Kurz und Kern liefern sich Duell auf dem internationalen Parkett.

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Rot gegen Schwarz
09/18/2016

Kern gegen Kurz: Das Slim-fit-Duell

In New York gibt es den ersten Probelauf für das Duell von morgen. Ideologisch liegen der Kanzler und der Außenminister weit auseinander. Im Polit-Stil sind sich die beiden ähnlich.

von Ida Metzger

Von einem Duell in Manhattan will man selbstverständlich nichts wissen. Warum denn auch? "Wir wollen es ganz harmonisch anlegen. Es wird auch eine gemeinsame Pressekonferenz geben", heißt es aus dem Büro von Außenminister Sebastian Kurz.

Es ist die alljährliche UNO-Generalvollversammlung, die die beiden Hoffnungsträger von SPÖ und ÖVP heute Richtung Big Apple aufbrechen lässt. Vier Tage werden sich Kanzler Christian Kern (in Vertretung des noch nicht gewählten Bundespräsidenten) und Außenminister Sebastian Kurz am internationalen Parkett einen Wettlauf liefern. Hier der "wahrscheinlich coolste Regierungschef Europas" (©Die Zeit). Dort der jüngste und lässigste Außenminister Europas. Bei beiden sitzen Frisur und die körperbetonten Slim-fit-Anzüge stets perfekt. Beide sind rhetorisch brillant, beide Meister der Inszenierung (siehe Artikel unten). Beide führen den APA-OGM-Vertrauensindex an, wobei der kommende Mann der ÖVP klar vor dem Kanzler liegt. "Kern und Kurz punkten, weil sie nicht dem alten Typus des Politfunktionärs entsprechen", analysiert Politologe Peter Filzmaier. Der Big Apple avanciert zur ersten Probe für den Machtkampf von morgen. Wer gewinnt das Duell der Coolness in Manhattan? "Zwar ist Coolness alleine auch zu wenig. Aber beide wissen, dass die smarten, gut aussehenden Typen im Zweifel gewinnen. Beim Fotomaterial wird nichts dem Zufall überlassen", erklärt Politikprofi Heidi Glück.

Getrennt im Flieger

Oder werden die rot-schwarzen Kontrahenten überraschen, und doch das Gemeinsame vor das Trennende stellen? Bei der Anreise klappt es schon mal nicht. Der Kanzler fliegt Businessclass und landet am John F. Kennedy Airport. Kurz wählte eine Billig-Variante und ließ für sich und seine Entourage eine Gruppenreise buchen. Der Außenminister kommt daher am Newark-Airport an. "Da geht es ja auch um Steuergelder", lautet die offizielle Begründung aus dem Kurz-Büro. Nicht ganz glaubwürdig. Denn der Außenminister war ursprünglich auch auf dem Flieger gebucht, der am J.F.K.-Airport landet. Als Kern denselben Flug wählte, buchte das Außenministerium um. Separat hätte auch das erste Abendessen in Manhattan stattfinden sollen. Kurz hat nun sein Dinner abgesagt, um den mitreisenden Diplomaten und Journalisten das Pendeln zwischen der Kanzler- und Minister-Einladung zu ersparen.

"Es wird zum Crash kommen"

Ein Blick in das Programm zeigt Vorteile für Kern. Der Kanzler absolviert zwar nur sieben Auftritte – aber da der SPÖ-Chef den Bundespräsidenten vertritt, trifft Kern die Crème de la Crème der Macht. Allen voran US-Präsident Barack Obama. "Kern wird auch künftig versuchen, Kurz das außenpolitische Terrain strittig zu machen. Hier wird es früher oder später zum Crash um das außenpolitische Primat im Land kommen", prophezeit Heidi Glück. Diese Strategie merkt man jetzt schon: Journalisten, die Kern mit einem außenpolitischen Vergleich mit Kurz konfrontieren, bekommen eine sehr verschnupfte Antwort vom Kanzler. In Sachen Termindichte übertrifft Kurz den Kanzler in New York um ein Vielfaches. Die ÖVP-Hoffnung hat zahlreiche Arbeitsgespräche im 30-Minuten-Rhythmus eingetaktet.

"Jeder Schritt ist geplant"

Auftakt für das rhetorische Duell ist am Montag. Da hält Kern seine erste Rede vor der UNO-Generalvollversammlung. Thema: Migration. Was für den Kanzler eine Premiere, ist für 30-jährigen Kurz fast schon so etwas wie Routine. Der Außenminister tritt bereits zum vierten Mal an das Rednerpult in der UNO. Die große Frage: Macht Kern auch in der Migrationspolitik einen Linksschwenk wie zuletzt in der Wirtschaftspolitik? "Beide besitzen das Gespür, zum richtigen Zeitpunkt das richtige Wort zu finden. Beide haben ein Ziel vor Augen: Das Kanzleramt. Da passiert nichts zufällig. Jeder Schritt ist geplant", resümiert Polit-Berater Josef Kalina.

Sowohl für Christian Kern als auch für Sebastian Kurz spielen soziale Medien eine große Rolle, wenn es um Selbstinszenierung und politische Meinungsbildung geht. Der eine sticht dabei mit Erfahrung, der andere mit lässigen Umgangsformen hervor. Mit dem Alter der Politiker korrelieren diese Eigenschaften aber nicht. Sebastian Kurz, der sich selbst als „Digital Native“ bezeichnet, hat über viele Jahre eine große Gefolgschaft in sozialen Netzwerken aufgebaut. Auf Facebook hat er 302.000 Fans, auf Twitter 136.000 Follower, auf Instagram ist der 30-Jährige höchst aktiv. Außerdem betreibt Kurz einen eigenen YouTube-Kanal. Vor allem auf Facebook gibt sich Kurz sehr zugänglich, geht auf Fragen ein, kommentiert Beiträge. Der Tonfall dabei: Höflich, sachlich, bescheiden. Auch durch den einen oder anderen Rückschlag lässt sich Kurz nicht beirren. 2014 erntete Kurz etwa mit der Kampagne „#stolzdrauf“ Spott und Kritik. Statt positive Österreich-Assoziationen hervorzurufen, ging das Vorhaben nach hinten los.

Fokus auf Bilder

Christian Kern dagegen ist ein relativer Neuling in den sozialen Medien. Seine 78.500 Facebook-Fans und 11.800 Twitter-Follower erscheinen vergleichsweise wenig. Kerns Fokus liegt auf Instagram. Das stark wachsende Foto-Netzwerk wird von Kern und seinem Team für gekonnte Inszenierungen genutzt. Ein eigenes Fotografenteam lässt den Kanzler stets in bestem Licht erscheinen. Mit nur 75 Beiträgen hat es Kern auf Instagram auf 7500 Abonnenten gebracht. Zum Vergleich: Kurz kommt nach 516 Beiträgen auf 2230. Auf Twitter scherzt Kern locker dahin. Bis sein Konto verifiziert wurde, konnten viele Twitter-Nutzer gar nicht glauben, dass es sich tatsächlich um den Bundeskanzler handelte. Im Vergleich mit Vorgänger Faymann erscheint er als Social-Media-Talent. Die persönliche Interaktion auf Facebook zählt bisher aber nicht zu seinen Stärken.

David Kotrba