Kärnten ringt mit den Gläubigern um die Ablöse der Haftungen: Viel Vermögen ist nicht da

© /Josef Kuess

Hypo
07/08/2015

Kärnten-Holding: Fast nur Defizit-Betriebe

Jene Firma, die mit den Gläubigern verhandelt, schrammte selbst an Insolvenz vorbei.

von Daniela Kittner

Franz Pacher war 15 Jahre lang Wirtschaftskammerpräsident Kärntens. Unter seiner Führung warnte die Wirtschaftskammer 2007 massiv vor der Ausweitung der Landeshaftungen für die Hypo.

Nach Ausscheiden aus der Wirtschaftskammer wurde Pacher Vize-Aufsichtsratspräsident in der Kärntner Landesholding (KLH) – eine bittere Ironie. Denn die Landesholding muss jetzt jenes Haftungsdesaster ausbaden, vor dem Pacher – leider ungehört – warnte.

Pacher erinnert sich: "Wir haben aus zwei Gründen vor den Haftungen gewarnt. Wegen des Risikos auf dem Balkan, und weil die Haftungssumme ein Vielfaches der Kärntner Bilanzsumme ausmachte. Ich erinnere mich an spannungsgeladene Szenen wegen dieser Warnungen. Es hieß, sie würden sich gegen ein Mitglied der Kammer – was die Hypo ja war – richten."

Nun wirkt Pacher in der Landesholding beim Aufräumen des Scherbenhaufens mit. Die Landesholding ist mehrfach involviert:

Ex-Eigentümerin Sie hat für das Land Kärnten die Anteile an der Hypo gehalten. Manche Gläubiger der Hypo klagen nun die Landesholding – was diese einem Risiko aussetzt. Mit dem Vergleich mit Bayern (siehe auch Bericht im Wirtschaftsteil) sei jedoch vorerst "der größte Brocken weggeräumt", sagt Pacher. Bayern hat in der Klagsorgie mit Österreich auch die KLH belangt. Derzeit hat die KLH noch Klagen von 200 Millionen auf dem Tisch.

Eigentümerin von Landesvermögen Weiters ist die KLH Eigentümerin des Kärntner Vermögens. Pacher: "Wenn das Land zahlungsunfähig ist, könnten allfällige Gläubiger auf das Vermögen der Landesholding zugreifen."

Das meiste Vermögen liegt im Zukunftsfonds, wo der restliche Erlös aus dem Hypo-Verkauf an Bayern aus dem Jahr 2007 geparkt ist.

Ansonsten gibt es Beteiligungen an Seilbahnen, die meist Zuschussbetriebe sind.

Zur KLH gehören die Glockner Hochalpenstraße, die berüchtigten, überteuerten Seeliegenschaften, Anteile am defizitären Klagenfurter Flughafen.

In der Landesholding befindet sich der Kärntner Wirtschaftsfonds, der 300 Millionen außerbudgetäre Schulden hat, für die das Land haftet. Pacher: "Als das Land die Zahlungen einstellte, bekam der KWF von den Banken kein Geld, weswegen Projekte eingestellt werden mussten."

Ebenso wenig ein Asset ist die Kärnten Werbung. Pacher: "Manche sagen, die Marke Kärnten habe einen Wert. Aber welchen Markenwert soll ein insolvenzgefährdetes Land haben?"

Ist die Landesholding selbst von Insolvenz bedroht? Pacher: "Nachdem ein gerichtliches Restrukturierungsverfahren beantragt und genehmigt wurde, nicht mehr." Das Restrukturierungsverfahren unter gerichtlicher Aufsicht läuft ein Jahr. Pacher: "Es dient dazu, dass wir einmal wissen, wer die allfälligen Gläubiger überhaupt sind."

Wie berichtet, versucht Kärnten die Hypo-Haftungen mit einer Abschlagszahlung los zu werden.

Was Pacher wirklich schmerzt: "Bis auf drei Vorstände sind alle Verantwortlichen für das Hypo-Desaster noch im Amt. Alle Politiker, Spitzenbeamte wie der Leiter der Kärntner Finanzabteilung oder auch Bankprüfer, die versagt haben. So etwas gäbe es in einer Firma nie."

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