Politik | Inland
05.07.2017

Grüne wollen mehr Zulagen für "weibliche" Berufe

Aslan für Neubewertung der Frauenarbeit: "Kollektivverträge nicht mehr zeitgemäß". Weiterhin wollen die Grünen auch eine 35-Stunden-Woche für alle Arbeitnehmer und 1.750 Euro Mindestlohn.

Die Grünen fordern in ihrem Mittwoch vorgestellten Frauenbericht die Neubewertung vorwiegend weiblicher Berufe. Frauensprecherin Berivan Aslan kritisiert, dass es für "männliche" Berufe Erschwernis- und Gefahrenzulagen gibt, für "weibliche" dagegen nicht - auch wenn das etwa bei Reinigungskräften durchaus angemessen wäre: "Die Kollektivverträge sind sehr alt, sie sind nicht mehr zeitgemäß."

Beim Vergleich der Bruttostundenlöhne verdienen die Männer in Österreich immer noch um ein gutes Fünftel mehr als Frauen (laut Eurostat 21,7 Prozent 2015 - ein Rückgang um 3,8 Prozentpunkte seit 2006). Verantwortlich dafür sind aus Sicht der Grünen mehrere Faktoren - neben den Kollektivverträgen auch die ungleiche Verteilung von Familienarbeit, die zu schlechten Karrierechancen und höherem Teilzeitanteil bei Frauen führe.

Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist "Männerpolitik"

Für Klubchef Albert Steinhauser gilt es daher vor allem, den Männern Mut zu mehr Beteiligung an der Kindererziehung zu machen: "Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist in erster Linie nämlich nicht Frauenpolitik, sondern eigentlich Männerpolitik." Wenn es normal werde, dass Männer in Karenz gehen und um 17 Uhr das Büro verlassen, um die Kinder abzuholen, werde auch die Einkommensschere geringer werden.

Aslan kritisierte, dass Berufe mit höherem Frauenanteil tendenziell schlechter bezahlt werden - dazu kämen noch Nachteile beim Zulagensystem. So gebe es für Bauarbeiter Erschwernis- und Schmutzzulagen, für Reinigungskräfte aber nicht. Weiterhin wollen die Grünen auch eine 35-Stunden-Woche für alle Arbeitnehmer und 1.750 Euro Mindestlohn.

Bessere Maßnahmen auch am Land

Neu im Grünen Frauenbericht ist ein Kapitel über Frauen am Land, das noch mit einer Grußbotschaft der aus Kärnten stammenden und im Mai überraschend zurückgetretenen Ex-Bundessprecherin Eva Glawischnig versehen ist. Gefordert werden im Bericht u.a. hochwertige Kinderbetreuung auch in den Regionen, mehr Frauen in politischen Gremien, schärfere Gesetze gegen sexualisierte Hasspostings im Netz, mehr Budget für Gewaltprävention, Frauenhäuser und Männerberatungsstellen.