Politik | Inland
18.03.2016

Gewerkschaft fordert: Zwei Lehrer in Volksschulklassen

ÖVP-Lehrervertreter fordert für die ersten beiden Schulstufen Doppelbesetzung und Gruppenteilung.

Bis zu drei Jahre Entwicklungsunterschied zwischen Kindern ohne Deutschkenntnissen bis zu solchen mit Hochbegabung - so beschreibt Pflichtschullehrergewerkschafter Paul Kimberger (FCG) die Voraussetzungen zu Beginn der Volksschule. Für Lehrer sei das pädagogisch oft nicht zu bewältigen, kritisiert er. Er fordert daher zwei Lehrer in den ersten zwei Klassen.

Unterricht in Kleingruppen

"Die Binnendifferenzierung kann als gescheitert betrachtet werden, das sehen wir in der Volksschule", so Kimberger. Sein Lösungsvorschlag: Eine Doppelbesetzung mit Pädagogen in den ersten beiden Volksschulklassen (Grundstufe I). Dabei müssten Lehrer auch temporär Gruppen bilden dürfen, um etwa Kinder in der Unterrichtssprache Deutsch zu fördern oder besonders begabten Schülern Extra-Angebote in Mathematik zu machen.

Mit einer Doppelbesetzung à la Neue Mittelschule (NMS), wo in den Hauptfächern Teamteaching vorgesehen ist, sei hingegen keine ausreichende Differenzierung des Unterrichts möglich. "Da muss auch Kleingruppenunterricht möglich sein, wo ich etwa Schüler für vier Wochen separat in Deutsch fördere." Das sei zwar theoretisch laut Gesetz schon erlaubt, in der Praxis werde es aber nicht zugelassen. "Das Wichtige ist: Lehrer und Schulleiter müssen entscheiden können, welche Art der Differenzierung angewandt wird."

Kritik an Bildungsreform

Die Bildungsreform mit ihren geplanten Änderungen etwa bei der Schulverwaltung löst aus Kimbergers Sicht keines der täglichen Probleme an den Schulen. Dafür brauche es mehr Personal und mehr Unterstützungs- und Supportsysteme, wie es sie in anderen Ländern gibt, sagt Kimberger. "Und wir müssen endlich wegkommen von dieser Gängelung seitens der Schulbehörden. Die Schulen versinken in Verwaltung und Bürokratie, viele der fragwürdigen Innovationen der vergangenen Jahre hätten wir uns sparen können." Stattdessen sollten die Schulen entscheiden dürfen, was sie brauchen.

Dass Schüler mit Ende der Schulpflicht nicht gut Deutsch, lesen, schreiben und rechnen können, sei aber auch durch Fördermaßnahmen nicht zu verhindern, sagt Kimberger. Eine Risikogruppe habe es immer schon gegeben - diese sei heute sogar viel kleiner als früher, verweist er auf Zahlen aus Oberösterreich. Dort hätten vor 35 Jahren gut 40 Prozent keine Berufsausbildung abgeschlossen, inzwischen seien es nur mehr acht Prozent. Damals sei diese Risikogruppe nur nicht so stark aufgefallen, weil es damals mehr Stellen für Hilfsarbeiter gab als heute.

"Acht Prozent sind noch immer viel zu viel, aber auf null Prozent wird man wohl nie kommen", meint der ÖVP-Lehrervertreter. Auch die geplante Ausbildungspflicht bis 18 Jahre werde das nicht ändern, bei manchen Schülern werde man als Pädagoge immer an gewisse Grenzen stoßen. "Trotzdem müssen wir uns anstrengen, auch dieser Risikogruppe bessere Perspektiven bieten zu können."