Politik | Inland
29.04.2015

Ulli Sima über Großvater: "Fühlte sich fallen gelassen"

Hans Sima, eine neue Biografie über den Ex-SP-Landeschef.

Die Narben" seien "nie richtig verheilt" – urteilt Bundespräsident Heinz Fischer. Er verweist in einem Vorwort auf seelische Wunden eines Parteifreunds, des einstigen Kärntner Landeshauptmanns Hans Sima. Dessen Polit-Leben beleuchtet die Zeithistorikerin Petra Mayrhofer in einem Buch, das gestern Abend im Parlament präsentiert worden ist.

Obwohl im national geprägten Kärnten sozialisiert, suchte Sima den Dialog mit den Slowenen. Unterstützt von SPÖ-Kanzler Bruno Kreisky und gestützt auf ein Bundesgesetz ließ er 1972 im gemischtsprachigen Gebiet zweisprachige Ortstafeln aufstellen. Die Folge: der " Ortstafelsturm". Sima verlor den Rückhalt in der Landespartei; 1974 musste er als SPÖ-Chef, dann als Landeshauptmann gehen. Fortan habe er "den Wunsch gehabt, von der Partei ,rehabilitiert‘ zu werden, von der er sich fallen gelassen gefühlt hat", sagt Ulli Sima, seine Enkelin, die in Wien als SPÖ-Umweltstadträtin werkt. Auch gegen Ende seines Leben habe er "viel über den Ortstafelsturm geredet – so, als wäre der gestern gewesen." Als Mittel zur "Rehabilitierung" sah er die akribische Dokumentation des Geschehens; dieses Archiv war auch Buch-Basis.

Prominente Rote kamen auf Sima zu: Caspar Einem, Franz Vranitzky. "Das war ihm wichtig. Er hatte ja das Gefühl, nichts falsch gemacht, sondern nur ein Bundesgesetz vollzogen zu haben", erläutert Ulli Sima, die der Hans-Sima-Privatstiftung vorsteht. 2006 starb ihr Großvater, der "bis dahin Sozialdemokrat bis in die Haarwurzel war". 2011 wurde der jahrzehntelange Ortstafel-Streit politisch beigelegt.