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Kern im "Zeit"-Talk
10/17/2016

Kern im "Zeit-Talk": "Sie sind der furchtloseste Kanzler"

Chefredakteur Giovanni di Lorenzo diskutierte mit Christian Kern im Wiener MAK.

von Ida Metzger

"Herr Kanzler, bleiben Sie so wie Sie sind. Sie sind der furchtloseste Bundeskanzler, den ich kenne", beendete der Zeit-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo mit einer ironischen Bemerkung den Talk. Christian Kern, sichtbar geschmeichelt, legte sogleich eine Anekdote über seine Furchtlosigkeit nach. "Als mir der ÖBB-Chef angeboten wurde, dachte mir am Sofa liegend: Ich mache es. Wenn es vorbei ist, ist es vorbei. Aber ich fürchte mich nicht." Dieses Schema wandte er auch als bestimmendes Motiv bei seinem Wechsel an die Regierungsspitze an. "Sie agierten ähnlich wie Matteo Renzi. Der wurde italienischer Premier, weil er es wenigsten versucht haben wollte", antwortet di Lorenzo.

"Stimmt", erzählt Kern lachend, "wir haben gesagt, wenn es nicht klappt, eröffnen Renzi und ich gemeinsam einen Gebrauchtwagenhandel für Alfa Romeos."

Lockere Atmosphäre

Das Publikum in der Säulenhalle des Museums für Angewandte Kunst in Wien applaudierte begeistert. Der 90-minütige Talk zwischen Kanzler Christian Kern und Zeit-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo verlief in lockerer, launiger Atmosphäre, versprühte keine Spur eines sachlichen Politik-Interviews. Kern und di Lorenzo parlierten wortgewandt über Flüchtlinge, Ungarn-Premier Victor Orban, das in die "Knie zwingen der Eliten", den Spagat zwischen dem Wunsch seiner Wähler nach "restriktiver Flüchtlingspolitik" und dem Anspruch, einer Menschenrechtsdoktrin gerecht zu werden.

Einer von Kerns Lieblingsbegriffen ist die kulturelle Hegemonie. Er outete sich als großer Anhänger des italienischen Philosophen und Gründers der kommunistischen Partei, Antonio Gramsci. Kern beklagte auch, mit so mancher politischer Rhetorik seine Probleme zu haben. "Hier bin ich offenbar eine Mimose." Im Sommer hörte sich der SPÖ-Chef historische Reden von Deutschlands verstorbenem Kanzler Helmut Schmidt an. "Dagegen sind wir ein Kindergarten. Ich wusste gar nicht, dass Schmidt zu Adenauer sagte, er habe nicht alle Tassen im Schrank."

Natürlich fehlte auch ÖVP-Außenminister Sebastian Kurz nicht als Thema bei der Diskussion. Der Kanzler attestierte ihm großes politisches Talent. "Hat er auch Kanzler-Format?", fragte di Lorenzo. Kern schmunzelte und di Lorenzo zog die Frage zurück. "Aber er ist ein netter Kerl", stellte di Lorenzo dann süffisant noch in den Raum. "Wollen Sie seine Handynummer? Ich habe sie", entgegnete der Kanzler schlagfertig.

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