Politik | Inland
16.10.2017

Kärnten: FPÖ will 2018 Landeschef stellen

Kärnten wieder blau gefärbt: Experten orten Rückenwind für FP bei Landtagswahl im März/Traum von Höhenflügen wie unter Jörg Haider lebt.

Kärnten ist anders, Kärnten wählt anders – einmal mehr hat das südlichste Bundesland am Sonntag diesen Beweis angetreten: Es ist blau eingefärbt und entgegen dem Bundestrend lautet das Ranking dort: 1. FPÖ, 2. SPÖ und 3. ÖVP . Die Freiheitlichen leiten daraus einen Führungsanspruch ab, den sie nun für die Landtagswahl am 4. März 2018 stellen.

Ist die seit 2013 in Kärnten amtierende rot-schwarz-grüne "Zukunftskoalition" in fünf Monaten wieder Vergangenheit? Auch wenn Experten stets beteuern, man dürfe Bundeswahlen nicht auf die Länder herunterbrechen, so sind die Zeichen eindeutig: Die SPÖ verlor als Landeshauptmannpartei unter Peter Kaiser im Vergleich zur Nationalratswahl 2013 drei Prozentpunkte, die FPÖ verdoppelte sich indes nahezu, die ÖVP gewann elf Prozent, während die Grünen zerbröselten, obwohl sie an der Macht mitnaschten.

"Wir werden jetzt versuchen, möglichst fehlerlos zu bleiben. Platz eins und die Beendigung des Stillstandes müssen unsere Ziele für die Landtagswahl sein", glaubt Kärntens FPÖ-Chef Gernot Darmann auf Landesebene an blaue Höhenflüge, wie sie in Zeiten eines Jörg Haider oder Gerhard Dörfler Usus waren.

Politologin Kathrin Stainer-Hämmerle ortet aktuell eine "optimale Stimmungslage für rechtspopulistische Parteien und einen Rückenwind für die FPÖ-Bewegung in Kärnten." Dieser könne sich bis März verstärken, wenn die Blauen im Bund geschickt verhandeln würden.

"Ein Alarmzeichen"

Haiders einstiger Pressesprecher und Weggefährte, Stefan Petzner, findet die Performance der FPÖ im Süden so bemerkenswert, dass er einen Regierungssitz für einen Kärntner Mandatar einfordert: "Das wäre aufgrund des besten FPÖ-Bundesländerergebnisses nur gerechtfertigt." Überraschend komme der Erfolg nicht. Petzner: "Kärntner sind traditionell weiter rechts angesiedelt, als der Durchschnittsösterreicher. Und die FPÖ ist dort strukturell gut aufgestellt, muss jetzt die Nummer-Eins-Position ins Auge fassen." Er glaube zwar nicht, dass Darmann bereits 2018 den Landeshauptmann stellen werde, bei Kaiser müsse die FP-Dominanz jedoch ein lautes Alarmzeichen sein.

Der SPÖ-Landeschef betont, er habe "gute Nerven. Wir wissen, was für die Menschen im Land wichtig ist. Die Karten werden bei der Landtagswahl neu gemischt, wenn wir unseren Leistungskatalog vorstellen." Damit meint er die Pluspunkte auf der Bilanzliste der Koalition – von der Verhinderung der Hypo-Pleite bis hin zu positiven Arbeitsmarktdaten.

Kaisers Vor-Vorgänger als Landeshauptmann und SPÖ-Chef, Peter Ambrozy, lässt Zweifel durchklingen, dass dies alleine reicht. "Die Wahl hat gezeigt, wie groß das Potenzial an FPÖ-Wählern in Kärnten nach wie vor ist. Die SPÖ wird sich intensiver um Sachthemen und um die Leute kümmern müssen", rät Ambrozy.