Politik | Inland
27.01.2018

"Ich werde Michael Häupl nicht drängen"

Interview. Der neue Parteivorsitzende Michael Ludwig über seine erste Aktion als Parteichef, Konkurrent Andreas Schieder und die FPÖ.

KURIER: Herr Ludwig, Hand aufs Herz, wie sicher waren Sie, dass sie gewinnen?

Michael Ludwig: Seit ich mich für das Amt beworben und kandidiert habe, war ich sehr sicher, das ein größerer Teil der Partei hinter mir steht und mich unterstützt.

Was wird ihre erste Aktion als Parteichef?

Ich werde als ersten Schritt ein Vier-Augen-Gespräch mit Bürgermeister Michael Häupl führen, um die weitere Vorgangsweise mit ihm zu besprechen. Dann werde ich mit dem Koalitionspartner Gespräche aufnehmen und mit allen Bezirksvorsitzenden und den Vorsitzenden der Organisationen ausloten, wo es Verbesserungspotenzial gibt.

Wann soll Bürgermeister Michael Häupl das Bürgermeisteramt übergeben?

Das mache ich abhängig von den Gesprächen mit Michael Häupl. Wir haben ihn heute zum Ehrenvorsitzenden gewählt. Er genießt hohe Reputation und ich werde ihn sicher nicht drängen. Ich spüre eine hohe Bereitschaft in der Partei, diese Entscheidung gemeinsam zu tragen.

Was wäre denn ihr Wunsch? Der Bürgermeister hat einmal den Mai erwähnt.

Mir kommt es auf ein paar Tage nicht an. Wichtiger ist, die Partei neu aufzustellen, damit wir die Wahlen 2020 gut schlagen können.

Wie wird das neue Regierungsteam aussehen? Haben Sie schon Namen im Kopf?

Das mache ich abhängig von den kommenden Gesprächen, die zu führen sind. Ich bin aber ein Freund von einer Mischung aus Erfahrung und neuen Ideen.

Ihr Mitbewerber Andreas Schieder hat viel Erfahrung in Finanzfragen. Wäre er ein geeigneter Finanzstadtrat?Ich habe über mehrere Wochen und Monate mit Andreas Schieder sehr gut zusammengearbeitet, obwohl wir Konkurrenten um eine Funktion waren. Ich kann mir im weitesten Sinne jede Zusammenarbeit vorstellen. Ich bin mir sicher, dass wir daher einen Weg finden wie wir unsere Zusammenarbeit schärfen.

Wird es heuer noch einen Landesparteitag geben, bei dem auch ein neuer Parteivorstand gewählt wird?

Das ist abhängig von weiteren Gesprächen. Es ist die Frage, wie schnell wir ein neues Team herausbilden können. Ein Parteitag ist aber eine große organisatorische und finanzielle Herausforderung. Insofern werde ich mir genau überlegen, zu welchem Zeitpunkt ein Landesparteitag stattfinden wird.

Nach den jüngsten Skandalen rund um die niederösterreichische FPÖ: Wie stehen Sie zu einer Koalition mit der FPÖ in Wien?

Ich habe das schon vor diesen Ereignissen ausgeschlossen. Dessen ungeachtet versuche ich mit allen Parteien ein gutes Gesprächsklima zu haben. Das heißt aber nicht, dass man eine Koalition eingeht.