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Hofburg-Stichwahl
04/30/2016

Van der Bellen für Bürgerliche "kleineres Übel"

Hauptargument von immer mehr Griss-Sympathisanten und Khol-Wählern für Ex-Grünen-Chef: Sein Pro-EU-Kurs.

von Karin Leitner, Johanna Hager

Sie werde weder Alexander Van der Bellen noch Norbert Hofer für die Stichwahl empfehlen. Das hatte die parteiunabhängige Irmgard Griss am Wahlabend gesagt. Und dann das. In Servus-TV deklarierte sich die Drittplatzierte für den Ex-Grünen-Chef: "Ich bin für ein weltoffenes Österreich, für konstruktive Mitarbeit in der EU, für eine tolerante und offene Gesellschaft, gegen Angstmacherei, gegen Abschottung. Dafür trete ich ein. Dafür tritt auch Van der Bellen ein." Stunden später zog Griss plötzlich die Notbremse: Dies sei keine Wahlempfehlung für den Ex-Grünen-Chef; sie sage auch nicht, für wen sie stimmen werde.

Leute aus ihrem Unterstützerkomitee tun das. Der ehemalige FPÖ-Heeresminister und spätere LIF-Mandatar Friedhelm Frischenschlager sagt dem KURIER: "Ich werde Van der Bellen wählen. Mein Hauptmotiv ist seine klare europapolitische Linie." PR-Frau Gabi Spiegelfeld wird weder für den Grünen noch für den Blauen stimmen: "Van der Bellens Weltbild ist nicht meines. An Hofer stört mich seine EU-Feindlichkeit."

Auch Herbert Kohlmaier, einst ÖVP-Mandatar und Volksanwalt, hat vergangenen Sonntag für Griss votiert ("Ich habe mich für sie entschieden, als sich abgezeichnet hat, dass es ÖVP-Kandidat Andreas Khol nicht in die Stichwahl schafft"). In drei Wochen wird er den Grünen wählen. "Als kleineres Übel", wie er dem KURIER sagt. "Ich bin ausgeprägter Pro-Europäer. Die FPÖ-Politik ist unsympathisch, eindimensional, populistisch. Hofer war erst der Wolf im Schafspelz, der dann Kreide gefressen hat."

ÖVP-Funktionäre bekennen sich nicht zum einen oder anderen. Die Vorgabe von oben lautet: keine Wahlempfehlung der Partei. Deren Chef Reinhold Mitterlehner hat in der dieswöchigen Parlamentsklubsitzung auch an die Mandatare appelliert, ihre Meinung nicht kundzutun. Jene, die Schwarz-Blau gerne wieder hätten, werden sich wohl auf Hofers Seite schlagen. Ein hoher Wirtschaftskammer-Funktionär schätzt, dass es derzeit 55:45 für den FPÖ-Mann steht. Das könnte sich bis zur Wahl "immer mehr in Richtung Van der Bellen drehen. Wegen Hofers Anti-EU-Kurs." Den führt auch Nationalbankpräsident Claus Raidl, ein bekennender Schwarzer, via KURIER ins Treffen: "Selbst als ÖVP-Mitglied muss man ernsthaft überlegen, Van der Bellen zu wählen. Mit Hofer hätte man im In- und Ausland große Probleme. Was ich bei Hofer vollkommen ablehne, ist seine Anti-EU und Europa-Linie."

In der ÖVP wird scherzhaft ein weiteres Argument für Van der Bellen genannt: der 72-Jährige würde wohl nur sechs Jahre in der Hofburg sitzen, der 45-jährige Hofer zwölf. Der FPÖ-Kandidat hat kein Personenkomitee. Es gibt auch kaum Prominente, die sich öffentlich für einen Blauen aussprechen wollen. Hofer hofft, mit weiteren Plakaten zu punkten, die er gestern präsentiert hat. Slogans: "Stimme der Vernunft – Einer mitten im Leben" und "Das Recht geht vom Volk aus – Ein neues Amtsverständnis".

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