Team Stronach-Abgeordneter Georg Vetter, ÖVP-Klubobmann Reinhold Lopatka und der frühere Team Stronach-Generalsekretär Marcus Franz

© APA/HANS KLAUS TECHT

Nationalrat
06/03/2015

Interne Proteste gegen VP-Asyl für umstrittene Ex-Stronach-Fans

Durch Wechsel von zwei Abgeordneten zur ÖVP rückt Mehrheit für Schwarz-Blau im Nationalrat näher.

von Karin Leitner, Ida Metzger

Binnen 24 Stunden ging der Wechsel der Stronach-Mandatare Georg Vetter und Marcus Franz zur ÖVP vonstatten. ÖVP-Klubchef Reinhold Lopatka nennt sich als Mastermind. Nach dem ernüchternden Landtagswahlsonntag soll ihm die Idee gekommen sein. „Mit Vetter und Franz wird die Partei breiter. Dienstagnachmittag gab es das erste Gespräch“, sagt Lopatka. Schnell war man sich einig. Parteimitglieder werden die Neuen vorerst nicht. „Aber fragen Sie mich in drei Monaten wieder“ (Franz).

Sind die Ex-Stronach-Abgeordneten das richtige Signal für eine ÖVP, die sich ein neues Programm verpasst hat? Die beiden fielen bis jetzt durch Verbalentgleisungen auf. Mediziner Franz outete sich via Twitter als Po-Grapscher (siehe unten). Lopatka redet den sexistischen Sager klein. „Man darf nicht jedes Wort auf die Waagschale legen.“

Das gilt für den Klubchef wohl auch, was Vetter anlangt. Der schrieb auf seinem Internet-Blog, Österreich sei 1938 das erste Opfer der Nazis gewesen. Dabei blieb der Jurist bei der ersten Pressekonferenz als Mandatar im ÖVP-Team. „Ja, der Staat Österreich ist das erste Opfer der Nationalsozialisten. Mit dem Einmarsch wollten die Nazis die Volksabstimmung für ein freies Österreich verhindern.“ Vetter traf die historisch falsche Aussage vor dem Gemälde des Staatsvertragskanzlers und KZ-Überlebenden Leopold Figl.

Durch den Mandatszuwachs ergibt sich eine neue Perspektive für die Schwarzen. Ihnen fehlen jetzt nur drei Abgeordnete für eine Parlamentsmehrheit mit den Blauen. Werden weitere „Stronachos“ zur ÖVP überlaufen? Lopatka: „Man kann nie etwas ausschließen.“ Stronach-Mann Rouven Ertlschweiger soll schon beim ÖVP-Klub angeklopft haben. Lopatka will vom neuen Planspiel nichts wissen. „Nur drei Mandatare brauchen wir? Ich dachte, es sind vier. Sehen Sie, das zeigt, dass ich mich mit dem Thema noch nicht beschäftigt habe. Aber danke für den Hinweis“, scherzt der Klubchef gegenüber dem KURIER.

Parteifreunde Lopatkas finden nicht witzig, dass die ÖVP Franz und Vetter beherbergt. Er sei skeptisch, wenn Leute die Partei wechseln, erst recht, wenn sie von einer kämen, „von deren Politik ich nicht viel halte“, sagt Mandatar Asdin El Habbassi. Abgesehen davon passe das nicht zum Parteimotto „jünger, weiblicher, moderner“.
ÖVP-Frauenchefin Dorothea Schittenhelm befindet ob Franz’ Pograpsch-Befunden: „Über solche Sprüche müssen wir reden. Das kann es nicht sein. Der Herr wird sich, auch was Frauen angeht, an unserer Haltung orientieren müssen. Die lassen wir von ihm nicht heruntermachen.“ Kärntens JVP-Chef Sebastian Schuschnig urteilt auf Twitter: „Franz und Vetter im VP-Parlamentsklub? Hab mich selten so geschämt. Die beiden Herren braucht wirklich niemand.“

Da waren es nur noch neun ...

Marcus Franz im Wortlaut

Ist Homosexualität amoralisch?
„Wenn ich strenge Moralmaßstäbe anlege, ist es mit Sicherheit amoralisch, wiewohl es in den Genen steckt. Es gibt auch im
Säugetierreich Homosexualität, bei Hunden oder Affen. Und das ist eine genetische Anomalie.“

Marcus Franz wörtlich im profil

Es soll die Pflicht von allen sein, Kinder zu bekommen?
„Ja. Wir haben durch Pille und Co. sehr viele Möglichkeiten zu verhüten. Dabei ist Fortpflanzung unser Lebenszweck. Dass Sie eine Frau sind und ich ein Mann, ist unser Urzweck. Wir könnten uns theoretisch vereinigen und jetzt ein Kind zeugen.“
Zu Interviewerin, November 2013

„Ich weiß, manche halten mich für reaktionär oder gar skurril. Dabei bin ich vor allem eins: Klar in der Haltung und kritisch zum Zeitgeist.“
Auf Twitter im März 2015

„Ob der Popsch hält, was der Blick verspricht. Das erfahren zu wollen wird nun bestraft. #PoGrapschParagraf Cui bono??“
Auf Twitter im April 2015

„Pograpschen kann übrigens zur Hochzeit führen. So war’s z.b bei mir.“
Auf Twitter im April 2015

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.