"Sein Gefühl für Österreich war viel stärker als für sein Judentum", sagt Heinz Weingarten über seinen Vater, der im 1. Weltkrieg kämpfte und schwer verwundet wurde.

© Deutsch Gerhard

1. Weltkrieg
04/23/2014

"Mein Vater war ein Patriot"

Heinz Weingarten erzählt über seinen Vater, der als Jude freiwillig für Österreich kämpfte.

von Margaretha Kopeinig

Mein Vater David Willy Weingarten hat sich freiwillig für die Teilnahme am Ersten Weltkrieg gemeldet. Er war ein österreichischer Patriot und hat für das Land gekämpft. Er war im k.u.k. Infanterie-Regiment Hoch- und Deutschmeister Nr. 58", weiß sein Sohn Heinz.

Der Vater war 22 Jahre alt, als die Katastrophe des Krieges begann. Geboren wurde er in Galizien in einer strenggläubigen jüdischen Familie. Nach der Bar Mizwa wurde David Willy mit 13 Jahren zu Verwandten nach Wien geschickt. Eine Tante sollte "das Rebellische in ihm bändigen", gibt Sohn Heinz die Familien-Saga wieder. Ausschweifend waren die Erzählungen des kriegsbegeisterten Vaters ja nicht, aber an einiges kann sich Sohn Heinz noch sehr gut erinnern.

Jüdisches Kinderheim

"Sein Gefühl für Österreich, für das Land, in dem er lebte, war viel stärker als für sein Judentum. Österreich war für ihn an erster Stelle, erst dann kam das Judentum." Über die Schrecken und die furchtbaren Gräuel des Krieges habe der Vater nur selten gesprochen. Er kämpfte an der Front in Italien, danach kam er nach Rumänien. Eine Granate traf sein Bein, die Verletzungen waren so schwer, dass David Willy Weingarten zwei Jahre in einem Lazarett in Siebenbürgen verbringen musste. Zur Truppe zurück konnte er nicht mehr, er wurde frühzeitig aus der Armee entlassen. Eine kleine Kriegsopfer-Rente wurde ihm zugesprochen.

"Das Geld spendete er einem jüdischen Kinderheim", weiß sein Sohn Heinz. Trotz der Kriegsverletzung war "mein Vater stolz darauf, es zum Zugführer gebracht zu haben. Drei Sterne schmückten seine Uniform".

Nach dem Krieg begann der ehemalige K.u.k.-Soldat seine Karriere als Geschäftsmann in der Textilbranche, 1927 ging er nach Dresden, wo er sich einen raschen Aufstieg erwartete. Bald wurde geheiratet, 1931 kam Sohn Heinz auf die Welt. Die politischen Entwicklungen in Deutschland, die Machtergreifung Hitlers, behagten David Willy Weingarten gar nicht. 1935 äußerte er sich am Stammtisch negativ über Hitler. Das reichte: Weingarten kam nach Dachau. Seine österreichische Staatsbürgerschaft half ihm, bald wieder frei zu kommen.

Die Übersiedlung nach Wien stand an, er baute in der Praterstraße und in der Lacknergasse ein neues Geschäft auf. 1937 wurde der Laden in der Praterstraße gewaltsam von Nazis zerstört und ausgeraubt, als Jude wurde er beleidigt und beschimpft. Im März 1938 nach dem sogenannten Anschluss zwangen die Nazis die Familie zur Flucht aus Österreich. Über Bratislava gelangten sie illegal nach Palästina.

Israel war aber nicht die letzte Station. 1977 emigrierte Heinz mit seiner Frau und seinen zwei Kindern nach Sydney, Australien.

Höhepunkt Hofburg

Das Europa von gestern und heute ist für den 83-Jährigen eine fremde Welt, neugierig ist er dennoch. Auf Einladung des Jewish Welcome Service nahm er kürzlich die lange Reise auf sich, um noch einmal Wien zu sehen, die Stadt seiner Kindheit.

Der KURIER traf Heinz Weingarten beim einem Empfang von Bundespräsident Heinz Fischer in der Hofburg. "Das ist der Höhepunkt unseres Aufenthaltes in Österreich", bemerkten Besucher aus Israel, den USA, Kolumbien und Australien. Der Bundespräsident erkundigte sich bei allen Gästen nach ihrem Wohlbefinden. "Das tut gut", sagte Heinz Weingarten, bevor er nach Sydney aufbrach.

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