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Schüler
07/22/2015

Keine Noten in der Volksschule

Flexible Stundenpläne und alternative Leistungsbeurteilung – das bringt die Zukunft.

von Ricarda Kargl, Bernhard Gaul

Bis November soll die Bildungsreform ausverhandelt sein. Basis dafür ist das rot-schwarze, aber noch vertrauliche Konzept "Freiraum für Österreichs Schulen". Kernbotschaft: Schulen sollen vieles eigenständig regeln dürfen. Dadurch soll sich einiges ändern – auch für Österreichs Schüler. Der KURIER hat sich bei den Verhandlern umgehört und die wichtigsten Punkte zusammengefasst.

  • Unterrichtszeit Montag und Dienstag mehr, dafür Mittwoch und Donnerstag weniger Stunden in der Klasse sitzen – das könnte künftig möglich sein. Via mehr Autonomie sollen die Schulen nämlich die Unterrichtszeit flexibler aufteilen können. Aktuell ist die Länge der Stunden mit 50 Minuten festgelegt, das Schulzeitgesetz schreibt eine Gesamtwochenstundenzahl vor. In Zukunft soll die Unterrichtszeit nur im Jahresschnitt überall gleich sein. Die Schulen sollen selbst bestimmen können, wann und wie lange sie Einheiten ansetzen. Das macht auch geblockten Unterricht möglich.
  • Stundenplan Wer kennt das nicht: Am Abend keine Zeit mehr gehabt, muss die Hausübung noch schnell vor der ersten Stunde erledigt werden. Dieser Stress könnte bald nicht mehr nötig sein. Denn mit der Schulautonomie soll auch der Tagesablauf der Schüler gelockert werden. Zur Zeit ist festgelegt: Zwischen den Stunden gibt es verpflichtende Pausen, zu Mittag eine längere Mittagspause. Die Schule der Zukunft soll je nach Konzept Unterrichtszeit, betreute Lernzeit und Freizeit autonom anordnen. So könnte die erste Stunde etwa auch als Lernzeit genutzt werden, bevor der Unterricht losgeht.
  • Klassen Gleichaltrige Kinder haben selten den identen Wissensstand. Und nicht immer sind Gruppen mit 25 Kindern sinnvoll. Bei der Klassenbildung soll sich deshalb einiges ändern. Im Moment teilt die Schulleitung die Schüler in Klassen bzw. Jahrgänge ein. In der Volksschule will man künftig verstärkt jahrgangsübergreifend arbeiten. In Klassen mit gemischten Gruppen sollen Schüler so, wenn notwendig, auch nachreifen können. In höherbildenden Schulen könne man sich, so heißt es von den Experten, ein universitätsähnliches System vorstellen. In Vortragsphasen könnten etwa viele Schüler beisammen sein, in Projektphasen könnte es kleine Gruppen geben.
  • Benotung Der Traum aller Schüler: keine Noten mehr. In der Volksschule soll es laut Konzept mehr alternative Leistungsbeurteilung geben. Derzeit verteilen die Lehrer Noten, Schulversuche ermöglichen in der ersten und zweiten Klasse etwa eine verbale Beurteilung. Künftig könnten die Schulen individuell entscheiden, wie sie die Kinder beurteilen – und zwar über alle vier Klassen der Volksschule. Vor allem rote Verhandler machen hier Druck – denn eine gemeinsame Schule der 6- bis 14-Jährigen würde jedenfalls in den ersten Schuljahren den Notendruck von Kindern, Lehrern und Schülern nehmen.

Lesen Sie morgen im KURIER: Wie das Schulprofil der Zukunft aussehen soll.

KURIER-Serie: Was Rot-Schwarz mit der Schule wirklich vorhat

Autonomie

Im Zentrum der Bildungsreform steht die Schulautonomie. So soll künftig weniger zentral und mehr an den einzelnen Standorten geregelt werden. Was sich dabei am Alltag an der Schule von morgen ändern wird, hat der KURIER zusammengefasst.

Schulleiter

Die Schuldirektoren sollen künftig mehr Kompetenzen erhalten, so etwa bei der Einstellung von Lehrern oder der Verwaltung der Ressourcen. Gleichzeitig sollen Direktorenposten entpolitisiert und anfangs nur befristet vergeben werden.

Lehrer

Genauer hinschauen will man bereits bei der Einstellung der Pädagogen. Außerdem sollen Lehrer laufend überprüft werden. Bei schlechten Ergebnissen kann der Schuldirektor Fortbildungen anordnen, bei guten gibt es aber weiterhin keine Bonuszahlungen.

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