Politik | Inland
31.01.2012

Hypo bereitet Schrumpfung vor

Die Töchter in Italien und Österreich werden verkauft. Im Vorjahr wurde trotz hoher Abschreibungen ausgeglichen bilanziert.

Nach Jahren hoher Verluste, die Ende 2009 zur Notverstaatlichung führten, kann Hypo-Alpe-Adria-Chef Gottwald Kranebitter nun wieder mit besseren Zahlen aufwarten. "Das Ziel, 2011 der Null-Linie möglichst nahe zu kommen, haben wir erreicht", sagte er gestern, Montag, vor Journalisten. Ob knapp drunter oder drüber, ließ er mit Verweis auf Veröffentlichung der Bilanz im März offen. 2010 betrug der Verlust noch eine Milliarde Euro, heuer sollen wieder schwarze Zahlen erreicht werden.

Kranebitter: "Wir wollen 2012 unsere Lebensfähigkeit beweisen, um neue Eigentümer zu finden." Dazu zähle ein Effizienzprogramm von 100 Millionen Euro. Dieses beinhalte auch den Abbau von 800 Mitarbeitern, davon 50 in Österreich. Die Reduktion sei zu einem Drittel bereits erfolgt, großteils über natürliche Abgänge.

Neue Filialen

Laut Kranebitter liegt der Fokus des Geschäfts "ganz klar auf Südosteuropa, wo wir 90 Prozent unserer Kunden haben". Er will die Bank für den Mittelstand ausbauen und selektiv neue Filialen eröffnen. "Das Potenzial ist bei weitem nicht ausgeschöpft."
Es werde alles getan, um für Käufer attraktiv zu sein. "Im zweiten Halbjahr wollen wir alle Vorbereitungen dazu getroffen haben." Kranebitter will zunächst die Töchter in Österreich und Italien abtreten – allerdings nicht überhastet und zu jedem Preis. Ein Verkauf des Südosteuropa-Geschäfts noch heuer sei "äußerst unrealistisch". Frühestens in zwei Jahren könnte es soweit sein.

Die Zeit für tatsächliche Verkäufe gebe aber die Lage auf den Finanzmärkten vor. Diese seien noch zu unruhig. Kranebitter hofft auf den Sommer, wenn die systemrelevanten Institute die von der Europäischen Bankenaufsicht EBA gestellten Erfordernisse an die Eigenkapitalquote erfüllt haben.

Die Hypo, die nicht als systemrelevant gilt, kommt auf zehn Prozent Quote und damit auf mehr als die EBA fordert. Die heimische Aufsicht will aber bis Jahresende zwölf Prozent sehen. Für Kranebitter ist das "mehr als erforderlich". Er hofft, dass die Aufsicht einlenkt.
An die Hypo flossen bisher 1,5 Milliarden Euro an Steuergeldern. Noch mehr Geld sei nicht nötig, sagte Kranebitter. Die Haftungen von Bund und Land Kärnten betragen 18,5 Milliarden Euro und sollen bis 2017 abgebaut werden. Ebenso das Portfolio an Not leidenden Krediten in Höhe von zehn Milliarden Euro. Davon mussten im Vorjahr 3,5 Milliarden Euro abgeschrieben werden.

Gerichte

Der am Dienstag beginnende Prozess der Hypo gegen ihre Ex-Vorstände Wolfgang Kulterer und Günter Striedinger auf Schadenersatz hält Kranebitter naturgemäß für positiv. "Es ist wichtig, dass die Aufarbeitung der Vergangenheit zu konkreten Verfahren führt." Die Kritik an den hohen Kosten für Anwälte und Berater weist er zurück. "Wir können nicht die Hände in den Schoß legen, nur weil es etwas kostet." Von rund 1000 Verdachtsfällen der Malversation seien bisher 70 Fälle zur Anzeige gebracht worden. Davon seien 20 bis 30 große Fälle.

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