue Möglichkeit, eine Nähe zum Kanzler zu vermitteln und damit eine persönliche Bindung mit den Menschen aufzubauen. "Kern setzt auf eine ’Newsroom Strategie’, bei der es darum geht möglichst viele eigene Inhalte, Videos und Bilder unter das Wahlvolk zu bringen." Das sei "schlau", weil Kern dadurch inhaltliche und gestalterische Kontrolle behalte. "Wenn etwa das Video von Kerns Anti-Strache-Rede im Parlament mehrere Tausend Mal über Netzwerke geteilt wird, dann hat das eine Reichweite, die mit dem TV-Hauptabendprogramm vergleichbar ist – ohne kritische Kommentare von Journalisten. " Allerdings: Das Geschäft mit den Sozialen Medien beherrsche kein Politiker in Österreich besser als FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache, der besonders auf Facebook stark sei.

Authentizität als Risiko

Diese Web-Auftritte können aber auch nach hinten losgehen, sagt Pick, besonders wenn die Akteure dabei nicht authentisch sind. "Social Media-Auftritte haben noch nie einen guten Politiker beschädigt, aber sie können schlechte entlarven."

Christian Kerns Vorgänger Werner Faymann habe auch versucht, via Web zu reüssieren. "Faymanns Auftritt, etwa auf Facebook, war nicht gut, aber das alleine war nicht das Problem. Facebook hat nur aufgezeigt, dass seine Botschaften bei den Menschen nicht ankommen. Online wie offline."