Politik | Inland
01.03.2018

Kärnten: Grüne Bühne wackelt bedenklich

Vom Künstler zum Politiker und retour? Holub und die Grünen kämpfen ums politische Überleben.

"Wenn wir die Fünf-Prozent-Hürde für den Landtags-Einzug nicht schaffen, gehe ich wieder singen und mache Kabarett." Kärntens Grünen-Spitzenkandidat und -Landessprecher, Rolf Holub, reißt gerne Witze, diese Ansage ist aber ernst gemeint. Der 62-Jährige, den indirekt Jörg Haider in die Politik geholt hat und der durch seine beharrliche Aufklärungsarbeit im Hypo-Skandal bekannt wurde, kämpft bei der Landtagswahl am Sonntag wie seine Partei ums politische Überleben.

Bis zum vergangenen Sommer lief alles glatt. 12,1 Prozent der Kärntner wählten die Grünen 2013 und ermöglichten die Regierungsbeteiligung mit SPÖ und ÖVP. Holub konnte sich profilieren, im Juli 2017 sah eine SPÖ-Umfrage die Grünen bei 19 Prozent. Es folgten die Listenerstellungen für die Nationalrats- und Landtagswahlen, bei denen Parteichefin Marion Mitsche und Klubchefin Barbara Lesjak durchfielen. Lesjak wird nächste Woche zurück- und aus der Partei austreten, Mitsche hat diese Schritte hinter sich und wirbt mit der Liste F.A.I.R. um (grüne) Stimmen. Auch die Plattform "Verantwortung Erde" fischt im selben Teich. Holub bot sogar eine Kooperation an, "Erde" lehnte ab.

Immer wieder abgeblitzt

Das tat kürzlich auch die ÖVP, als Holub Natura-2000-Gebiete ausweisen wollte. Und das tat am Montag Verkehrsminister Norbert Hofer ( FPÖ), der Holubs Antrag auf Tempo 100 auf der A2 aus Lärmschutzgründen zu bearbeiten hatte. Begründung des "Nein": der Verkehrsexperte, den die Grünen beauftragt hatten, hätte laut Asfinag falsch gemessen.

Der nächste Keulenschlag ist die OGM-Umfrage, die die "Öko-Partei" aktuell nur bei zwei bis drei Prozent sieht. "Es ist zwar nicht völlig ausgeschlossen, dass sie noch auf fünf Prozent klettern, aber unwahrscheinlich", sagt OGM-Chef Wolfgang Bachmayer. Und könnte die Veröffentlichung dieser Daten Grün-Wähler mobilisieren? Bachmayer: "Schon, aber ich glaube eher an eine Verstärkung des Abwärtstrends, weil man eine Grün-Stimme als verlorene Stimme einstufen könnte."

Holub wahlkämpft emsig. Und er sieht Parallelen zur Tirol-Wahl. "Da sieht man, dass sich fleißige Regierungsarbeit und der Einsatz für unsere Umwelt auszahlt", meint der 62-Jährige. Eine Möglichkeit, durch die "Hintertür" in den Landtag zu kommen, wäre das Erreichen des Grundmandats in Klagenfurt.

In diesem Wahlkreis wurden 2013 neun Mandate verteilt, heuer sind es zehn, somit ist das Grundmandat leichter zu erobern. Laut Landeswahlabteilung benötigte man 2013 noch 9811 Stimmen (die Grünen hatten 14.564) für ein Grundmandat, heuer werden bei ähnlicher Wahlbeteiligung rund 8900 reichen.

Der haider-kritische Song

"Wenn ich scheitere, ist die Polit-Karriere freilich vorbei", weiß der Grünen-Frontman. Aber auch das Künstlerleben werde ihm Spaß bereiten. Holub hatte sich einst mit der Combo "Three Tight" einen Namen als Sänger gemacht. Es war auch ein Song, der ihn 2003 auf das politische Parkett brachte: Kulturreferent Haider soll sich über ein kritisches Holub-Lied so geärgert haben, dass er den Sänger von der Liste der Preisträger für den "Kleinkunstdrachen" strich. "Ich stand vor der Wahl: Auswandern oder in die Politik gehen", betont Holub stets. Der Wahlsonntag könnte nun sein Comeback als Künstler einläuten.