Politik | Inland
18.08.2017

Mit 10 geflüchtet, mit 33 am Sprung ins Parlament

Alma Zadic möchte über die Liste Pilz in den Nationalrat einziehen. Eine Rechtsanwältin als Integrationsvorbild.

Als sich Peter Pilz erfolgreich durch die Journalistentraube durchgeschlängelt hat, konnte er sich einen Seitenhieb auf die politische Konkurrenz nicht verkneifen: "Wir haben keine Spitzensportlerin anzubieten, auch keine Operettensängerin und keinen freiheitlichen Pensionisten. Unsere Kandidaten sind unser Programm."

Und im besagten Programm haben nun auch Rechtsanwältin Alma Zadic und Pflegeassistentin Teresa Roscher einen Platz bekommen. Roscher soll mit ihrem Know-How den Bereich Pflege abdecken, Zadic das große Thema Integration – neben dem politischen Islam ein Steckenpferd des Ex-Grünen Pilz: "Eine gute Integrationspolitik ist wichtig für eine gute Sicherheitspolitik."

Fluchterfahrung

Interessant ist vor allem die Biografie von Zadic. Als sie von Peter Pilz gefragt wurde, ob sie für ein Nationalratsmandat kandidieren möchte, habe sie "mit Begeisterung" zugesagt und ihren Job in einer Wiener Anwaltskanzlei niedergelegt. Ausschlaggebend für ihre Kandidatur sei aber vor allem auf ihre persönliche Erfahrung zurückzuführen, sagt Zadic im KURIER-Gespräch. Mit zehn Jahren ist sie mit ihrer Familie wegen des Kriegs im ehemaligen Jugoslawien aus Bosnien-Herzegowina geflüchtet und im April 1994 nach Österreich gekommen. "Ich kam sofort an eine Wiener Volksschule, war aber damals die einzige Ausländerin in der Klasse", erklärt sie. Wegen fehlender Deutschkenntnisse hatte Zadic Schwierigkeiten dem Unterricht zu folgen. Im schlimmsten Fall hätte sie die Klasse wiederholen müssen.

So weit ist es aber nicht gekommen. Nach wenigen Wochen ist sie nämlich mit ihrer Familie in den 15. Wiener Gemeindebezirk gezogen. "Der Umzug war mein Glück. Ich bin dort in eine Klasse gekommen, die auf Flüchtlingskinder vorbereitet war. Für uns gab es täglich Deutschkurse. Das hat einen unglaublichen Unterschied ausgemacht. Ich habe sehr schnell gelernt", erzählt Zadic. Die vierte Klasse schloss sie mit ausgezeichnetem Erfolg ab, wechselte anschließend auf ein Gymnasium und studierte später Rechtswissenschaften in Wien und an der New Yorker Columbia University. Zuletzt war sie als Wirtschaftsanwältin tätig und hat davor bei der Internationalen Organisation für Migration gearbeitet.

Zadic weiß, dass sie mit ihrer Karriere eine von wenigen Ausnahmen unter Flüchtlingskindern ist. "Am Ende des Tages scheitern noch immer viel zu viele Kinder an ihren mangelnden Sprachkenntnissen", deponiert der Polit-Neuling und fordert gerade deshalb einen umfassenden Ausbau der Sprachförderung. 2000 speziell ausgebildete Lehrkräfte sollen dafür eingestellt werden. "Der Schlüssel für eine gute Integration liegt in der Bildung. Ich spreche aus Erfahrung."