(v.l.n.r.) Der Leiters des Expertenrates für Integration - Heinz Faßmann, Integrationsminister Sebastian Kurz und Stephan Marik-Lebeck von der Statistik Austria

© APA/DRAGAN TATIC

Bericht 2015
07/16/2015

"Die Integration ist besser als ihr Ruf"

Deutschkurse und Bildung sind im Fokus / Nicht-Österreicher arbeiten auffallend oft in Billig-Jobs.

von Christian Böhmer

Wir wollten leben." In drei knappen Worten sagt Farhad Mohamadi eigentlich alles, was es zu seiner Flucht aus Afghanistan zu sagen gibt. "Wir wollten nicht von den IS-Terroristen, die damals Taliban hießen, ermordet werden." Also gingen sie fort, die Mohamadis, bis nach Österreich. Und aus dem Volksschüler Farhad, der sich in Eigenregie Deutsch beibrachte und die Schule abschloss, wurde ein erwachsener junger Mann, der heute in Österreich als Kundenberater und Schauspieler jobbt.

Am Donnerstag durfte Mohamadi seine Geschichte neben Außenminister Sebastian Kurz erzählen. Der Ressortchef präsentierte den Integrationsbericht 2015, und Mohamadis Schicksal bildet einige jener Herausforderungen ab, mit denen sich die Politik beim Thema Integration beschäftigen muss.

Denn selbst wenn zuletzt "Meilensteine wie das Islamgesetz" (Kurz) geschafft wurden, und obwohl die Mittel für Sprachförderung im Kindergarten seit 2012 auf 20 Millionen Euro pro Jahr vervierfacht wurden – es bleibt viel zu tun. Nicht nur, aber auch aufgrund der stark steigenden Zahl an positiven Asylbescheiden: Seit 1982 gab es kein Jahr, in dem so vielen Menschen Asyl gewährt wurde wie 2014 (Grafik). Das ist vor allem der Tatsache geschuldet, dass die Mehrzahl der Flüchtenden – wie einst Farhad – aus umkämpften Ländern wie Syrien oder Afghanistan kommt.

Crash Kurs für Schüler

Kurz erneuerte gestern die im Bericht enthaltene Forderung nach "Vorbereitungsklassen", in denen quer einsteigende Schüler in einer Art "Crash Kurs" die Deutsch-Grundkenntnisse erwerben sollen – in Wien werde dies längst gemacht. Aus der SPÖ, die sich ja vielfach gegen "Gettoklassen" wehrt, kam sanfte Zustimmung. Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek etwa deponierte nur den Wunsch, die Trennung in den Vorbereitungsklassen möge "so kurz wie möglich" bleiben.

Grosso modo lassen die im Integrationsbericht enthaltenen Zahlen zwei Schlüsse zu. Den einen beschreibt Heinz Faßmann, Sprecher des hinter dem Integrationsbericht stehenden Expertenbeirates, so: "Die Integration ist besser als ihr Ruf." Tatsächlich ist seit 2010 bei der Frage, wie gut Integration funktioniert, ein steter Verbesserungstrend zu sehen. Am deutlichsten zeigt sich das bei der Frage, ob sich Menschen mit Migrationshintergrund hier heimisch fühlen: Sagten 2010 noch 47,6 Prozent, dass sie sich eher dem Herkunftsstaat zugehörig fühlen, aus dem sie selbst oder ihre Eltern kamen, sehen es heute nur 29,8 Prozent so.

Die zweite, eher unbefriedigende Erkenntnis aus dem Bericht ist die, dass Nicht-Österreicher wirtschaftlich vielfach marginalisiert werden: Fast jeder dritte Nicht-Österreicher (28 Prozent) arbeitet im ausgewiesenen Niedriglohnsektor, sprich: Er oder sie verdient weniger als 8,44 Euro brutto pro Stunde; von den österreichischen Arbeitnehmern trifft dieses Schicksal nur 13 Prozent.

Das zu ändern, so weit sind Faßmann und Kurz durchaus Realisten, ist ein schwieriges Unterfangen. "Integration ist eine Sisyphosarbeit", sagt Faßmann. "Aber Sisyphos war ein glücklicher Mensch, das nur zur Erinnerung."

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