Alfons Mensdorff-Pouilly nahm Bedenkzeit

© APA/ROLAND SCHLAGER

Wien
12/16/2015

"Graf Ali" ist mit drei Jahren Haft in guter Gesellschaft

Analyse: Was das nicht rechtskräftige Urteil für Lobbyist Alfons Mensdorff-Pouilly bedeutet.

von Ricardo Peyerl

Alfons Mensdorff-Pouilly wurde „den Geruch“ des ersten Strafverfahrens um seine Geschäfte tatsächlich nicht mehr los, wie ihm der Richter 2013 nach dem Geldwäsche-Freispruch prophezeit hatte. Sein neuer Richter dürfte eine feine Nase haben und verdonnerte den Lobbyisten am Montag wegen Untreue nicht rechtskräftig zu drei Jahren Gefängnis.

Fürchten muss sich „Graf Ali“ aber selbst dann nicht, wenn das Urteil hält. Er braucht sich nur am einstigen ÖVP-Innenminister Ernst Strasser – dem ebenfalls ein „special smell“ drei Jahre Haft eingebrockt hat – orientieren. Während 80 Prozent aller Häftlinge nie Freigang bekommen (was vor allem die Nicht-Österreicher trifft), musste Strasser nach acht Wochen nur noch nachts einrücken. Nach einem halben Jahr durfte er die Gitterstäbe überhaupt gegen Hausarrest mit Fußfessel tauschen.

Außerdem könnte Mensdorff eine Berufung noch Strafnachlass bringen. Strasser hat mit vier Jahren begonnen und sich auf drei Jahre heruntergehandelt. Ein langer Instanzenzug wird gern mit Strafrabatt ausgeglichen.

Im Vergleich

Mit drei Jahren für 1,1 Millionen Euro Schaden ist Gatter-Jäger Mensdorff ohnehin in guter Gesellschaft. Lobbyisten-Kollege Peter Hochegger bekam für 960.000 Euro zweieinhalb Jahre, Ex-FPÖ-Mann Gernot Rumpold für 600.000 Euro drei Jahre, beide Strafen aus erster Instanz müssen aber neu ausgemessen werden. Der Kärntner Ex-ÖVP-Landesrat Josef Martinz bekam für sechs Millionen Euro viereinhalb Jahre und hat bereits die Fußfessel.

Ein Blick ins vorige Jahrhundert zeigt, dass die Richter bei Korruption ohnehin milder geworden sind: Der Hauptschuldige im Skandal um den Bau des Wiener AKH bekam für 2,18 Millionen Euro Schmiergeld neun Jahre Haft aufgebrummt.

Der Grüne Peter Pilz würdigt das Mensdorff-Urteil übrigens heute mit einer Pressekonferenz. Titel: „Weniger Gatter, mehr Gitter.“

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