Politik | Inland
26.06.2017

Julian Schmid: "Vor so einer Politik will ich die Welt retten"

Der 28-jährige Julian Schmid hat Peter Pilz bei der partei-internen Listenwahl den Rang abgelaufen und wurde auf Listenplatz 4 gewählt. Hinterher wurde er als politisches Leichtgewicht kritisiert. Im KURIER-Interview spricht er über die für ihn wichtigsten politischen Themen, Erfahrungen als Jungpolitiker und wovor er die Welt retten will.

Kurier.at: Sie sind seit vier Jahren im Parlament. Trotzdem meinen viele professionelle Polit-Beobachter, sie wüssten nicht genau, wofür Sie stehen. Woher kommt das?
Julian Schmid: Ich glaube, die jungen Menschen in Österreich kennen mich recht gut und für die wollte ich immer eine Stimme sein. Ich war viel mit ihnen unterwegs und habe tausende Gespräche und hunderte Schuldiskussionen geführt, war in Betrieben, Jugendgefängnissen, beim Jugend-AMS, habe junge Asylwerber in Traiskirchen besucht und Parlamentsführungen gemacht. Das fällt manchen Älteren vielleicht nicht so auf. Manche Medien sehen die Meinungen von Jungen nicht als wirklich gleichwertig an. Viele machen sich nicht einmal die Mühe, meine Rede am Bundeskongress zu sehen, um zu verstehen, warum die Basis mich gewählt hat.

Das ist natürlich ein Teil der parlamentarischen Arbeit. Vergleicht man die Zahl der Gesetzesinitiativen und Redebeiträge mit einem Peter Pilz, waren es aber wesentlich weniger.
Generell ist es im Parlament oftmals nicht so leicht, als Junger gleich viel Raum zu bekommen. In der nächsten Periode werde ich da sicher mehr Gewicht haben. Ich habe aber auch ein kooperativeres Politikverständnis, sehr viel gemeinsam mit anderen Abgeordneten gearbeitet. Derzeit bin ich Jugendsprecher, das ist auch eine Querschnittsmaterie von Mietrecht über Bildungspolitik bis Arbeitswelt.

Sie werden jetzt durch diese Listenwahl an Peter Pilz gemessen. Sein Ausscheiden ist ein Verlust für die Grünen. Was können Sie beitragen, um ihn zu ersetzen?
Darum geht es nicht. Ich finde es sehr schade, dass der Peter nicht weiter kandidiert hat. Es gibt jetzt das Angebot der Partei an ihn, einen Vorzugsstimmenwahlkampf zu machen. Ich hoffe, er nimmt es an und bleibt mit an Bord. [Anm. d. Red.: Nach dem Interview hat Peter Pilz diesen Plänen eine Absage erteilt.] Peter Pilz ist und war für mich immer ein Vorbild bei den Grünen.

Grün-Politiker Julian Schmid im Porträt

In mehreren Medienberichten und Kommentaren nach dieser Listenwahl wurden Sie als politisches Leichtgewicht bezeichnet. Finden Sie das gerecht?
Wenn du jung in die Politik gehst, wirst du schnell so beurteilt. In den Chefredaktionen sitzen halt auch keine Jungen. Und wenn du ins Parlament kommst, sind dort natürlich schon Abgeordnete und Strukturen, die schon Jahrzehnte aktiv sind. Natürlich bist du da nicht gleich wie alle anderen. Ich habe auch einen anderen Politikzugang in vielen Dingen. Ich war etwa auf klassische Medienberichterstattung nicht so erpicht. Junge Menschen - und um diese Gruppe kümmere ich mich - lesen das teilweise gar nicht mehr. Für mich war deshalb Social Media und die direkte Erreichbarkeit zentral, um die Anliegen junger Menschen ins Parlament zu tragen.

Fühlen Sie sich wegen Altersdifferenzen missverstanden? Immer wieder kocht das Thema hoch, dass Sie sich legerer kleiden, was ältere Abgeordnete teils sehr zu stören scheint.
Mir war immer wichtig so zu bleiben, wie ich bin, wenn ich ins Parlament gehe. Ich habe da natürlich auch ordentlich Gegenwind gekriegt. Aber ich habe immer gesagt: Schauen wir lieber auf die Dinge, die für die Menschen wirklich zentral sind.

Würden Sie sagen, dass Ihre parlamentarische Arbeit speziell durch Ihr Alter schwieriger ist?
Es ist sicher nicht leichter. Als Neuer ist es immer etwas schwieriger, weil man erst einmal reinkommen muss.

Welche Themen möchten Sie in der nächsten Periode inhaltlich aufgreifen?
Dass ich jetzt den vierten Platz auf der Bundesliste gemacht habe, gibt mir das Backing, starke grüne Jugendpolitik in der nächsten Periode zu machen. Wie auch bisher möcht ich die großen Zukunftsthemen meiner Generation aufgreifen: Aktiven Klimaschutz, solidarische Europapolitik und Gerechtigkeit von Wohnen bis Arbeitswelt. Wir bräuchten ein Mietrecht, um die explodierenden Mieten einzuschränken und müssten an einem neuen Europa bauen. Einem Trump ist es mit 71 Jahren vielleicht eher egal, wenn der Klimaschutzvertrag kippt. Mir aber nicht, denn uns fällt das dann auf den Kopf. Wir in Österreich selbst schließen den Klimavertrag ab, und was macht die Bundesregierung? Sie will eine dritte Flughafenpiste in Wien bauen. Genau das brauchen wir nicht. Wir bräuchten eher ein leistbares Öffi-Jugendticket für Österreich. Ich habe da einige Vorschläge gemacht und bin in der letzten Periode immer ignoriert worden.

Denken Sie, dass Sie von Ihrer Partei auch mehr Ausschüsse und Zuständigkeiten bekommen werden?
Schauen wir zuerst bitte einmal, wie wir bei der Nationalratswahl abschneiden. Das hängt ja auch davon ab, wer hineinkommt und welche Kompetenzen die Leute jeweils haben. Manchen medialen Berichterstattern scheint auch ein bisserl wurscht zu sein, dass ich jetzt schon in vielen Ausschüssen bin und dort arbeite: Bildung, Familien, Bürgerinitiativen, Landesverteidigung, Sport und im neu gegründeten Jugendunterausschuss.

Auf Ihrer Seite auf der Grünen-Homepage steht, Sie wollen die Welt retten. Wovor?
Ich denke, momentan hat jeder im Gefühl, wovor man die Welt retten muss. Wir haben einen Turbokapitalismus und Neoliberalismus, der für den Profit alles ausbeutet, was nicht niet- und nagelfest ist: Menschen und Natur. Ich will eine Gesellschaft, die für Solidarität und ein Miteinander steht. Wo wir Klimaschutz auf internationaler Ebene machen, keine Kriege anfangen. Wenn Sebastian Kurz sagt, er will 14 Milliarden aus dem Budget kürzen, wo werden die Konservativen das kürzen? Es wird an den Schulen und Universitäten fehlen, bei der Gesundheitsversicherung, beim Umweltschutz. Das fällt uns Jungen dann voll auf den Kopf. Vor so einer Politik will ich "die Welt retten".

Kurz (30) ist einer Ihrer wenigen Altersgenossen in Spitzenpolitik und Parlament. Verbindet das?
Ich kann mich noch an die Schuldiskussionen erinnern, die ich mit ihm vor einigen Jahren hatte. Wir sind halbwegs gleich alt, aber inhaltlich trennt uns sehr viel. Wenn die Leute etwa Angst um den Sozialstaat haben, sagt er: "Dann checkt's euch eine Privatpension." Auch in der EU macht er in jeder Frage immer eine "Austria First"-Politik und riskiert, dass die Union zerfällt: Das ist für mich einfach nicht die Antwort der Zeit. Die kann nur Solidarität sein - damit kann unsere Generation alles meistern. Nicht damit, dass jeder nur noch auf sich schaut.